Fluglärm drückt Mieten nicht

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Der Fluglärm über Offenbach könnte im Zweifelsfall dazu führen, dass mancher Offenbach verlässt und lieber lange zur Arbeit fährt.

Offenbach - Der Fluglärm erzeugt bisher kein dramatisches Echo im Offenbacher Mietwohnungsmarkt. Wie der gestern vorgestellte Mietspiegel für die Stadt zeigt, sind die Preise innerhalb der letzten zwei Jahre quasi konstant geblieben. Von Marcus Reinsch

Wo es Steigerungen gab, so bilanziert Bürgermeisterin Birgit Simon, beschränkten sie sich auf die üblichen ein, maximal eineinhalb Prozent. Ob es auch künftig bei moderaten Veränderungen nach oben oder unten bleibt oder ob die massive Verbreiterung des Fluglärmteppichs durch die gerade eröffnete neue Frankfurter Landebahn die Mieten bald in den Sinkflug schickt, sei abzuwarten, sagen die Herausgeber des Zahlenwerks. Das weist Offenbach nach wie vor als günstiges Pflaster im Vergleich mit anderen Großstädten aus. Vor allem mit Frankfurt, dessen horrendes Mietniveau Offenbacher Immobilieneigentümern recht zuverlässig Mieter beschert. Bisher trotz Fluglärm.

Aber bisher ist alles beim Alten

Detlev Dieckhöfer, Geschäftsführer des Offenbacher Mieterbunds, analysiert: „Die Leute hängen in der Luft, sie warten, was in Leipzig zum Thema Fluglärm geurteilt wird.“ Der Lärm sei durchaus eins der Dinge, die „beeinflussen, ob sich die Menschen hier wohlfühlen oder nicht“. Das könne im Zweifelsfall dazu führen, dass mancher Offenbach verlasse und lieber lange zur Arbeit fahre. Oder, wie Lothar Kirchner als Chef des städtischen Wohnungsamtes sagt, künftig nicht mehr bereit ist, beispielsweise 8 Euro pro Quadratmeter für eine belärmte Offenbacher Wohnung zu zahlen, sondern nur noch 7 Euro. „Das würde sich dann auch im Mietspiegel niederschlagen“.

Aber bisher ist alles beim Alten. Die Offenbacher Durchschnittskaltmieten pro Quadratmeter beginnen bei 2,80 bis 3,80 Euro für die nur sehr seltenen und sehr alten Einfachstwohnungen ohne Bad, Dusche und Zentralheizung in einfachen Wohnlagen. Sie reichen bis minimal 9,30 und maximal 11,30 Euro für die ebenfalls kaum vorhandenen Ein- und Zweizimmerwohnungen mit sanitärer Vollausstattung, die „seit 2008 oder später“ - eine neue Baualtersklasse, weil Appartements der bisher jüngsten Klasse „ab 1995“ mittlerweile auch schon bis zu 16 Jahre alt sind - bezugsfertig sind.

Mieterbund, Verein der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer und Magistrat haben den „einfachen“ - heißt: auf realen Daten über Mietänderungen der vergangenen vier Jahre fußenden, aber nicht streng wissenschaftlich erstellten - Mietspiegel wie gewohnt als eine Art Koordinatensystem gestaltet. Mieter wie Vermietet können je nach Lage (einfach, mittel, gut), Baujahr (bis 1960, bis 1978, bis 1994, bis 2007, jünger) und Ausstattung (Bad, Dusche, Zentralheizung) eines Objekts ablesen, was dafür in Offenbach durchschnittlich verlangt wird.

Zu haben ist der Mietspiegel ab sofort beim Wohnungsamt und bei den Vereinen der Mieter und der Eigentümer. Und ab Januar auch auf der Internetseite der Stadt.

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