Land bittet um Suche nach geeigneten Flächen

Flüchtlings-Zelte bald auch in Offenbach?

Offenbach - Das hessische Erstaufnahmelager in Gießen ist hoffnungslos überfüllt, die Landesregierung sucht händeringend nach Standorten für Außenstellen.

Nach Informationen unserer Zeitung ist auch Offenbach aus Wiesbaden angeschrieben worden und ermittelt nun, ob eine Fläche für ein Zeltlager zur Verfügung steht. Bislang gibt es keine dauerhaften Zuweisungen von Flüchtlingen an Offenbach, da die Stadt durch Familiennachzug bereits die Aufnahmequote übererfüllt. Auf Anfrage wurde im Offenbacher Rathaus bestätigt, dass man sich der allgemeinen Voranfrage des Landes nicht verschließe. Die Stadt hat sofort alle Beteiligte, unter anderem die zuständigen Amtsleiter, zu einer Sitzung zusammenberufen. Es geht um die Frage, ob in Offenbach geeignete Areale für eine Unterbringung in Zelten zur Verfügung stehen. Das Land sichert der Stadt zu, in einem solchen Fall alle Kosten zu übernehmen. Die Prüfung läuft.

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Bis jetzt ist völlig unklar, ob die Stadt tatsächlich Flüchtlinge – die Zahl 400 wird nicht bestätigt – aufnehmen kann. Bürgermeister Peter Schneider zeigt unserer Zeitung gegenüber Verständnis für die Lage, in der sich auch Hessen befindet; klar sein müsse aber auch, dass die personellen und finanziellen Möglichkeiten der Stadt Offenbach bei Null lägen. „Sofern Offenbach aber einen Beitrag leisten kann, um die menschliche Not der Flüchtlinge zu lindern, werden wir das als weltoffene Stadt tun“, betont Schneider, „wir haben sehr viele Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationen.“ Falls Flüchtlings-Zelte aufgestellt werden können, will die Stadt auf Verbände, Institutionen, Kirchen, islamische Gemeinden und die Bürgerschaft zugehen.

„Es geht darum, Verständnis und Unterstützung für die oft traumatisierten Menschen zu gewinnen“, sagte der Grünen-Politiker. Er unterstreicht aber, dass sich die Anfragen des Landes nicht um dauerhafte Zuweisung, sondern nur um vorübergehende Unterbringung während der laufenden Asylverfahren handele. Erst nach deren würden die Menschen dauerhaft auf die Kommunen im Land verteilt.

Bilder: Bouffier besucht Flüchtlinge

Nach den rassistischen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau will auch Kanzlerin Angela Merkel heute das betroffene Flüchtlingsheim besuchen. Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel war bereits am Montag in die sächsische Kleinstadt gereist. Seitdem sieht sich die SPD-Zentrale mit einer Masse an rassistischen Pöbeleien in Mails und Anrufen konfrontiert. Gestern musste sogar das Willy-Brandt-Haus nach einer telefonischen Bombendrohung geräumt werden. Es war jedoch ein falscher Alarm.

Die Kanzlerin appellierte erneut an die EU-Mitgliedsstaaten, Flüchtlinge fair auf die Länder zu verteilen. Drei oder vier von 28 können nicht die ganze Last tragen, sagte sie bei einer Diskussion mit Bürgern in Duisburg-Marxloh. Zudem wurde bekannt, dass Deutschland syrische Asylbewerber nicht mehr in andere EU-Länder zurückschicken will, über die sie in die EU eingereist sind.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geht nach einem Brand in einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge von einem rechtsextremistischen Anschlag aus. Gestern Morgen war in Nauen die Sporthalle eines Oberstufenzentrums niedergebrannt. Dort sollten bald 100 Asylbewerber vorübergehend unterkommen, bis ihre Unterkünfte fertiggestellt sind.

tk/dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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