Stadt nimmt vorübergehend 450 Asylsuchende auf

Flüchtlings-Zelte an die Mühlheimer

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Bis zum Wochenende soll die Zeltstadt am Eschig (hier ein Archivbild) stehen. Wann die ersten Flüchtlinge kommen, war gestern noch nicht bekannt.

Offenbach - Ein Gebiet nördlich der Mühlheimer Straße, 10.000 Quadratmeter groß zwischen Karl-Herdt-Weg und Sportplätzen gelegen, wird zur vorübergehenden Unterkunft für 450 Flüchtlinge. Von Thomas Kirstein 

Das Land baut dort als Dependance des überquellenden Erstaufnahmelagers Gießen neun große Zelte plus notwendige Versorgungs-Einrichtungen auf. Wie unsere Zeitung am vergangenen Mittwoch exklusiv berichtete, klopfte das Land Hessen auch in Offenbach wegen eines temporären Lagers an. Eigentlich ist die Stadt von Flüchtlingszuweisungen ausgenommen, da sie mit anerkannten Asylbewerbern die Quote bereits erfüllt. Der Bitte aus Wiesbaden wollte sich der Magistrat jedoch nicht verschließen. Eine Arbeitsgruppe aus Amtsleitern und Feuerwehr suchte tagelang einen von Lage und Infrastruktur her geeigneten Standort. Fündig wurde der Verwaltungsstab an der Straße Im Eschig, wo in der Vergangenheit mehrere Sozialbauten niedergelegt wurden. Das Grundstück befindet sich an einem überwiegend von Gewerbe geprägten Standort, ist in städtischem Besitz und verfügt über Strom-, Wasser- sowie Abwasserversorgung. Der Betrieb des Zeltlagers liegt in der Verantwortung Hessens und wird vom Regierungspräsidium Darmstadt organisiert. Wiesbaden übernimmt sämtliche anfallenden Kosten.

Bürgermeister Peter Schneider, der Oberbürgermeister Horst Schneider vertritt, betonte gestern, dass es sich um eine temporäre Einrichtung zur Entlastung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) für Asylbewerber in Gießen handeln werde. Ohnehin steht das Areal dem Land nur bis Juni 2016 zur Verfügung. Anschließend beginnen vorbereitende Arbeiten für den Neubau der Fröbelschule. „Wir gehen nach entsprechenden Gesprächen davon aus, dass das Gelände bis spätestens Ende Juni 2016 geräumt wird“, sagte Schneider.

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Stadt und Sozialministerium sind sich auch einig, dass die Unterbringung in Zelten nur eine Zwischenlösung sein kann. „Vor der kalten Jahreszeit müssen alle Anstrengungen geleistet werden, um die Menschen spätestens bis November in feste Unterkünfte zu bringen“, lautet die Forderung von Bürgermeister Schneider. Die Stadt prüft deshalb geeignete Immobilien. Allerdings gibt es nach Informationen unserer Zeitung keine potenziellen Quartiere in städtischem Besitz. Alles hängt von privaten Eigentümern ab. Noch nicht abschließend geklärt ist, ob das dem Sana-Konzern gehörende alte Klinik-Bettenhaus eine Alternative sein könnte.

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Bürgermeister Schneider erklärt, für Offenbach stehe es außer Frage, in größter Not zu helfen: „Niemandem auf der Welt ist ein solches Leid zu wünschen, das durch Krieg und Verfolgung ausgelöst wurde. Wir werden mit Bürgern, religiösen Gemeinden und karitativen Einrichtungen eng zusammenzuarbeiten, um den Menschen in Offenbach eine sichere und friedliche Zeit bis zur Klärung ihrer Asylverfahren zu bieten.“ Hessens Sozialminister, der Offenbacher CDU-Vorsitzende Stefan Grüttner, dankte Oberbürgermeister Horst Schneider für die Bereitschaft, dem Land Hessen bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu helfen.

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