Fluglärm-Doppelpack veranschaulicht

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Negative Entwicklung am Offenbacher Himmel: Die Lärmbelastung am 4. April 2012 in einer Grafik. 

Offenbach - In der Nacht ist es ruhiger geworden, zumindest in der kurzen sechsstündigen Zeitspanne und falls das Verkehrsministerium keine Ausnahmegenehmigungen erteilt. Von Thomas Kirstein

Vor 23 Uhr und nach 5 Uhr aber ballt sich seit der Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn im Oktober der Lärm über Offenbach in nicht erwarteter Dichte. Objektiv und subjektiv wird die Belastung in den nächsten Wochen noch zunehmen: einmal wegen ferienflugbedingt steigender Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen, zum anderen weil wärmere Temperaturen geöffnete Fenster und häufigere Aufenthalte im Freien mit sich bringen.

Die Fluglärmbelastung vor einem Jahr am 4. April 2011.

„Wir hatten viel befürchtet, aber nicht damit, wie laut es tatsächlich geworden ist“, sagt der in der städtischen AG Flughafen aktive Presseamts-vize Carlo Wölfel. Flughafen-Berater Dieter Faulenbach da Costa hat die Entwicklung am Offenbacher Himmel auf der Basis von Flugspuren des Monitorings des Deutschen Fluglärmdienstes visualisiert. „Vorher“ zeigt in grün die Lage am 4. April 2011, als sich die Flüge noch 24 Stunden über dem Offenbacher Süden in einem Strang bündelten. „Nachher“ ist der 4. April 2012 (mit Nachtflugverbot) und demonstriert, dass der Süden kaum entlastet wirkt und sich ein zweiter Strang vom jetzt auch stark betroffenen Mühlheim über die Innenstadt zieht. Was nicht optisch wird: Zwischen den beiden grünen Anflugschneisen befindet sich keineswegs eine Ruhezone, sondern ein Gebiet, in dem sich der Lärm von beiden Seiten vermischt. Der Lärmteppich ist also breit ausgerollt.

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Rathaus-Mann Wölfel, im seit Oktober betroffenen Rumpenheim wohnend, macht wie viele andere Offenbacher täglich die Beobachtung, dass sich Piloten kaum an die vorgegebene Linie halten und deutlich zu tief fliegen, bevor sie von der Flugsicherung auf den Leitstrahl gelenkt werden. „Das sind Abweichungen von hunderten Metern“, schätzt er.

Weil nicht mehr nur die südlichen Landebahnen angeflogen werden, kriegt’s Offenbach parallel und zweifach ab, was die akustische Frequenz erhöht. Frühere Lärmpäuschen vergönnt der Krach-Doppelpack inzwischen kaum noch.

Bis zu 840 Landungen am Tag 

Zahlen vom Experten Faulenbach: Zu Spitzenzeiten gab es 2011 über Offenbach pro Stunde bis 42 Landeanflüge (588 am Tag). An einem Spitzentag 2012 sind es schon bis zu 60 Landungen pro Stunde (840 am Tag), je 30 auf der Süd- und der Nordpiste.

Damit ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: 2020 sind laut Flughafen-Ausbaugenehmigung pro Stunde bis 84 Landungen drin, die Offenbach zu hören und zu spüren bekommt.

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