Verknüpfen klappt spontan

Flüchtlingshilfe bringt Helfer zusammen

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905 Menschen leben aktuell in der Flüchtlings-Einrichtung des Landes am Kaiserlei.

Offenbach - Seit im Oktober Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung im Kaiserlei untergebracht wurden, bleibt die Hilfsbereitschaft der Offenbacher groß. Aber viele wissen nicht, wie sie sich engagieren können, andere organisieren Projekte in Eigenregie. Von Julia Radgen 

Um die ehrenamtliche Hilfe zu vernetzen und vorzustellen, lud die zuständige Stabsstelle zu einem Treffen ein. Studenten, Rentner und Lehrer, aber auch Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen und privaten Projekten sind am Montagabend in die Hochschule für Gestaltung (HfG) gekommen. Dort geht es diesmal nicht um Künstlerisches, sondern um praktische ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Die organisiert sich momentan vielfach über private Initiativen, Vereine und soziale Netzwerke. „Es fehlt an Transparenz“, fasst Gabriele Türmer, die die Gastmahl-Initiative ins Leben gerufen hat, die Kritik der hilfsbereiten Offenbacher zusammen. Die Menschen wollten wissen, was im Camp gebraucht werde und wen sie kontaktieren sollten. Der „Infopoint“ im Lager und der Newsletter nutzten nicht viel, sagt Türmer. „Es gibt viele tolle Ideen, aber wir brauchen Kontaktdaten“, unterstützt sie ein Mann aus dem Podium.

Zentrale Ansprechpartnerin in Offenbach ist die im Oktober eingerichtete Stabsstelle Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Die bislang vierköpfige Gruppe wird vom städtischen Ehrenamtsbeauftragten Reinhard Knecht geleitet und ist im Freiwilligenzentrum, einem gemeinnützigen Verein zur Vermittlung von Unterstützung, angesiedelt. „Unsere Aufgabe ist es, die Hilfsangebote aufzunehmen, zu registrieren und umzusetzen“, sagt Knecht. Bis zu 600 Personen hätten sich dem Freiwilligenzentrum Hilfe angeboten, 61 Projekte seien bereits angelaufen. Sigrid Jacob, Leiterin des Freiwilligenzentrums, sagt, es sollten Strukturen und belastbare Angebote aufgebaut werden. Aufgabe der Stabsstelle ist es, Details mit dem vom Land Hessen eingesetzten Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung, dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), zu klären und Ideen zu bündeln.

Ein Beispiel dafür liefert der Abend. Rolf Sandmann und sein Radfahrverein Germania Bieber wollen Flüchtlinge mobil machen: „Unser Verein könnte etliche Räder spenden, um einen Verleih aufzubauen.“ Da kommt das Fanprojekt des OFC als Ergänzung gerade recht. Man könne zehn Drahtesel beisteuern, meldet Frank Hamburger. Die Kickers-Leute wollen zudem mit der Verkehrswacht Schulungen im Straßenverkehr organisieren. Die Veranstaltung bringt sie zusammen, Sandmann und Hamburger widmen sich gleich praktischen Fragen, wie der Lagerung der Räder. Was hier zufällig passiert ist, soll in Zukunft strukturiert geschehen. „Bisher hat jeder vor sich hingewerkelt“, sagt Hamburger. Aber Sandmann wirft ein: „Es ist beachtlich, was in kurzen Zeit bisher geleistet wurde“.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Das sind unter anderem Deutschkurse, Sportaktivitäten oder Kinderbetreuung. Denn zunächst habe man die Grundversorgung für die mittlerweile 905 Flüchtlinge sicher stellen müssen. „Doch nun fehlt es den Menschen an Beschäftigung“, betont Hiwa Rostami, der stellvertretender Leiter der Einrichtung. Dafür benötige der ASB dringend ehrenamtliche Helfer, sagt Rostami. Die gibt es, und die sprudeln über vor Ideen: HfG-Studenten könnten Kunstkurse anbieten, eine Sammelaktion für alte Laptops gestartet werden und Sportturniere veranstaltet werden.

Für alle weitergehenden inhaltlichen Planungen wird an diesem Abend auf Evelyn Weiß verwiesen: Sie sei seit zwei Wochen die neue Koordinatorin des Ehrenamts beim ASB und arbeite eng mit der Stabsstelle zusammen, stellt sich die Soziologin vor. „Wir ergänzen und verstärken uns gegenseitig“, sagt Weiß. Dem Unmut, den die bisherige Organisation bei einigen Bürgern hinterlassen hat, sieht sie gelassen entgegen: „Ich arbeite auch daran, Informationen transparenter zu machen.“ Sehr viele Angebote laufen jetzt bei ihr über die städtische Stabsstelle bei ihr auf. Priorität hat, was schnell viel hilft. „Ich konzentriere mich darauf, kurzfristige Projekte umzusetzen“, sagt Weiß. Dauert es länger, haben die Flüchtlinge, die jetzt da sind, womöglich nichts mehr davon. Denn eigentlich sollen sie, so die Vorgabe vom Land Hessen, nicht länger als sechs Monaten im Erstaufnahmelager verbringen.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

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