Wo blieben die Offenbacher?

Offenbach - Sie sind gekommen, um Präsenz zu zeigen, um Offenbach zum Protest aufzurufen. Sie fühlen sich verraten von der Politik, verschaukelt von Fraport. Fluglärmgegner haben gestern an der S-Bahn-Haltestelle Markplatz ihrem Ärger Luft gemacht. Von Alexander Kroh

Dort war das Fraport-Infomobil vorgefahren. Auf seiner fünften Station nach Flörsheim, Raunheim, Bischofsheim und Gustavsburg.

Rückblende: Am 21. Oktober hat der Flughafenbetreiber Fraport seine neue Landebahn eröffnet. Seitdem sind auch in Offenbach deutlich mehr Bürger vom Fluglärm betroffen, vor allem jene, die in der Innenstadt und im Westend wohnen. Nach knapp vier Wochen Leben mit erhöhtem Lärmpegel scheint das Thema allerdings noch nicht in den Köpfen der Stadtbewohner so angekommen zu sein, dass sie sich in Bewegung setzen. Als das Infomobil seine Türen öffnet, sind etwa 50 Leute davor versammelt. Die meisten sind aber nicht gekommen, um sich informieren zu lassen, sondern um zu protestieren.

Mit Engagement und Emotion bei der Sache

Katja Werner ist eine von ihnen. Die Offenbacherin hat eine Privatinitiative gegen den Fluglärm gegründet, unterstützt eine Petition, die bereits 16.000 Bürger unterschrieben haben. Sie hat eine Gruppe gegen den Fluglärm auf Facebook gegründet und 10.000 Flyer drucken lassen. Davon bringt sie am Freitag nur wenige an den Mann. „Wo sind die Offenbacher?“, will Werner wissen.

Auch wenn nicht so viele erschienen sind wie erwartet – diejenigen, die sich eingefunden haben, sind mit Engagement und Emotion bei der Sache. Für den 53-jährigen Norbert Schliewe ist es erst die zweite Demonstration in seinem Leben – nach der Montagsdemo am Flughafen.

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Der Künstler hat in der Nacht zum Freitag eigens eine Schallanlage gebastelt, mit der er Botschaften an die Fraport aufnehmen und über einen Lautsprecher, natürlich um ein Vielfaches lauter, wieder abspielen kann. Für ihn geht es um mehr als um Fluglärm, er sieht die Gesundheit der Bürger gefährdet. Und die Verletzung von Gesundheit ist für Schliewe eine Verletzung von Menschenrechten.

Seine Schallattacken auf das Infomobil stört das 70-Mann starke Team der Fraport (zehn von ihnen sind für die Information der Bürger zuständig) aber ebenso wenig wie das Trillerpfeifenkonzert und die zahlreichen Plakate der Protestler.

„In Flörsheim waren deutlich mehr Leute da“

Einige von ihnen wagen sich sogar in die Höhle des Löwen und suchen vor dem Infomobil den Dialog mit den Flughafengegnern. Thomas Lutz ist einer der zehn Mitarbeiter, die die Bürger informieren wollen. Wie seine Kollegen wurde er dafür eigens geschult. Sie sind allesamt keine Kommunikationsexperten, stammen aus den verschiedensten Bereichen und informieren freiwillig über Schallschutz, Flugrouten und Schutzzonen. „In Flörsheim waren deutlich mehr Leute da als heute“, erinnert er sich.

Renate und Alfons Beffert stehen im Infomobil vor einem der drei großen Monitore. Ein Fraport-Mitarbeiter zeigt ihnen, in welcher Höhe die Flugzeuge über Offenbach fliegen. „Sie geben sich Mühe“, sagt Renate Beffert nach Verlassen des Infomobils. Doch Grafiken können die Realität nicht wiedergeben, findet das Ehepaar. „Auf den Monitoren fliegen sie in 1000 Meter Höhe, in Wirklichkeit fliegen sie aber tiefer“, meint Alfons Beffert.

Unterdessen geht der Protest vor dem Mobil weiter, viele Eltern sind mit ihren Kindern gekommen, sie halten Plakate und Schilder in die Höhe. „Stoppt den Fluglärmterror“ und „Wer schützt meine Gesundheit?“ steht dort geschrieben.

Innenstadtbewohnerin Miriam Brandao fühlt sich von der Fraport „veräppelt“. Die Stadt Offenbach habe vor Jahren schon Alternativrouten für die Flugzeuge vorgeschlagen, die Fraport habe nichts unternommen. „Wenn das Nachtflugverbot nicht dauerhaft umgesetzt wird, überlegen wir uns, ob wir wegziehen. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mit dem Lärm und mit den ganzen Emissionen aufwachsen.“ Brandao steht damit nicht alleine da. Auch Pascale Hellwig, Mutter von drei kleinen Kindern, ist überzeugt: Wer sich’s leisten kann, zieht weg.

Rubriklistenbild: © Georg

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