Fluglärm und Gestank machen Leute krank

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Ingrid Wagner und (hinten rechts) Hartmut Wagner gestalteten mit trefflichen Redebeiträgen den Demo-Abend am Montag.

Offenbach (rek) - „Schweigegeld“ nennt Hartmut Wagner von der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) die 150.000 Euro, die Fraport für die Umgebung des Hafen 2 gibt. „Schweigen zur Belastung“ fordere das Unternehmen dafür.

Offenbach brauche solches (Minimal-)Sponsoring nicht, dessen Annahme durch die Stadt unanständig sei.

Das erfuhren die Demonstranten am Terminal 1 auf Rhein-Main. Wagner eröffnete die Reihe der Redebeiträge zur Montagsdemo gegen Fluglärm. Die BIL und die Interessengemeinschaft Fluglärm Kinzigtal gestalteten den Abend und begrüßten einander als Leidensgenossen. „Fluglärm und Gestank machen krank“ war das Motto.

3000 Demonstranten angereist

3000 Demonstranten waren mit Trommeln, Rasseln und Pfeifen angereist, Fraport zu beweisen, wie nervig Lärm ist. Wagner betonte, die Nordwestbahn bedeute eine Mehrbelastung an Krach und Abgasen für jede anliegende Gemeinde. Es verbiete sich, den Lärm an Nachbarkommunen weiterzuschieben.

Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Dehmer aus Bad Orb führte vor, wie Fluglärm vor allem Kindern Konzentrationsstörungen, Schlafmangel, psychische Krankheiten, schlechtes Leseverständnis und Beeinträchtigung des Immunsystems beschere. „Das Ohr schläft nicht. Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen?“, fragte er unter Beifall. Zu Feinstaub und anderen Schadstoffen kam der Doktor danach. Und dass der Main-Kinzig-Kreis seine Eignung zum Kuren und die Rhein-Main-Bewohner ihr Naherholungsgebiet verlören. Klar gälten diese Nachteile, die kein schöngerechnetes Wirtschaftswachstum rechtfertige, auch für die Gesundheit der Erwachsenen.

Offenbacher Fluglärm „nur noch unerträglich“

Ingrid Wagner von der BIL bezeichnete den Offenbacher Fluglärm als „nur noch unerträglich“. Sie machte sich für die Deckelung bei 380 000 Überflügen pro Jahr stark, rief zu Mut und Durchhalten auf. „Wir werden in der ganzen Welt gesehen“, ist sie sich sicher. TV-Sender filmten, Touristen fotografierten die Demonstranten. Ihre Forderung „Keine Kompromisse, Ächtung des Mini-Nachtflugverbots mit seinen ständigen Ausnahmen und Einsicht in die Raumunverträglichkeit dieser Fehlplanung“ erfuhr große Zustimmung.

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Eric Ludwig aus dem Main-Kinzig-Kreis gab sich kämpferisch: „Wir werden so lange demonstrieren, bis man uns nicht mehr terrorisiert.“ Des Ministerpräsidenten Volker Bouffiers Paket bringe kein Dezibel Lärmminderung. Den Lärmaktionsplan (abzugeben bis 19. Oktober) solle jeder so ausfüllen, wie er empfinde: „Er bringt nix!“ Der Plan beruhe auf alten Fakten und berücksichtige nicht die neue Bahn. Montägliches Demonstrieren ist anstrengend. Aber: „Ich war heute morgen beim Zahnarzt“, sagte einer, „das war viel schlimmer...“

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