Viele Wege zum gleichen Ziel

Fluglärm-Ideen der Landtagskandidaten

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Ultrafeinstaub, Nachtflugverbote und mehr – zu insgesamt sechs unterschiedlichen Aspekten ihres Anliegens hat die Bürgerinitiative Luftverkehr die Offenbacher Landtagskandidaten befragt.

Offenbach - Das Thema Fluglärm ist in Offenbach viel diskutiert und stets präsent. Bereits im vergangenen Jahr hat die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) die Kandidaten der damaligen Oberbürgermeister-Wahl durch ihre Wahlprüfsteine gefragt, wie sie zum Thema stehen, und was sie gegen das Problem zu tun gedenken. Von Marian Meidel 

Nun nun sind die Offenbacher Landtagskandidaten an der Reihe. Die Antworten auf die insgesamt sechs Fragen der BIL fallen sehr unterschiedlich aus – und bergen für die Initiative auch die eine oder andere Überraschung. „Etwas enttäuscht waren wir ausgerechnet von Tarek Al-Wazir“, berichtet Ingrid Wagner, Erste Vorsitzende der Bürgerinitiative, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Antwort des grünen Spitzenkandidaten auf den ersten Wahlprüfstein sei „doch etwas lasch“ ausgefallen. Auf die Frage, welche aktiven Schallschutzmaßnahmen, die über die bisherigen hinausgehen, zu einer signifikanten Erleichterung der Fluglärmbelastung führen könnten, antwortet Al-Wazir: „Möglichst schnell die neuesten, leisesten und effizientesten Flugzeuge nach Frankfurt bekommen.“ Und: „Wir brauchen zusätzlich Förderprogramme, um die lautesten Flugzeuge schnell austauschen zu können. In jedem Fall sollte die Luftverkehrssteuer nicht einfach ersatzlos gestrichen werden.“ Die neuesten Flugzeuge seien vor allem beim Start leiser, aber auch während der Landung machten die meisten neueren Modelle weniger Lärm.

„Das hat man uns schon vor 30 Jahren versprochen“, kommentiert Ingrid Wagner. Es handle sich in den Augen der Bürgerinitiative um eine wenig ambitionierte und für eine hessische Regierungspartei eher langfristige Forderung. Wagner hält den Gedanken, Flugzeugtypen im großen Stil auszutauschen, für unrealistisch. „Da lachen sich die Fluggesellschaften ja ins Fäustchen.“ Sowohl sie, als auch ihr Zweiter Vorsitzender Thomas Hesse, der für die Auswertung der Wahlprüfsteine verantwortlich zeichnet, beurteilen Al-Wazirs Antwort als „sehr merkwürdig.“

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Die Reaktion des Grünen-Kandidaten ist jedoch nicht die einzige, die die Lärmschutz-Aktivisten aufmerken lässt. Auch CDU-Kandidat Stefan Grüttner liefert mitunter Antworten, mit denen weder Wagner noch Hesse in dieser Form gerechnet hätten. „Herr Grüttner lehnt als einziger Kandidat ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ab“, resümiert Thomas Hesse. Ingrid Wagner fügt hinzu: „Dass er dagegen ist, war ja vorher kein Geheimnis. Aber das so schwarz auf weiß vor sich zu sehen, das ist schon noch mal etwas anderes.“ Nach wie vor verwundert sie, dass der Christdemokrat, der im Stadtteil Bürgel lebt und folglich selbst vom nächtlichen Fraport-Krach betroffen ist, diese Auffassung vertritt.

Bilder: Fluglärmgegner demonstrieren zum 250. Mal

Ausnehmend erfreut zeigen sich die Fluglärmgegner über manche Antworten des Kandidaten der Freien Wähler, Dennis Lehmann. Auf die Frage „Werden Sie sich im Landtag für die Anschaffung von Ultrafeinstaub-Messgeräte rund um Offenbach einsetzen?“ antwortet er, man dürfe Ultrafeinstaub und seine Folgen nicht unter Verschluss halten. „Flächendeckend im Rhein-Main-Gebiet müsste es Messstationen geben“, so Lehmann. Unabhängige Institute sowie das Land Hessen sollten dazu eine „Obergrenze“ festsetzen. Bei der BIL rennt er damit selbstredend offene Türen ein. „Ich war überrascht, dass er sich in diesem Bereich so gut auskennt und auch als einziger gesagt hat, diese Maßnahmen müssten schnell umgesetzt werden“, freut sich Ingrid Wagner über Lehmanns Antwort. „Das ist ein junger Mann, der sich mit dem Thema befasst hat.“

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Wer den Aussagen der Landtagskandidaten zum Flugverkehr genügend Gewicht beimisst, um diese in seine Entscheidungsfindung für die Wahl am Sonntag, 28. Oktober, einfließen zu lassen, kann hier die kompletten Antworten zu allen sechs Wahlprüfsteinen finden:

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