Erschöpft, aber angekommen

Umzug ins Erstaufnahmelager am Kaiserlei wird sich verzögern

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Offenbach - Vermutlich werden die Flüchtlinge länger in den Notunterkünften bleiben müssen, als die Verantwortlichen zunächst angenommen haben: Oberbürgermeister Horst Schneider etwa hatte mit Mitte nächster Woche gerechnet, jetzt wird es womöglich weitere acht Tage dauern.

Zwar sei das Gelände in der Kaiserleistraße baufertig, erläuterte gestern Nachmittag Offenbachs Feuerwehrchef Uwe Sauer, aber die weitere Einrichtung und der Betrieb müssten noch geregelt werden. „Wir kommen nicht früher aus der Nummer raus“, ergänzt Oberbürgermeister Horst Schneider. In der Nacht zum Donnerstag sind 365 Flüchtlinge in sieben Bussen eingetroffen. „Das tagelange Warten hat für die Offenbacher Berufsfeuerwehr, die Freiwilligen Hilfsdienste, die Soldaten der Bundeswehr, die Mediziner, die Dolmetscher, die Polizei und den Sicherheitsdienst ein Ende“, fasst Stadtsprecher Matthias Müller zusammen, der das Geschehen begleitete. Alleinreisende Männer kamen in der Turnhalle der Edith-Stein-Schule (ESS), Familien in der Turnhalle der Anne-Frank-Schule unter. Allerdings wurden Nachbarn und Reisegefährten nicht auseinandergerissen. So ging der Plan nicht auf, nur alleinstehende Männer in der ESS unterzubringen.

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Zusätzlich wurde in der Gymnastikhalle der Anne-Frank-Schule eine Krankenstation eingerichtet. Die Umkleide ist kurzerhand zu einer Medikamentenausgabe umfunktioniert worden. „Die Menschen waren sehr erschöpft, als sie hier um halb 5 Uhr morgens ankamen“, erzählt Dr. Bernhard Bornhofen, Leiter des Stadtgesundheitsamts. Aber nur drei seien ernsthaft krank gewesen und hätten ins Sana-Klinikum gebracht werden müssen. Darunter ein Säugling, dem vermutlich die Strapazen der Flucht schwer zu schaffen gemacht hätten. Viele Flüchtlinge konnten sich 15 Tage lang nur von Keksen ernähren können, darunter auch junge Mütter, die so keine Milch mehr für ihre Neugeborenen produzierten. Es gelte jetzt vor allem, die Menschen wieder zu Kräften kommen zu lassen, sagte Bornhofen. Vielen gehe es heute schon sehr viel besser.

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Zwar waren die Feldbettlager fast vollständig belegt, viele hätten sich jedoch bereits wieder auf den Weg zu ihren eigentlichen Fluchtzielen gemacht. Etliche wollen laut Feuerwehrchef Sauer nach Belgien oder Schweden. Um den Überblick zu behalten, orientiere man sich an den Erfahrungswerten anderer Notunterkünfte. „Heute Nacht werden wir Köpfe zählen“, so der Feuerwehrchef. In der Nacht zu Freitag seien keine weiteren Flüchtlinge mehr für Offenbach vorgesehen.

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Ein Problem: Immer mehr ehrenamtliche Helfer würden von ihren Arbeitgebern nicht mehr freigestellt, klagt Sauer: „Zur Not werde ich auf weitere Bundeswehrsoldaten zurückgreifen müssen.“ Um die große Hilfsbereitschaft und Spendenwilligkeit der Offenbacher zu kanalisieren, wird es ab sofort eine Stabstelle für Flüchtlingshilfe geben. „Von dort aus soll jede Art von Hilfe koordiniert werden“, so OB Schneider. Die Leitung wird Reinhard Knecht übernehmen, das personifizierte Referat Ehrenamt der Stadt. Als Unterstützung wird Knecht, Luigi Masala, der Integrationsbeauftragte, zur Seite gestellt. Dafür wurde zusätzlich eine halbe Stelle geschaffen. Die Kosten für die insgesamt anderthalb Stellen für die Flüchtlingshilfe will Schneider dem Land in Rechnung stellen.

  • Sitz der Flüchtlingshilfe Offenbach wird das Freiwilligenzentrum, Domstraße 81, sein. Weitere Informationen hierzu gibt es unter www.offenbach.de oder direkt bei Reinhard Knecht unter Tel.: 069/80652624.

ror

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