Reaktionen auf den Fluglärm: Eine ungewollte Realität

+
Der Region reicht’s: Bei der Demonstration gegen Fluglärm in Mainz, an der auch zahlreiche Offenbacher teilnahmen, brachte ein der Fasnacht entlehnter Motivwagen die Stimmung auf den Punkt.

Nach der Inbetriebnahme der neuen Landebahn werden die Bürger der Stadt Offenbach mit noch mehr Fluglärm beschallt.

Vom Hauptbahnhof bis in den südlichen Bereich des Klinikums verlaufen fast pararell zwei Anflugrouten, auf denen die Flugzeuge je nach Wetterlage in kurzem zeitlichen Abstand über die Häuser fliegen. Manchmal kommen die Flugzeuge fast gleichzeitig auf beiden Anflugrouten geflogen. Es ist erschreckend zu sehen, mit welcher Rücksichtlosigkeit die Interessen der Wirtschaft über die Belange der Menschen gestellt werden. Was nützen Tages-Schutzzonen, wenn sie nicht helfen, den Lärm zu verringern oder was nützt eine Nacht-Schutzzone, die dazu beiträgt, dass die Menschen weiterhin den Lärm ertragen müssen und die Lärmschutzmaßnahmen für ihre Häuser noch selbst bezahlen müssen, damit es für Fraport nicht zu teuer wird. Schulen, Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser werden mit Lärm überzogen - wo bleibt hier die Verantwortung ? Gesundheitliche Schäden, Lebensqualität oder Wertminderung der Häuser - wo bleibt hier das Recht? Aber Hauptsache, der Flughafen brummt. Das Ganze ist ein Hohn für die Menschen, die unter dem Fluglärm leiden. Sie fühlen sich von den Verantwortlichen belogen und betrogen. (Klaus Porn)

Vor 20 Jahren haben wir in Bürgel ein Haus gekauft unter dem Gesichtspunkt, dass man so mit den Fluglärm leben kann. Dann rückte durch das Parallel-Einflugsystem die Einflugschneise schon näher. Und jetzt haben wir sie fast über unserem Haus - im 30 Sekunden-Takt. Vielen Dank liebe Politiker im Offenbacher Rathaus, unsere Tage hier sind gezählt. Und was kommt nach uns ? Wer zieht schon in eine Stadt, die komplett unter einem Fluglärmteppich liegt ? Viel Spaß. (H. Albinger)

Alles zum Thema Flughafenausbau in Frankfurt und den damit verbundenen Fluglärm finden Sie in unserem

Stadtgespräch

Bislang hatten wir als Bewohner des Ortsteils Rumpenheim Glück - der Flugverkehr beeinträchtigte unseren Alltag nur am Rande. Mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn ist das deutlich anders geworden: Je nach Windrichtung hören wir spätestens ab 5 Uhr morgens die landenden oder eben die nach Norden starteten Flugzeuge sehr deutlich. Dies ist eine klare Minderung der Wohnqualität, auch wenn sie für andere Bewohner Offenbachs schon lange Realität ist. Seit über zehn Jahren wohnen wir eigentlich gerne in Offenbach. Die neue Landebahn hat aber erste Zweifel daran gehegt, ob dies eine langfristig tragende Entscheidung ist. Auch wenn wir uns von Anfang an gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens gewehrt haben und aus diesem Grund auch keine Flugreisen antreten, so hat uns dennoch eine neue, ungewollte Realität eingeholt. Das Schlimmste sind aber die Rückmeldungen von Freunden aus anderen Stadtteilen Offenbachs, die nach Beendigung ihrer Erwerbstätigkeit jetzt Offenbach den Rücken kehren wollen. Wir werden uns ihnen zu gegebener Zeit wohl anschließen. (Rob ert Elbe, Monika Richter-Elbe)

Ich wohne direkt hinter dem Klinikum Offenbach. Seitdem die neue Landebahn in Betrieb genommen wurde, hat sich der tägliche Fluglärm wohltuend reduziert. Zwar kommen die Flieger jetzt in Doppelreihen auf uns zugeflogen, jedoch nicht mehr ganztägig. Machmal gibt es sogar Stunden und Tage ohne Flugverkehr in diesem Bereich. Außerdem fliegen sie höher an als früher. Das ist sehr angenehm. Derzeit nerven mich die Laubbläser mehr als die Flieger. (Gabi Leonhardt)

Ärgerlich: In TV- und Radio-Interviews nach der ersten Nachtflugverbots-Nacht wurden überwiegend Aussagen ausgestrahlt, die „die Veränderung nicht registriert haben (wollen), weil sie sich (an den Lärm) gewöhnt haben“. Das stärkt die Seite der Fraport-Betreiber auf ihrem Weg zum Kippen des Nachtflugverbots. Dennoch bleibt eine sehr große Anzahl von Menschen, die vom Lärm gebeutelt sind. Selbst bei doppelverglastem, geschlossenem Fenster bin ich fast jede Nacht vom schleichenden Motorengeräusch der Flugzeuge geweckt worden. Einige Flugzeuge fliegen über die Taunusstraße offenbar in niedriger Höhe. In der Nacht zum 2. November habe ich Zeitungen ausgetragen und um 4.39 Uhr in der Andréstraße deutlich Fluggeräusche gehört - trotz Nachtflugverbots. Ob die Kontrolleure Ohropax verwenden? Letztendlich wird der wirtschaftliche Aspekt die Oberhand behalten - wetten?! (Rolf Lieb)

Wir haben schon seit längerer Zeit hier an der Sprendlinger Landstraße sehr verstärkten Fluglärm (niedrigere Flughöhen, morgens und abends Ein-Minuten-Takt, laute Frachtmaschinen). Insofern kann man hier kaum noch eine Steigerung feststellen. (H.Schneider)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare