Auf Aufnahme von 600 Menschen vorbereitet 

Flüchtlinge kommen wohl nicht vor heute Abend

+
Die Helfer, darunter Bundeswehrsoldaten, richteten am Samstag die Edith-Stein-Sporthalle für die Flüchtlinge her. Die Schulleitung kritisiert, kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein und weist auf die Auswirkungen auf den Sportunterricht hin.

Offenbach - Die Stadt ist auf die Aufnahme von bis zu 600 Flüchtlingen vorbereitet. 275 Helfer, davon 200 Ehrenamtliche, haben dafür in Rekordzeit drei Schulturnhallen hergerichtet.  Von Matthias Dahmer 

Wie die Erstaufnahme funktionieren wird, erläuterten Stadt und Feuerwehr am Samstagvormittag. Verbunden ist das mit deutlicher Kritik am bisherigen Agieren von Bund und Land. Den Akteuren ist die Anspannung anzumerken. Wann und was auf sie zukommt, ist auch Stunden vor der für Samstagabend avisierten Ankunft der Flüchtlinge unklar. „Das Versagen der Weltpolitik ist in Offenbach angekommen“, formuliert es der Oberbürgermeister in einem kurzfristig angesetzten Pressegespräch in der mit Feldbetten und Trennwänden bestückten Turnhalle der Anne-Frank-Schule. Mit Verweis auf die Anordnung des Landes sagt er, man habe zur Kenntnis zu nehmen, dass Offenbach in den nächsten Monaten 1000 Menschen betreuen müsse. Weil das zunächst in Schulturnhallen passieren muss, werde „die soziale Akzeptanz in der Stadt auf die Probe gestellt“, formuliert Horst Schneider.

Lesen Sie dazu auch:

Schneller Umzug eher fraglich

Infoabend in Stadthalle  

Zwar ist der Verwaltungschef sicher: „Wir kriegen das hin.“ Doch 1 000 Flüchtlinge seien die oberste Grenze dessen, was Offenbach verkraften könne. Schneider kritisiert zugleich die Informationspolitik von Bund und Land. Obwohl die Flüchtlingswelle nun schon fünf Wochen anhalte, gebe es keine verlässlichen Informationen, wie viele Menschen letztlich kommen. Ebenso unklar ist, wie lange Stadt und ehrenamtliche Helfer diese Aufgaben stemmen müssen. Wann das Land die Zuständigkeit für die Flüchtlinge in Offenbach übernehme, stehe noch nicht fest, sagt Feuerwehr-Chef Uwe Sauer. Klar ist für ihn nur: „Die Unterbringung der Flüchtlinge in Turnhallen geschieht auf dem Rücken der ehrenamtlichen Helfer.“

Alles zum Thema „Flüchtlinge in der Region“ lesen Sie hier.

Die koordiniert Sauer mit dem DRK-Mann und Katastrophenschützer Uwe Riehl. Der Zugführer kommt mit seinen Leuten aus dem Hochtaunuskreis, weitere Kräfte stellt der Odenwaldkreis. Dort, im reichen Taunus und im dünner besiedelten Odenwald, hat das Land bislang noch keine Notunterkünfte eingerichtet. Und wo sind die lokalen Katastrophenschützer? Die helfen bereits in Frankfurt aus...

Der Belegungsplan für die Turnhallen sieht vor, dass die ersten Flüchtlinge in der Edith-Stein-Schule unterkommen, wo 260 Feldbetten stehen; es folgen Schulzentrum Buchhügel und die Anne-Frank-Schule dran, in deren Ein-Feld-Halle Halle eine Sanitätsstation eingerichtet ist.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Provisorische Trennwände in den mit einem Extra-Boden ausgelegten Hallen sollen „eine Idee von Intimsphäre“ geben, so Uwe Sauer. Ein Bereich ist für alleinstehende Männer vorgesehen, ein weiterer für Familien und alleinstehende Frauen. Ihr Habseligkeiten müssen die Flüchtlinge unter dem Feldbett verstauen, es gibt für sie drei Mahlzeiten am Tag. Bevor die Menschen in die Hallen kommen, gibt es in Zelten davor einen Sicherheits- und Medizincheck. Die Flüchtlinge werden gezählt, jedoch nicht namentlich registriert. Dafür seien mobile Teams des Regierungspräsidiums zuständig, heißt es. Wer nicht in den Offenbacher Erstaufnahmen bleiben will, kann gehen, wohin er will. Auch das könne nicht kontrolliert werden, sagen die Helfer.

Wie die Schüler auf die neue Nachbarschaft reagieren werden, bleibt abzuwarten. Iris Kamarowsky, Leiterin der Edith Stein-Schule, macht am Samstag angesichts von Absperrungen, Dixie-Klos und Bundeswehrsoldaten jedenfalls ihrem Ärger lautstark Luft. Dabei geht es ihr nicht ums Grundsätzliche, sondern um das Verfahren: „Wir werden hier mit der Belegung überfallen. Ich hätte mir ein wenig Vorlauf gewünscht.“

Wann die fürs vergangene Wochenende angekündigten Flüchtlinge tatsächlich in Offenbach eintreffen, ist weiter unklar. Nach Rücksprache mit dem Land ist mit einer Ankunft nicht vor heute Abend zu rechnen, hieß es gestern. Möglicherweise kommen die Asylsuchenden mit einem Sonderzug an. Die überwiegend ehrenamtlichen Kräfte haben ihren Dienst am Samstagabend vorläufig beendet, stehen jedoch mit einer Vorlaufzeit von drei Stunden jederzeit wieder zur Verfügung.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion