Informationsabend im Rathaus

Viel Lärm um Flugpausen

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Das Ergebnis der Umfrage bei der Informationsveranstaltung ist eindeutig: Die Offenbacher sind mit dem Lärmpausenmodell sehr unzufrieden.

Offenbach - Bei einer Informationsveranstaltung im Offenbacher Rathaus konnten die Bürger ihrem Ärger über das Lärmpausenmodell Luft machen. Die eingeladenen Leiterin der Stabstelle Fluglärmschutz des Wirtschaftsministeriums hatte Mühe, die Beweggründe des Landes zu verteidigen. Von Rebecca Röhrich

Unglücklicher kann ein Vortrag wohl kaum beginnen: So teilte die Abgesandte des Ministeriums, Regine Barth, den Offenbachern mit, dass sie viele E-Mails vom Fluglärm betroffener Bürger aus dem Kreis erreicht hätten, die nicht verstünden, warum sich überhaupt Gedanken über die Lärmbelastung der Stadt Offenbach gemacht werde. Schließlich wohnten die „Leistungsträger“ im Kreis. „Das hat Offenbach nicht verdient“, so Barth.

Tatsächlich erzürnte dies eine Bürgerin so sehr, dass sie in ihrer Wut kaum noch zu bremsen war. Die Frau forderte die Anwesenden dazu auf, „durch den Stadtwald in den Kreis zu marschieren“, um „den Zorn bei Landrat Oliver Quilling und Konsorten hinauszuschreien“. Die Dame aus Wiesbaden hatte sicher schon bessere Abende erlebt. Eigentlich war sie ins Rathaus gekommen, um von den Bürgern zu erfahren, wie sich das Lärmpausenmodell nach zwei Monaten Betrieb auswirkt. Gleichzeitig erhofften sich die Bürger neue Informationen von Seiten des Ministeriums. Stattdessen kochten die Emotionen hoch.

Seit April dieses Jahres soll der Probebetrieb für eine Verteilung der Lärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet sorgen. Davon haben allerdings die Offenbacher weder im Süden noch im Norden bisher etwas gespürt. Dies veranschaulichte auch ein großes Schaubild, auf dem die Besucher ihren Wohnort sowie ihre Zufriedenheit mit den Lärmpausen eintragen können.

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„Das Ergebnis ist erschütternd schlecht“, stellte auch Stefanie Heng-Ruschek fest, die den Abend moderierte. Fast alle Besucher gaben dem Lärmpausenmodell die Note sechs. Barth erklärte den unzufriedenen und zum Teil wütenden Offenbachern, wie es zum Lärmpausenmodell 4 gekommen war. Keine neue Information für die Zuhörer. Die Frage, wie ein Modell entlasten soll, wenn zwei dafür entscheidende Landebahnen, gerade mal 500 Meter auseinander liegen und beide Anflugschneisen über Offenbach führen, konnte sie nicht beantworten.

Katja Werner wohnt im Norden Offenbachs und hat drei Flugzeug-Girlanden gebastelt, die die drei Anflugrouten darstellen sollen.

„Keine andere Stadt hat eine ähnliche Belastung“, so Barth lapidar. Ihre Ergänzung, dass die wirtschaftlichen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden dürften und sich diese beiden Interessen die Waage halten müssten, sorgte für Raunen und Unmut bei den Zuhörern. Da half auch Barths Verweis auf die Neuartigkeit dieses Modells nichts. Thomas Hesse, stellvertretender Vorsitzender der BIL Offenbach, sprach von einem „Geburtsfehler der Lärmpausen“ und forderte im Namen seiner Initiative das „Modell acht“ – acht Stunden Nachtflugverbot. Was ihm viel Beifall bescherte.

Abschließend stellte Barth in Aussicht, dass über einen „Flugzeugmix“ aus leiseren und lauteren Maschinen nachgedacht werde. Dafür plane das Ministerium aber zunächst gemeinsam mit dem Forum Flughafen und Region (FFR) ein „umfangreiches Monitoring“, also eine systematische Analyse der Lärmverteilung. Wann es damit losgehen soll sagte Barth nicht. Auch die vom Ministerium selbst groß angekündigte Information zu einer geplanten Lärmobergrenze war mager. Bis zum Sommer 2016 soll eine Vorlage für den Landtag erarbeitet werden.

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Das Fazit für die Offenbacher fiel entsprechend nüchtern aus. „Ehrlich gesagt habe ich vom Ministerium nicht anderes erwartet“, sagte Thomas Hesse und zuckte mit den Achseln. Aber ihn habe die Bemerkung Barths über die E-Mails aus dem Kreis irritiert. „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, sagt auch Ingrid Wagner, Vorsitzende der BIL. Niemand werde einen Keil zwischen die Initiativen gegen Fluglärm treiben.

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