Von stillen Reserven

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Gabriele Botte: Fundament für weitere Entscheidungen.

Offenbach - Förderung von Kindern und Jugendlichen muss breiter verankert werden. Das Fazit zieht ein Bericht, der Orientierung für die Bildungsentwicklung bieten soll. Ein Programm ist daraus erst zu entwickeln. Von Martin Kuhn 

Die Thematik ist bekannt, der Kern ebenfalls: Bildung ist der entscheidende Schlüssel. Auch dass Jugendliche mit ausländischen Wurzeln es im bestehenden (Bildungs-) System am schwersten haben, überrascht nicht.

Das und noch viel mehr listet ein Bericht auf, der „Orientierungsrahmen für die Bildungsentwicklung“ der Stadt sein soll. Der Magistrat hat das Papier beschlossen. Wichtig: Es beschreibt Probleme, beinhaltet aber kein Aktionsprogramm.

„Eine potenzialorientierte Förderung von Kindern und Jugendlichen muss noch breiter verankert werden und die kommunalen Bildungsstrategien stärker und sichtbar beeinflussen“, heißt es im Bericht. Dazu gehöre auch, dass alle Bildungsinstitutionen für den erhöhten Förderbedarf entsprechend ausgestattet sein muss. In seiner letzten Pressekonferenz als Bildungsdezernent stellte Paul-Gerhard Weiß das Papier vor. Das soll nicht heißen, dass der Freidemokrat seinem Nachfolger Felix Schwenke (SPD) einen gehörigen Batzen Arbeit hinterlassen hat. Vielmehr lässt es den Schluss zu: Paul-Gerhard Weiß liegt die Entwicklung seiner Heimatstadt auch nach dem Ende der Dienstzeit am Herzen.

Bildung beginnt vor der Schule

Dafür spricht, dass zwei entscheidende Protagonisten die lokale Bildung im Blick behalten: Felicitas von Küchler, Leiterin des Kommunalen Bildungsmanagements, und Gabriele Botte, Leiterin der Volkshochschule. Für Botte liefert das Papier mit detaillierter Betrachtung auf lokale Gegebenheiten „das Fundament für weitere Entscheidungen“. Anzustreben sei ein „breiter Konsens“. Aufgezeigt wird unter anderem, dass die Bildungsentwicklung nicht allein auf die Schule zu reduzieren ist. Sie beginnt früher und endet keineswegs mit dem Ende der Schulzeit – was Botte als Vhs-Chefin („Ort des lebenslangen Lernens“) ständig betont. Und: Das beinhaltet für sie nicht allein die berufliche, sondern auch die ästhetische Bildung.

Felicitas von Küchler konkretisiert das, plädiert für eine intensive Sprachförderung bis zum vierten Lebensjahr: „Da schließt sich das Entwicklungsfenster.“ Für sie wäre eine konsequente Folgerung, besonders qualifiziertes Personal in die problematischen Quartiere – sprich: in die weitere Innenstadt zu schicken. In Karten unkommentiert aufgelistet: Anteil der Personen im SGB-II-Bezug, mehr als drei Prozent über dem Durchschnitt; Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund 70 bis 75 Prozent; Konzentration bildungsferner Haushalte. Das trifft jeweils unter anderem die Quartiere rund um Wilhelm-, Mathildenschule und Hochschule für Gestaltung. Wie angeführt: Das ist nicht unbedingt neu, aber erstmals konzentriert dargestellt.

Für den ehemaligen Stadtrat bedeutet das: Stadtteilarbeit ist weiter zu intensivieren. „Wichtig in allen Varianten ist Sprachförderung, Sprachförderung, Sprachförderung.“ Unabdingbar sei es, Ressourcen zu bündeln und sinnvoll zu verwenden. Die Stadt müsse dafür sorgen, „ihre Kinder mitzunehmen“. In dem Bericht heißt es dazu: „Bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegen die größten noch unerschlossenen Begabungsreserven.“ Als kompliziert wird aber der Übergang von Schule in Beruf erachtet – da haben’s männliche Jugendliche am schwersten. Das allein greift für von Küchler aber zu kurz. Mit Blick auf die Eltern formuliert sie: „Informationsmangel führt oft zu falschen Bildungsentscheidungen.“

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