Ein Flirt in Grün und Schwarz

Offenbach - Man spricht miteinander und schweigt sich, vereinbarungsgemäß, anschließend über Details aus. Von Thomas Kirstein

Nachdem die Kommunalwahl das Kräfteverhältnis in Offenbachs Stadtverordnetenversammlung verrückt hat, ist die Frage, wer mit wem einen Pakt für die nächsten fünf Jahre eingehen wird, offener denn je. Verschiedene Konstellationen sind möglich, die Fortsetzung der bisherigen Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP stellt momentan nur eine Option neben anderen dar.

Wie es sich schickt, bittet die stärkste Fraktion ums Gespräch. Trotz Verlusten ist das weiter die CDU mit 22 Sitzen (vorher 25). Erster Kontakt war der mit den unbestrittenen Wahlsiegern, den Grünen (16 statt 8 Sitze). Ergebnis der Schnupperrunde: Schwarzgrün wäre eine Farbzusammenstellung.

Nichts Konkretes, aber ein Signal

Am Ende des kleinen Flirts am Sonntag steht eine gemeinsame Presseerklärung. Die sagt zwar nichts Konkretes aus, wirkt aber als Signal an die anderen: Seht her, wir beide könnten miteinander. „Das Gespräch war von einer sehr konstruktiven Atmosphäre geprägt, es wurden alle relevanten Themenbereiche angesprochen“, melden die beiden Fraktionschefs Peter Freier (CDU) und Peter Schneider (Grüne). Man ist sich einig, „dass es in der Stadtverordnetenversammlung keine Hängepartie bis zur OB-Wahl im September geben soll“. Einigkeit bestehe ferner darin, dass eine eventuelle Zusammenarbeit für die volle Legislaturperiode gelten soll. Ein vertiefender Termin folgt; ob dann die diesmal fehlenden Landtags-Widersacher Stefan Grüttner (Sozialminister und Offenbacher CDU-Chef) und Tarek Al-Wazir (Grüner Landesvorsitzender) dabei sein werden, ist offen.

Heute trifft sich die CDU mit der ebenfalls gestutzten SPD (19 statt 23 Sitze). Auch die Wiederauflage einer Großen Koalition wäre denkbar. „Wir gehen offen rein und wollen erkunden, wie es mit dem Willen zu einer Zusammenarbeit aussieht“, sagt CDU-Mann Freier. Mit den Grünen, verrät er, habe man große Übereinstimmungen, etwa in der Finanzpolitik gefunden.

Gespräche mit Freien Wählern, Linken und Piraten

Andreas Schneider ist der neue Vorsitzende der SPD-Fraktion, die an einer Fortsetzung der Ampelkoalition interessiert ist. Geredet hat man schon mit Freien Wählern, Linken und Piraten.

„Das lassen wir auf uns zukommen“, sagt Schneider zum bevorstehenden Treff mit der Union. Am Samstag empfangen die Genossen ihre alten Partner von den Grünen. Ein erstes Ampel-Gespräch hat bereits stattgefunden. Es war von Ansprüchen geprägt, die die Grünen aus ihrer gestärkten Position ableiten und besonders gegenüber der gerupften FDP (3 statt 5 Sitze) artikulieren.

Am Donnerstag sprechen die Grünen mit Linken, Freien Wählern, Piraten und FDP. Soll es mit der SPD weitergehen, wäre ein Dritter im Bunde notwendig. „In den Sondierungsgesprächen klopfen wir Hürden und Gemeinsamkeiten ab“, sagt Grünen-Fraktionschef Peter Schneider und lässt durchblicken, dass die Entfernung zur CDU gar nicht so groß sei. Für ihn vor allem wichtig: „Egal in welcher Konstellation - inhaltlich muss sich unsere neue Gewichtung widerspiegeln.“

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