Starts über Offenbach

Mehr Krach trotz Lärmpausen

Offenbach - Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird der Lärmteppich über Offenbach demnächst offenbar noch enger geknüpft. Die bisher praktizierte frühmorgendliche Lärmpause bei Startbetrieb über Offenbach wird nicht fortgesetzt. Von Matthias Dahmer 

Darauf weist der FDP-Vorsitzende und frühere Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß hin. Die Flugsicherung sehe sich nicht in der Lage, dieses Verfahren mit dem neuen, Ende April startenden Lärmpausenmodell zu kombinieren, so Weiß. Deshalb werde das „Dedicated Runways Operations“ (DROps) genannte Verfahren, das eine Maßnahme des aktiven Lärmschutzes darstelle, künftig nicht mehr praktiziert. Worum geht’s genau? Wird über Offenbach nicht gelandet, sondern gestartet – was bei oft mit schönem Wetter verbundenen Ostwind passiert – wird die Stadt an ungeraden Tagen bislang morgens zwischen 5 und 6 Uhr verschont. Die Maschinen gehen dann alle auf der Startbahn West raus und tangieren die Stadt meist gar nicht mehr oder nur in sehr großer Höhe.

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An geraden Tagen gilt das normale Betriebskonzept, das heißt, die Flugzeuge starten sowohl über die Startbahn West als auch über das Parallelbahnsystem, DROps wurde früher in den Nachtstunden erprobt und wird seit Inkrafttreten des Nachtflugverbots in der ersten Betriebsstunde regelmäßig angewandt. Starts über Offenbach seien zwar seltener als Landungen, räumt Weiß ein, das Verhältnis habe in den vergangenen beiden Jahren 1:2 betragen. Doch sei gerade die frühmorgendliche Pause von vielen betroffenen Offenbachern, aber auch in betroffenen Nachbargemeinden, als entlastend empfunden worden, weiß der ehemalige Offenbacher Flughafendezernent aus Gesprächen.

Deshalb sei es zu bedauern, dass diese Lärmpause nicht fortgesetzt werde. Weiß: „Für den Offenbacher Süden verschlechtert diese Nachricht auch noch einmal die Gesamtbilanz, da dieser von der neuen Lärmpause von 22 bis 23 Uhr nicht profitiert, sondern diesen Verkehr alleine zu tragen hat.“ Die künftig wieder frühmorgens auf der Centerbahn startenden Maschinen gingen teilweise auch Richtung Süden und beträfen dann die Rosenhöhe, Tempelsee und Heusenstamm. Die nach Norden fliegenden Maschinen seien vor allem im West- und Nordend, aber auch in Bürgel und Rumpenheim zu hören.

Närrischer Protest am Flughafen

Närrischer Protest am Flughafen

„Eine Lärmpause kommt, eine andere aber geht – das ist bedauerlich“, kritisiert Weiß. Was ihn besonders ärgert: Der Wegfall dieser Lärmpause sei nicht kommuniziert und offenbar auch in der Vorteil-Nachteil-Berechnung des Lärmpausenmodells 4 nicht berücksichtigt worden. Inwieweit die zusätzliche Belastung offensiv kommuniziert wurde, vermag Kristina Kelek nicht zu sagen. Muss sie als Pressesprecherin der Deutschen Flugsicherung auch nicht. Sie weist lediglich darauf hin, dass die Aussetzung der DROps-Regelung am frühen Morgen explizit im sogenannten Bündnispapier für Lärmpausen steht, welches von Wirtschaftsministerium, Fraport, der Flugsicherung und Vertretern der Fluggesellschaften im Februar unterzeichnet worden war. Tatsächlich spendiert das Bündnispapier der Regelung vier Zeilen: Danach werden die „DROps early morning“ wegen des Lärmpausmodells gemäß Beratung der Fluglärmkommission zunächst ausgesetzt. Nach den erforderlichen Sicherheitsüberprüfungen sei es das Ziel aller Beteiligten, die geltende Regelung, gegebenenfalls weiterentwickelt, möglichst schnell wieder einzuführen, heißt es. Mit Ergebnissen der umfangreichen Sicherheitsbewertung sei nicht vor dem Herbst zur rechnen, sagt DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

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