Fraport stört den Unterricht

Offenbach - „Wir wollen Flugzeuge im Bauch und nicht in den Ohren“, so steht es auf dem Transparent, das Carolin vor dem Rathaus in die Luft hält. „Wir wollen im Unterricht nicht permanent von Flugzeugen genervt werden“, erklärt die Käthe-Kollwitz-Schülerin. Von Benedikt Müller

„Die Lehrer müssen immer lauter reden und können nicht mehr gescheit unterrichten.“ Wie sie protestieren gestern Mittag mehr als 1200 Schüler gegen Fluglärm in Offenbach.

„Wir wurden gewarnt, dass wir uns in Sachen einmischen, die uns nichts angehen“, erzählt Clara Veit bei der Kundgebung auf dem Aliceplatz. „Doch Fluglärm geht uns sehr wohl etwas an, weil wir noch 50 Jahre hier leben wollen.“ Die Sprecherin der Rudolf-Koch-Schule kritisiert die Prioritätensetzung der Landesregierung. „Wollt ihr in einem Land leben, in dem Geld mehr zählt als die Person?“, fragt sie die Menge.

Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) berichtet den Schülern, dass wegen des Fluglärms auf 80 Prozent der Fläche Offenbachs inzwischen Baubeschränkungen gelten. „Dort ist es so laut, dass wir keine neuen Schulen mehr bauen dürften.“ Die Stadt werde die Einschränkungen durch den Fluglärm nicht hinnehmen.

Eva Reiß vom Bündnis Menschenkette erinnert daran, dass Hessen für sich als Bildungsland wirbt. „Wenn das wahr sein soll, müssen wir gegen Fluglärm kämpfen, denn mit diesem Krach kann man nicht lernen.“ Die Dekanin fordert eine Ausweitung des Nachtflugverbots. „Sechs Stunden Schlaf reichen nicht, dafür seid ihr Schüler das beste Beispiel.“ Dem Argument, die Wirtschaft brauche den Flughafen, entgegnete Reiß: „Die Wirtschaft braucht vor allem gut ausgebildete Menschen, die gern hier leben.“

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Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) lobt in seiner Rede den Stadtschülerrat für sein Engagement. Dessen stellvertretender Vorsitzender Andre Veit hat Schüler, Lehrer und Eltern zur Demonstration aufgerufen.

Auf besonders großes Echo ist die Initiative unter den Schillerschülern gestoßen. Kein Wunder: „Wir liegen direkt in der Einflugschneise“, erklärt Lehrerin Alexandra Dudas. „Wenn wir die Fenster öffnen, hört man sein eigenes Wort nicht.“ Bei jedem Flugzeug müsse der Unterricht unterbrochen werden. „Das ist für uns schlecht und für die Kinder schlecht.“

Die teilnehmenden Schulen haben jedem Schüler die Teilnahme erlaubt, dessen Eltern ihn entschuldigen. Auch inhaltlich haben sich viele Schulen beteiligt. „Im Politikunterricht wurde das Thema aufbereitet“, berichtet Christiane Rogler. „Wir wollten umfassende Informationen geben, damit sich die Schüler eine fundierte eigene Meinung bilden“, so die Rektorin der Rudolf-Koch-Schule.

Das haben David Andrew und Sven bereits getan: „Gesundheit vor Fortschritt“, fordern die Leibnizschüler. „Wir dürfen noch nicht wählen, deshalb präsentieren wir heute so unsere Meinung.“

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