Bürgermeister kritisiert Lärmbericht

Es ist wieder lauter am Himmel

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Offenbach - Der Frankfurter Flughafen bleibt Aufreger-Thema für Offenbach: Während Bürgermeister Peter Schneider wenig Erfreuliches aus dem halbjährlichen Fluglärmbericht der Fraport herausliest, ärgert sich die Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL) über die Aussagen von Fraport-Chef Stefan Schulte zu den geplanten siebenstündigen Lärmpausen in der Nacht.

„Es ist wieder lauter am Offenbacher Himmel geworden“, fasst Bürgermeister Schneider den Lärmbericht für den Winterflugplan 2013/14 zusammen. Als fast schon belustigend empfindet er die Aussage, wonach das Lärmniveau deutlich unter den vorhergesagten Werten liege. Geschuldet, so Schneider, sei das allein dem Umstand, dass die Zahl der Flugbewegungen weit hinter den Prognosen im Planfeststellungsbeschluss zurückgeblieben seien. „Dass dann auch die erwarteten Lärmwerte, die für Offenbach eine Höchstbelastung bedeutet hätten, niedriger sind, dürfte kaum überraschen“, merkt der Bürgermeister an.

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Ärgert sich über den Fluglärmbericht: Peter Schneider.

Grundsätzlich positiv für Offenbach bewertet Schneider, dass die Zahl der Flugbewegungen weiter stagniert. Allerdings habe es im Winter 2013/2014 wesentlich mehr Landeanflügen über Offenbach gegeben, was sich an den beiden Fraport-Messstellen in Bieber und Lauterborn niederschlage. Schneider: „Wir als Stadt Offenbach fordern daher weiterhin die Abschaffung der sogenannten Rückenwindkomponente.“ Der vermehrte Westbetrieb im vergangenen Winter sei keineswegs „vom Wettergott gegeben“, sondern hänge vielmehr mit der Festsetzung der Betriebsrichtung durch Fraport und Flugsicherung zusammen. „Der Bericht erweckt den Eindruck, als sei Offenbach Opfer ungünstiger Wetterlagen geworden. Dem ist nicht so.“

Ärgert die BIL mit Aussagen zu Lärmpausen: Stefan Schulte.

Für Bürgermeister Schneider zeigt der aktuelle Report weiterhin: „Unsere Forderung, dass die Prognosen im Planfeststellungsbeschluss dringend der Realität angepasst werden müssen, hat mehr denn je Gültigkeit.“ Es könne nicht sein, dass das Horrorszenario von 701.000 Flugbewegungen weiter als Grundlage genommen werde, um zu sagen, es sei doch gar nicht so schlimm wie erwartet. Wenn man realistische Annahmen zugrunde lege, werde auch klar, dass etwa ein Terminal 3 fernab jeglicher Notwendigkeit sei, so Schneider.

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Aussagen von Fraport-Chef Schulte, wonach in die siebenstündige Lärmpause keine allzu großen Erwartungen gesetzt werden sollten, kommentiert die BIL-Vorsitzende Ingrid Wagner mit den Worten: „Wir hören wieder einmal die alte Leier. Die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens werde durch zusätzliche Restriktionen gefährdet. Das haben wir alles schon einmal gehört, als das Mini-Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr gerichtlich erzwungen wurde.“ Nichts davon sei eingetreten.

Über das Schutzbedürfnis der Bürger verliere der Flughafenchef im Übrigen kein Wort. „Richtig interessant“ wird es für die BIL, wenn Schulte darlege, dass sich die lärmabhängigen Entgelte für Starts und Landungen auf 100 Millionen Euro summierten. Das Geld streiche Fraport als Gewinn ein und baue damit das „völlig unsinnige“ Terminal 3, obwohl gerade dieses Geld den Lärmbetroffenen gebühre. 

mad

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