Förderkreis des Ledermuseums feiert Jubiläum

Sie füllen die Löcher im Käse

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Die Mäzene des Förderkreises betrachten die mit ihrer Hilfe erworbenen Schätze im DLM.

Offenbach - Ein weltweit anerkanntes Museum finanziert allein vom Offenbacher Kulturetat? Kaum vorstellbar, dass sich damit große Neuerwerbungen oder bedeutende Ausstellungen realisieren ließen. Zum Glück hat das Deutsche Ledermuseum (DLM) seinen Förderkreis. Von Veronika Schade

Ohne ihn wären, so formuliert es die stellvertretende Leiterin Rosita Nenno einprägsam, die Ausstellungen des Museums „löchrig wie Schweizer Käse“.

Gestern feierte der Förderkreis mit einer Matinee sein 25-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er am 13. März 1987 durch den damaligen Direktor Günter Gall mit dem 1. Vorsitzenden Philipp Urban, seinerzeit Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Schuhindustrie. Die Gründungsmitglieder rekrutierten sich vor allem aus den noch florierenden lederverarbeitenden Industriezweigen. 105 waren es im ersten Jahr. Aktuell hat der Förderkreis 93 Mitglieder, davon 51 persönliche und 42 Firmenmitglieder, und wirbt nun vor allem um private Liebhaber des Hauses, das genau genommen drei Museen unter seinem Dach vereint. Bei der Matinee werden Beitrittserklärungen an die Gäste verteilt, in der Hoffnung, dass möglichst viele unterschreiben. „Am Ausgang haben wir eine Kontrolle postiert“, scherzt Thomas Picard, der seit 2002 Vorsitzender des Förderkreises ist.

Ankauf neuer Ausstellungsstücke

300.000 Euro hat dieser bislang für den Ankauf neuer Ausstellungsstücke verwendet, etwa 1000 Objekte konnten so erworben werden. In seiner Sonderausstellung „Schätze für das Deutsche Ledermuseum“ sind nun einige zu sehen, die bisher im Magazin geschlummert haben. „Zu meinen Lieblingsstücken gehören die Handschuhe von Max Schmeling. Wenn ich sie betrachte, erfüllt es mich mit Stolz, da ist auch ein Stück von mir drin“, erklärt Mäzen Picard sein Gefühl, das dem zustimmenden Lächeln nach zu urteilen auch anderen Förderern nicht fremd ist. Fünf Euro kostet die persönliche Mitgliedschaft im Monat. „Getreu dem Offenbacher Motto, aus wenig viel zu machen, ist die Arbeit des Förderkreises wichtig für das historische Bewusstsein und die Identität Offenbachs“, betont Oberbürgermeister und Senatsvorsitzender Horst Schneider.

„Losziehen, schnorren, Sonderangebote suchen“ – augenzwinkernd blickt Museumsleiter Christian Rathke auf die Anfangsjahre der Institution und den durch Hugo Eberhardt gelegten Grundstock der Sammlung zurück. Heute übernimmt Rosita Nenno diese Aufgabe – meist jedoch nicht mehr unterwegs, sondern am Computer, etwa beim Online-Auktionshaus eBay. „Wenn sie etwas entdeckt, steckt sie uns mit ihrer Begeisterung an“, sagt Picard. Viele Neuerwerbe kamen so zustande. „Wenn ein Stück auf den Markt kommt, muss man schnell reagieren.“

Nacht der Museen in Offenbach

Nacht der Museen in Offenbach

Von dem engagierten Mäzenatentum profitieren besonders die aktuellen Kunstsammlungen, die Abteilungen Mode, europäisches Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts sowie die Afrikanische und Asiatische Ethnologie. „Die Stücke füllen Lücken, ermöglichen dadurch oft erst eine schlüssige Präsentation und Vermittlung in all ihren Zusammenhängen“, erläutert Nenno.

Die Unterstützung international bedeutender Sonderausstellungen gehört zu deneuen Aufgaben des Förderkreises. Den Auftakt macht im nächsten Frühjahr die Schau „Roger Vivier“ mit exquisitem Schuhdesign. Kosten: 240.000 Euro. „150.000 haben wir schon, der Rest fehlt bislang, aber da werden wir noch engagierte Freunde finden“, ist Vorsitzender Picard zuversichtlich.

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