Trödelfreunde lieben ihren Flohmarkt

Wetterfester Dauerbrenner

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So mancher Schnäppchenjäger kommt gar aus Frankfurt zum Offenbacher Flohmarkt. Und auch Kunst- und Antiquitätenfreunde finden hier die eine oder andere Rarität.

Offenbach - Manfred Reißmann ist ein Kümmerer und hat für fast jeden Fall vorgesorgt – in seinem Bürocontainer neben der Carl-Ulrich-Brücke ebenso wie unterwegs beim Kontrollgang über das Gelände. Von Harald H. Richter

Als am vergangenen Samstag zum dritten Mal ein Regenschauer niederprasselt, erweisen sich Abdeckplanen zum Schutz der Standware für ihn als Verkaufsrenner. Auch mancher Plastikponcho findet Abnehmer. Und wer noch einen Tapeziertisch braucht, weil doch mehr Platzbedarf für die Trödelware besteht als gedacht – kein Problem: Auch davon hält der Flohmarktchef Vorrat bereit.

Reißmann erreicht ein Notruf vom Imbisswagen: Es fehlen Kaffeebecher. Sohn Felix besorgt Nachschub. Zwischendurch unternimmt Senior Reißmann einen Toilettencheck, denn sein Prinzip Sauberkeit gilt nicht nur für das Flohmarktgelände, sondern auch fürs stille Örtchen. Zwischendurch kassiert der Chef die Standgebühren und findet für viele Beschicker ein nettes Wort – schließlich kennt man einander.

Margit Christ ist eine von vielen Standbetreibern, die regelmäßig ihren Trödel am Mainufer feilbieten.  

Seit 2009 betreiben er und sein Kompagnon Jörg Faulstich mit ihrer ortsansässigen Firma Phönix Dienstleistungen den „freundlichen Antik- und Trödelmarkt“ und haben sich dieses Image ehrlich erarbeitet. Der ganzjährige Markt unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von manch sonntäglichem Basar mit 99 Cent-Artikeln und Neuware auf den Parkplätzen von Großmärkten. Das Ambiente am Flussufer ist stimmig, das Warenangebot umfänglich, die Standgebühren sind moderat und die erzielten Erlöse ordentlich – Faktoren, welche die Händler aus dem Rhein-Main-Gebiet, dem Fuldaer Land und dem Raum Aschaffenburg stets gern nach Offenbach kommen lassen. Frei von Erwerbsdruck können hier Privatleute gebrauchte Dinge aller Art anbieten. Lebensmittel sind tabu, auch „um keine Konkurrenz zu unserem schönen Wochenmarkt entstehen zu lassen“, sagt der Organisator.

Für Kinder und Jugendliche gibt es sogar einen Taschengeld schonenden Spezialtarif. „Schließlich sollen die Kids ja was einnehmen und nicht wir auf ihre Kosten den Reibach machen.“ Die Kundschaft weiß den Markt gleichfalls zu schätzen. Nur selten verlässt ein Neugieriger das Gelände mit leeren Händen. Teile der Bevölkerung sind gar darauf angewiesen, dort Dinge des täglichen Bedarfs im vernünftigen Preis-Leistungsverhältnis einzukaufen.

Standaufbau im Morgengrauen

Nicht wenige Standbeschicker, die samstags buchstäblich schon im Morgengrauen in vollbeladenen Fahrzeugen auf die Freigabe ihrer asphaltierten Standplätze warten, sind Dauerkunden. Egal ob unter sengender Sommersonne oder bei herbstlichen Winden, sie bieten immer wieder gern in der Lederstadt ihre Waren feil. Das Sortiment reicht quer durchs Alphabet von Autofelgen bis Zweiradzubehör, dazu wird Hausrat in jeglicher Form veräußert sowie tragbare Kleidung für Klein und Groß, Spielzeug, Bücher, Comics und Unterhaltungselektronik.

Wetterunbilden zum Trotz ist das Parkplatzgelände auch an diesem Samstag nahezu ausgebucht. „Wenn es schon freitags regnet, ist die Auslastung am Samstag natürlich geringer“, weiß Reißmann aus Erfahrung. Das zeigt sich oben auf dem Maindamm, wo sich die Marktstände diesmal nicht so lückenlos aneinander reihen wie an einem Hochsommertag. Margit Christ aus Rödermark-Urberach ist trotzdem dabei und gehört zu den Unerschrockenen, denen ein Regenguss nichts ausmacht. Sie kommt fast jede Woche hierher, ist auch diesmal seit halb sieben Uhr auf den Beinen und belegt – wenn möglich – stets den gleichen Standplatz in Nachbarschaft zu einer Freundin aus Mainhausen, die ebenfalls Trödel anbietet. „Die Verkaufsatmosphäre behagt mir und alles ist perfekt organisiert“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Vieles findet neue Besitzer

Das bestätigt auch Gisela Grumbach. Die Neu-Isenburgerin zieht trotz nassen Schuhwerks eine positive Bilanz. Sie hat nahezu alles verkauft, was sie mitgebracht hat: Porzellan, gläserne Schalen und Deko-Artikel, Bekleidung und bunte Schals, sogar für zwei klappbare Holzstühle haben sich Käufer gefunden. Nun, da sie nicht einmal mehr für sich selbst eine Sitzgelegenheit zur Verfügung hat, händigt sie Reißmann den geliehenen Tapeziertisch aus und lässt sich ihre Reinigungskaution zurückgeben.

Oben auf dem Maindamm ist Corwin Jungjohann etliches ausrangiertes Spielzeug losgeworden und gerade dabei, in gekonnter Verkaufsmanier ein paar Kinderbücher anzupreisen. Der 13-Jährige und seine Mutter sind erstmals vertreten – auf Empfehlung einer Bekannten, wie Yvonne Jungjohann bekennt. „Versuchs doch mal in Offenbach“, hatte sie ihr geraten. „Das war ein guter Tipp“, betont die Frankfurterin zufrieden und nickt auf die Frage, ob sie wiederkommen wird.

Mehr Informationen: www.flohmarkt-offenbach.com

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