Stadt und Rotes Kreuz bitten um Verständnis

Erstmal keine Sachspenden für Flüchtlinge

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Kaum mehr zu bewältigende Berge von teils nicht brauchbaren Spenden wie in Neu-Isenburg sollen in Offenbach vermieden werden.

Offenbach - Frustration vermeiden, Hilfsbereitschaft bewahren: Das Deutsche Rote Kreuz und die Stadt werben um Verständnis, dass gegenwärtig keine Sachspenden für möglicherweise nach Offenbach kommende Flüchtlinge angenommen werden. Von Thomas Kirstein

Auch sind Angebote für „Zeitspenden“ noch nicht zu kanalisieren. Eine Offenbacher Unterkunft für Menschen, für die im hoffnungslos überfüllten Gießener Erstaufnahmelager des Landes kein Platz ist, war gestern offiziell noch nicht gefunden. Das Regierungspräsidium Darmstadt prüft noch – ob das von unserer Zeitung genannte ehemalige GOAB-Anwesen an der Mühlheimer Straße dabei ist, mag niemand bestätigen.

Die Offenbacher aber fragen schon nach, wie sie helfen können. Unzählige E-Mails gehen ein auf fluechtlingshilfe@offenbach.de, viele Anrufe erreichen das Bürgertelefon (Tel.: 069/840004375). Diese Bereitschaft soll in vernünftige Kanäle gelenkt werden. Das DRK, das auch die Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsorganisationen koordiniert, und die Stadt bitten deshalb um Geduld, wollen verhindern, dass jemand verärgert wird, der momentan nicht zum Zuge kommt.

Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis und Stadtsprecher Fabian El-Cheikh stellten gestern gemeinsam mit dem DRK vor, was in Offenbach geplant ist, damit richtige Hilfe geleistet wird und Bürger nicht enttäuscht werden. Ein Merkblatt ist in Vorbereitung, das aufzeigt, was im Falle eines Falles konkret gebraucht wird: Derzeit ist nicht absehbar, wann Flüchtlinge ankommen, wie viele es sein werden und wie sie sich in Männer, Frauen und Kinder aufteilen.

Dem DRK geht es besonders darum, in Offenbach besser in den Griff zu bekommen, was über die Helfer in Neu-Isenburg hereingebrochen ist. Beatrix Duttine-Eberhardt, beim Kreisverband Sachgebietsleiterin für Wohlfahrts- und Sozialarbeit, schildert eine wahre Überschwemmung mit Sachspenden. 50 Ehrenamtliche sind derzeit mit dem Sichten und Sortieren beschäftigt.

Bilder: Einblicke in Unterkunft für Flüchtlinge in Neu-Isenburg

Dabei ist es nicht allein die Quantität, sondern auch die Qualität, die überfordert. „Leider gehen zu viele Spenden am tatsächlichen Bedarf vorbei“, findet Beatrix Duttine-Eberhardt vorsichtige Worte, „auch sollte die Nothilfe nicht zum Anlass genommen werden, den eigenen Keller oder Dachboden zu entrümpeln“.

Manches, was in Isenburg abgeladen wurde, ist nicht nur zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig. Etliches ist vielmehr wahllos zusammengepackt beziehungsweise und schlicht nicht zumutbar. DRK-Mitarbeiter berichten unter der Hand von halben Wassermelonen, abgelaufenen Medikamenten, ungewaschener und zerschlissener Kleidung, Textilien, die nach ihrem Geruch zu urteilen offensichtlich schon längere Zeit in Kellerräumen gelagert worden waren. So etwas landet wie gebrauchte Unterwäsche unweigerlich im Müll.

Bilder: Flüchtlinge am Hauptbahnhof

Auch für Kinderwagen gibt es derzeit keine Verwendung, da schlicht kein Platz vorhanden ist. Möbel wie Matratzen, Betten und Schränke gehen ebenfalls nicht. Lebensmittel, verpackt oder unverpackt, sind völlig tabu. „Mit Liebe geschmierte Butterbrote, wie wir sie in Neu-Isenburg angeboten bekommen haben, dürfen wir nicht in die Gemeinschaftsunterkunft bringen“, erläutert DRK-Frau Duttine-Eberhardt. Die Flüchtlinge werden mit warmen Mahlzeiten versorgt, erhalten bei ihrer ankunft ein Notbett, Decken und ein Hygieneset. Dafür sorgt das Regierungspräsidium. Ärzte sorgen an Ort und Stelle für die Versorgung der Menschen, die sich teilweise auf ihrer Flucht Krankheiten geholt und auf Fußmärschen wunde Füße geholt haben.

Spendenkonto des DRK: Sparkasse Offenbach, IBAN DE23505500200000171719 BIC: HELADEF1OFF

Das DRK ist erreichbar unter der Nummer 069/85005 0 (E-Mail: sozialarbeit@drk-of.de)

Persönliche Hilfe von Mensch zu Mensch will gesteuert sein. Gesundheitspässe, Impfstatus, Führungszeugnisse, Sicherheit können gegebenenfalls abgefragt werden. Für einen späteren Zeitpunkt ist ein Betreuungsangebot für den Nachwuchs vorgesehen. Beim DRK wird betont, dass die meist von Strapazen erschöpften Asylsuchenden zunächst einmal ein intensives Ruhebedürfnis hätten. Was immer und sofort benötigt wird, ist Geld. Das DRK hat ein Spendenkonto für die regionale Flüchtlingshilfe eingerichtet.

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