Unterkunft seit Wochen dicht

Flüchtlinge: Windpocken bremsen Registrierung aus

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Ein Leben in der Zwischenzone: Die Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung warten auf ihre Registrierung.

Offenbach - Die Zustände in der Erstaufnahmeeinrichtung am Kaiserlei dürften mittlerweile bekannt sein: Für die Menschen unverträgliches Essen, Mangel an Beschäftigung und noch keine Registrierung. Von Rebecca Röhrich

Nach unserem Bericht folgte ein großes Medienecho. Vorgestern machten die Flüchtlinge selbst ihrem Ärger Luft. Laut Polizei demonstrierten etwa 100 von ihnen vor der Einrichtung. Andere Beobachter sprechen von bis zu 300 Menschen. Ihr wichtigstes Anliegen: Sie wollen endlich registriert werden. Denn ohne Registrierung kann das Asylverfahren nicht beginnen. Heißt: Es gibt kein Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und keine längerfristige, angenehmere Unterbringung.

Wie unsere Zeitung gestern in Erfahrung bringen konnte, hat der Stillstand gesundheitliche Gründe: Mitte Oktober sind bei zwei Kindern in der Einrichtung Windpocken festgestellt worden. „In so einem Fall greift das Infektionsschutzgesetz“, erklärt der Sprecher der Stadt, Matthias Müller. Dies bedeute, dass aus den Notunterkünften keine weiteren Menschen in die Erstaufnahmeeinrichtung am Kaiserlei umziehen dürften. Sofort nach Bekanntwerden habe das Offenbacher Gesundheitsamt die Menschen in der Einrichtung geimpft. Da die Inkubationszeit jedoch zehn Tage betrage, könne die Standortsperrung erst am kommenden Sonntag aufgehoben werden, erklärt der Stadtsprecher.

Auch das mobile Registrierungsteam des Regierungspräsidiums Gießen ist von der Sicherheitsvorkehrung betroffen, bestätigt Katharina Pradl, Mitarbeiterin der Pressestelle beim RP. „Ursprünglich war die Registrierung für den 19. Oktober geplant.“ Wann die Menschen am Kaiserlei nach Aufhebung der Standortsperrung registriert werden können, ist unklar. Aber etwas Geduld ist wohl noch gefragt.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Ein Grund dafür könnte sein, dass das RP aktuell nur auf zwei Erfassungsteams für sein gesamtes Einzugsgebiet zurückgreifen kann. Ein drittes ist geplant. „Wir werden auch weiter aufstocken“, sagt Katharina Pradl.

Die Probleme mit der Verpflegung und mit der mangelnden Beschäftigung liegen in der Verantwortung des RP Darmstadt, weil dieses für den Betreiber, den Arbeiter-Samariter-Bund, verantwortlich ist. Vorgestern waren Vertreter des RP in der Offenbacher Einrichtung. Bei dem Treffen seien die aktuellen Probleme besprochen worden, heißt es seitens der Pressestelle. „Das Verpflegungsunternehmen will mehr Fladenbrot in sein Essenangebot aufnehmen“, berichtet RP-Sprecher Dieter Ohl. Ein Wechsel des Caterers sei aber nicht geplant. „Man muss auch Dinge einfach mal laufen lassen“, meint Ohl. Auch der Einsatz von ehrenamtlichen Helfern war ein Thema der Gespräche. Dabei sei es aber nur um grundsätzliche Fragen gegangen, so der RP-Sprecher.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Warum die besondere Situation in der Offenbacher Einrichtung nicht früher an die Öffentlichkeit gedrungen ist? Stadtsprecher Matthias Müller verweist auf eine Vorgabe des hessischen Sozialministeriums. Dort sei die Order ausgegeben worden, die Sperrung nur auf Anfrage zu bestätigen.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

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