Fluglärm erzwingt Flucht aus dem Schlafzimmer

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Geht ins Ohr, bleibt im Kopf - diese überdimensionale Plastik nimmt Neurochirurg Adloff auf Rollen mit zu den Demonstrationen.

Offenbach (kat) - Am Abend vor einer Operation flüchtet der Neurochirurg Stefan Immanuel Adloff. Dann sucht er sich für die Nacht einen ruhigen Raum in seinem Rumpenheimer Haus.

Im Bett in seinem Schlafzimmer reißt ihn der Lärm der Flugzeuge aus dem für die Konzentration so wichtigen Schlaf, oder lässt ihn diesen gar nicht erst finden. Bei einer Operation am Gehirn oder am Rückenmark könnte das fatale Folgen haben.

„Ich akzeptiere es nicht, dass ich mich in meinem eigenen Haus nicht mehr frei bewegen kann“, sagt der 60-Jährige. „Ich bin vor 35 Jahren nach Rumpenheim gezogen, weil es dort ruhig war. Jetzt dröhnt dort permanent der Fluglärm.“

Permanenter Fluglärm in Rumpenheim

Um sich zu wehren und weil er den Terror von oben nicht länger hinnehmen will, fordert der Neurologe seine Nachbarn und die Bewohner der angrenzenden Stadtteile Waldheim, Bürgel und alle anderen Betroffenen zur Demonstration gegen Fluglärm auf. „Die ersten ziehen schon weg - wir wollen aber unsere soziale Gemeinschaft erhalten.“

Der Rumpenheimer Stefan Adloff weigert sich, klein beizugeben und still schweigend wegzuziehen – auch wenn er den Lärm nicht mehr aushält. Stattdessen hat er die Initiative ergriffen und ruft mit selbstgedruckten Flyern zu weiterem Protest auf. „Auch ein Nachtflugverbot von 23 bis fünf Uhr ist nicht zu akzeptieren. Sollen die Menschen sich von Fraport vorschreiben lassen, mit nur sechs Stunden Schlaf auszukommen?“, empört sich der Neurochirurg.

Fluglärm beeinflusst die Gesundheit

Fluglärm macht krank – so lautete das Thema des ersten Protestmarschs, zu dem sich Mitte Dezember gut 60 Demonstranten am Mausoleum im Rumpenheimer Schlosspark trafen. Adloff: „Seit 30 Jahren arbeite ich als Arzt. Schweigen heißt, nicht vor den negativen Auswirkungen des Fluglärms auf das Nervensystem, den Blutdruck und das Herz aufmerksam zu machen. Er führt zu erheblichen Konzentrationsstörungen, die Leistungsfähigkeit sinkt deutlich ab, und es ist nachgewiesen, dass es mehr Herzinfarkte unter dauerhafter Lärmexposition gibt.“

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Weitere Demonstrationen plant Steffan Adloff für folgende Sonntage: 8. Januar, 12. Februar, 11. März. Treffpunkt ist um 15 Uhr, wieder am Mausoleum im Schlosspark Rumpenheim.

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