Der Flussblick zur Miete

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Und was kommt da hin? Oberbürgermeister Horst Schneider und seine Frankfurter Amtskollegin Petra Roth begutachten die Pläne für den ersten Abschnitt der Hafenbebauung.

Offenbach ‐ Was fürs Kaiserleigebiet vereinbart war, bislang aber erst zur einen Hälfte klappte, soll einen Kilometer Luftlinie weiter östlich im Hafen gelingen: Enge Zusammenarbeit von Frankfurt und Offenbach ermöglicht die Entstehung eines neuen Stadtteils. Von Thomas Kirstein

Das Wohngebiet „Mainviertel“ ist nun keine Vision ohne genaue zeitliche Perspektive mehr - 2013 sollen dort die ersten Menschen wohnen.

Der Frankfurter Teil des einst gemeinsamen Gewerbegebiets Kaiserlei dürfte dann immer noch Brachland sein - Offenbacher Abschnitt ist voll erschlossen und teils bebaut. Das „Mainviertel“, von der gleichnamigen Stadtwerke-Holding-Tochter entwickelt, bleibt trotz Frankfurter Engagements Offenbacher Hoheitsgebiet. Daran ändert wenig, dass die städtische Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG zunächst 7020 Quadratmeter Offenbacher Boden kaufen wird und die Option auf weitere 11 000 Quadratmeter besitzt.

So wird es am Offenbacher Hafen aussehen:

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Wie viel Geld bisher an die Stadtwerke floss, wollte ABG-Chef Frank Junker nicht verraten, als das Vorhaben gestern während einer Mischung aus Pressekonferenz und Honoratiorenempfang in einem Zelt auf der Hafeninsel vorgestellt wurde. „Das Gelände war preiswert, also seinen Preis wert“, meinte er.

Was bis 10. 10. 2010 baurechtlich genehmigt, 2011 begonnen und 2013 abgeschlossen sein soll, gilt den Beteiligten als wichtiger Impuls, als Initialzündung: 150 Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern wird der erste Investor am nördlichen Mainufer des Hafenareals errichten. Sie befinden sich in drei achtgeschossigen Gebäuden in Passivbauweise, entworfen vom namhaften Frankfurter Architekturbüro Stefan Forster. Inklusive Grundstück investieren die Frankfurter in diesem ersten Bauabschnitt 51 Millionen Euro in Offenbach. Ein zweiter, optionaler, ABG-Bauabschnitt wären 150 Eigentumswohnungen.

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150 Wohnungen am Offenbacher Hafen

Der Flussblick zur Miete wird nicht unter zehn Euro pro Quadratmeter und Monat zu haben sein, schätzt Junker. Wenn sich der Preis auch durch die Passiv-Technik fast bei Null liegenden Heizkosten relativiert, gibt’s also keinen sozialen Wohnungsbau mit Mainblick. „Es ist eine tolle Lage, ich gehe davon aus, dass die letzte Wohnung Ende 2013 bezogen ist“, sagte Frank Junker. Angesprochen werden sollen unter anderem Menschen, die einst aufs Land auswanderten, weil sie in Offenbach keinen adäquaten Wohnraum fanden.

Außer Eigentumswohnungen sollen auf der Hafeninsel auch noch „Punkthäuser“ (höhere Gebäude mit einem um einen Mittelpunkt zentrierten Grundriss) entstehen. Zu den Gästen der gestrigen Präsentation gehörten auch potenzielle Co-Investoren. Erstrebt ist letztlich eine Mischung aus Büros, Wohnungen, Geschäften und Freizeitmöglichkeiten.

Die Stadt Offenbach selbst hat mit einem Stadtverordnetenbeschluss die bereits von der Mainviertel-GmbH erbrachten Vorleistungen ergänzt. Für stolze 31 Millionen Euro sollen im Hafen eine neue Grundschule und ein Kindergarten gebaut werden. Weitere Hoffnung ruht auf dem Land, das eine Verlagerung der Hochschule für Gestaltung ans Wasser absegnen könnte. Gespräche mit einem Investor, der Einzelhandel ins Viertel bringt, sollen erfolgversprechend sein.

Mainviertel-Geschäftsführerin Daniela Matha wies darauf hin, dass das „größte am Wasser gelegene Entwicklungsgebiet im Rhein-Main-Gebiet“ nicht etwa zu einem abgeschlossenen Wohn-Ghetto werden solle, sondern zu einem Raum für alle Bewohner der Stadt. Großzügige Freiflächen sollen einladen zum Flanieren und „mal die Füße ins Wasser zu stecken“.

Die Bedeutung des Projekts spiegelte sich im Gipfeltreffen auf der Hafeninsel: Die Oberbürgermeisterin Frankfurts und der Oberbürgermeister Offenbach würdigten die politischen Dimensionen und stellten Zusammenhänge zum Bauvorhaben der Europäischen Zentralbank auf dem ehemaligen Großmarkthallen-Areal in Frankfurts Westen her.

Der Bau der EZB-Türme halbiere sozusagen die Distanz zwischen Banken- und Mainviertel, sagte Horst Schneider. So nahe wie sich die beiden Städte lägen, wäre es verantwortungslos, wenn sie nicht zusammenarbeiten. Amtskollegin Petra Roth ergänzte, dass eine erfolgreiche Zukunft nur mit Kooperation und in Partnerschaft gestaltet werden könne.

Alte Konflikte zwischen Frankfurter und Offenbacher Interessen in Bezug auf die Umgestaltung des ehemaligen Industriehafens sollen kein wesentliches Thema mehr sein. Betriebe im Frankfurter Westhafen befürchteten, dass Hafeninsel-Bewohner wegen Lärms gegen sie klagten könnten.

Eine rechtliche Auseinandersetzung ist noch anhängig. Zwei Maßnahmen sollen solche Ängste auf der anderen Mainseite abbauen: Zum einen bieten die geplanten Gebäude den derzeit technisch größtmöglichen Schallschutz; zum andern unterschreiben die Mieter in ihren Verträgen eine „Grunddienstbarkeit“, nach der Lärm nie ein Mietminderungsgrund und somit auch kein Klagegrund gegen Betriebe sein kann.

Das, so freute sich Oberbürgermeisterin Roth, schütze auch die Arbeitsplätze in ihrem Gewerbegebiet am anderen Ufer. Horst Schneider, OB einer sich wieder zu ihrem Fluss öffnenden Stadt, sieht auf seiner Seite eine neue „Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit im Zentrum der Region“ entstehen.

Interessierter Zuhörer der Vorstellung war auch Walter Scheller, der Vorsitzende des Rudervereins Hellas. Dessen Bootshaus wird über kurz oder lang der Hafenbebauung weichen müssen. Ein Ersatzstandort ist versprochen, einer, der Sportler und Projektmanager gleichermaßen zufrieden stellt, bislang jedoch noch nicht gefunden ist. Man rede aber, so Mainviertel-Chefin Matha, „sehr intensiv miteinander.

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