Ein Kampf an vielen Fronten

Flugverkehrs-Belastungen: Stadt wehrt sich

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Billigflieger wie Ryanair, die wegen verspäteter Starts und Landungen in Frankfurt in der Kritik stehen, sollten wieder verstärkt den Flughafen Hahn nutzen, fordert die Stadt Offenbach.

Offenbach - Verspätete Starts und Landungen, für Offenbach nachteilige Neuregelungen des Fluglärmschutzgesetzes und Ultrafeinstaubbelastung durch Flugzeuge – mit einem ganzen Strauß von Ärgerthemen melden sich gestern Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß und Berater Dieter Faulenbach da Costa an der Flugverkehrsfront zurück. Von Matthias Dahmer 

Bekannt akribisch hat sich Fachmann da Costa der Verspätungen im Nachtflugverkehr angenommen. So zeigt er in einem fünfseitigen Papier auf, dass die Probleme des Dauerverspäters Ryanair vor allem hausgemacht sind. So nutzen die Iren nur 15 der zur Verfügung stehenden 18 Stunden Betriebszeit am Frankfurter Flughafen aus, starten ihre täglichen Umläufe zu spät (erst zwischen 7 und 8 Uhr) und kalkulieren zu wenig Zeit am Boden ein. „Klare Managementfehler“, befindet Dieter Faulenbach da Costa.

Weitere Mängel kreidet er den Fluglotsen an: Die meisten verspäteten Flüge seien in Frankfurt gestartet. Als Beispiel führt Offenbachs Flughafenberater einen Hin- und Rückflug nach Barcelona an, der um 18 Uhr in Frankfurt abhebt und bei dem klar ist, dass er unmöglich bis 23 Uhr wieder in Frankfurt sein kann. „Solche Verspätungen können wir nicht akzeptieren“, betont Paul-Gerhard Weiß.

Die Hoffnung, dass die Nachtflüge und die Verspätungen weniger werden, ist angesichts des wachsenden Flugverkehrs eher gering. Gerichtlich genehmigt sind in Frankfurt 133 tägliche Flüge in den Randzeiten zwischen 22 und 23 Uhr beziehungsweise zwischen 5 und 6 Uhr. Genutzt werden derzeit nur 81. Auch bei den verspäteten Landungen bis 24 Uhr, die im Gegensatz zu den Starts nicht im Einzelfall genehmigt werden müssen, ist leider noch Luft nach oben: Derzeit sind es im Schnitt zwei pro Nacht, möglich sind 7,5.

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Weiß und da Costa fordern die Reaktivierung des Flughafens Hahn als Satelliten-Airport für Nachtflüge. Schon jetzt werden Flugzeuge, die nach 24 Uhr in Frankfurt ankommen würden, in den Hunsrück umgeleitet.

In juristische Feinheiten geht Weiß bei der geplanten Novellierung des 2007 in Kraft getretenen Fluglärmschutzgesetzes. Der derzeitige Entwurf einer Neuregelung des Bundesgesetzes sieht für die Schutzzonen eine Absenkung der Grenzwerte des Dauerschallpegels von 55 auf 53 Dezibel vor – ein grundsätzlich zu begrüßender Vorstoß, der für Offenbach aber ein zweischneidiges Schwert ist, wie der Dezernent schon im Mai 2017 dem federführenden Umweltbundesamt mitgeteilt hat. Zwar würden durch die aus der Absenkung folgende Ausweitung der Schutzzonen auf das gesamte Stadtgebiet mehr Betroffenen passiven Schallschutz erhalten. Es wäre aber auch noch schwieriger als bisher, Ausnahmen von Baubeschränkungen zu erhalten, eine Stadtentwicklung wäre faktisch nicht mehr möglich. „Wir haben künftig in Offenbach die bundesweit einmalige Situation, dass eine kreisfreie Großstadt komplett in einer Schutzzone liegt“, sagt Weiß. Schon jetzt liegen 80 Prozent der Siedlungsfläche in der Schutzzone, von den 256 schutzbedürftigen oder lärmsensiblen öffentlichen Einrichtungen unterliegen 237 (92,6 Prozent) einem Bauverbot, das nur durch gewährte Ausnahmegenehmigungen umgangen wird.

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Der ursprüngliche Gesetzesentwurf, so Weiß weiter, wollte Ausnahmen von den Baubeschränkungen, sprich die Möglichkeit zu erweitern oder neu zu bauen, nur noch bei Kitas zulassen. „Dann hätten wir unsere Schulentwicklung einstellen können“, so der Stadtrat. Inzwischen sei auf Druck des Landes wohl auch in Berlin die Erkenntnis gereift, dass dies anders geregelt werden müsse. Der aktuelle Entwurf sehe eine abgestufte Regelung vor. „Unser Ziel ist, dass im Gesetz Schallschutz und Baubeschränkungen getrennt werden.“ Gleichzeitig müsse auch eine Lärmminderung angestrebt werden, die indes im Luftverkehrsgesetz geregelt sei.

Weil mittlerweile durch Messungen in Schwanheim nachgewiesen ist, dass vom Flughafen Belastungen mit Ultrafeinstaub ausgehen, drängt Offenbach bei der Landesregierung und beim Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) darauf, dass auch die Belastungen durch Überflüge gemessen werden. Das HLNUG hat laut Weiß dazu derzeit keine Kapazitäten, die Landesregierung habe sich noch nicht geäußert.

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