Flirt mit Streichfett

Offenbach - Einen Elch verscheuchen. Einen süßen Schweden ohne Deutschkenntnisse zum Frühstück verführen. Oder einer leeren Margarine-Schachtel eine Liebeserklärung machen. Von Kathrin Rosendorff

Sandra Latko, süßes Gesicht, blonde Farrah-Fawcett-Föhn-Welle, entscheidet sich schnell. „Es ist einfacher einen Mann anzulocken als einen Elch zu überzeugen, Platz zu machen“, sagt die 24-Jährige aus Raunheim und lacht.

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Elche trifft man ja auch als deutsches City-Girl eher seltener im Alltag an. Sandra steht an einem Tischchen im Cinemaxx in Offenbach und füllt erst einmal den Casting-Bogen aus. Kurz danach muss sie den Schweden verführen. Auf einem Holzstamm, der ein Kissen ist. Hinter ihr eine Leinwand mit einem See und Steg darauf. Ein Papp-Elch steht in der Ecke. Vor ihr der Kameramann und die Konkurrenz. Schließlich will nicht nur Sandra die neue „Vorzeige-Frau“ werden. Nach Offenbach sind 114 Frauen aus dem Rhein-Main-Gebiet angereist. Das Besondere: Auch Frauen, die über Größe 36 hinausgewachsen sind oder erste Fältchen haben, dürfen vorsprechen.

Die Schweden-Margarinen-Firma sucht ein neues Gesicht für einen Kinowerbespot. „Wir suchen keine Models, sondern ganz normale Frauen, die spontan, lebenslustig und leidenschaftlich sind“, betont Annika Henning, die Lätta-Pressefrau vor Ort. Und obwohl bislang alle Lätta-Frauen blond waren, sei das diesmal keine Voraussetzung. Einzige Bedingung: Die Kandidatinnen müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

Harte Konkurrenz

Gecastet wird bundesweit in Kinos. Nicht an echten Seen. „Dazu regnet es in Deutschland normalerweise zu oft“, erzählt Henning. Falls Sandra gewinnt, darf sie nach Schweden reisen. Denn dort wird der Spot gedreht. Insgesamt haben sich bisher 650 Frauen in acht Städten beworben. Zwei Städte-Castings stehen noch aus. „Der Rest unserer bisherigen 2500 Kandidatinnen hat sich online beworben“, sagt Henning.

Für Offenbacherin Julia Schildger (23) ist es das erste Casting ihres Lebens. Eigentlich ist sie Hausfrau und auf der Suche nach einer Ausbildung. „Ich bin die perfekte Lätta-Frau, denn ich bin selbstbewusst und sehr lebenslustig“, sagt sie. Als die brünette Mutter dann die Margarinen-Packung in einer Casting-Szene anflirtet, ist sie sehr, sehr aufgeregt. „Ich habe das mmh zu früh gebracht“, erzählt sie ihrer Freundin Sandra. Nervös beobachten sie die blonde Konkurrentin, die verführerisch wie eine Scarlett Johansson ins Margarinenbrötchen beißt.

Aber es gibt noch mehr gefährliche Konkurrenz. Am auffälligsten ist Sabrina Pollok (30) aus Wiesbaden. Die Haare der Altenpflegerin sind abrasiert. Sie erinnert bewusst an die 90er-Jahre Sängerin Sinéad O’Connor. „Ich steche heraus. Und das ist mein Vorteil.“ Auf ihrer Arbeit weiß noch niemand etwas von ihren Model-Ambitionen. „Die werden verdammt überrascht sein.“

Rubriklistenbild: © Georg

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