Förderung per Mausklick

+
Auch verschiedene Musikkurse gehören zum Offenbacher Förderangebot.

Offenbach - Die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben für Kinder aus Hartz-IV-Familien wird seit einem Jahr staatlich unterstützt – mit viel Verwaltungsaufwand. Eine elektronische Bildungskarte soll in Offenbach den Zugang erleichtern. Von Veronika Szeherova

Kinder und Jugendliche aus armen Familien geraten schnell ins Abseits. Wenn sie zuhause bleiben müssen, weil die Klassenfahrt zu teuer ist. Wenn sie daheim vorm Fernseher sitzen, statt in den Sportverein zu gehen, weil die Eltern die Mitgliedsbeiträge nicht zahlen können. Wenn sie nicht mitessen in der Schulkantine, weil ihnen das Geld fehlt. Oder sitzenbleiben, weil die Nachhilfe unbezahlbar ist.

Jobcenter ist für Projekt zuständig

Um Kindern von Hartz-IV-Empfängern Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben zu ermöglichen, führte der Gesetzgeber im April 2011 entsprechende Leistungen ein. In Offenbach ist dafür das kommunale Jobcenter Mainarbeit zuständig. 6532 Anträge wurden bisher gestellt. „Davon waren 5300 vollständig, knapp 5000 wurden bewilligt“, informiert Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing. Insgesamt leben in Offenbach etwa 6100 anspruchsberechtigte Kinder.

Nach dem ersten Jahr in der Praxis haben die Verantwortlichen einen grundlegenden Kritikpunkt, den hohen Verwaltungsaufwand. Es dauert lange von der Antragstellung über die Prüfung bis hin zur Bewilligung. „Etwa vier Wochen brauchten die Kollegen bisher, um einen Antrag zu bearbeiten“, berichtet Schulze-Böing. „Unser Ziel ist es, dies zu verkürzen, damit sie mehr Zeit beispielsweise für persönliche Beratung haben.“

Denn die Vergabe der Leistungen soll einfacher, transparenter und schneller werden – mit dem neuen Informationspaket und ab 1. Dezember zusätzlich mit einer elektronischen Bildungskarte. Zudem informiert ein Internetauftritt im städtischen Familienwegweiser über das Förderangebot.

„Komm – Sei dabei“

Mit der Offenbacher Kommunikationsagentur „unikat wertvoll“ hat die Mainarbeit ein Info-Faltblatt sowie neue Antragsformulare entwickelt. „Komm – Sei dabei“ steht in großen Lettern drauf, gut gelaunte Jugendliche schauen dem Betrachter entgegen. Farblich abgestimmte Logos vereinfachen die Orientierung durch die Leistungsangebote Sport und Kultur, Klassenfahrten und Ausflüge, Mittagessen in Kita und Schule, Bus und Bahn sowie Schulmaterial. „Bislang hatten wir Antragsformulare von der Bundeagentur für Arbeit, die sehr umständlich waren, was allein schon eine Schwelle war“, so Schulze-Böing.

Als fünfte Kommune in Deutschland bekommt Offenbach eine elektronische Bildungskarte im Scheckkartenformat. Mit ihr können Kinder und Jugendliche aus leistungsberechtigten Familien im Internet nach Angeboten suchen, Leistungen beantragen und den Bearbeitungsstand einsehen. Auch die Bezahlung der Leistungserbringer erfolgt durch das onlinegestützte Leistungs- und Abrechnungssystem, das die Firma Sodexo Pass entwickelt hat. „Die Kunden bekommen einen Zugangsberechtigungspass und loggen sich ein, das funktioniert ähnlich wie beim Online-Banking“, erläutert Sodexo-Mitarbeiter Georg Wyrwoll.

Einsparungen sind höher als Ausgaben für Bildungskarte

Die Kosten für das System liegen laut Schulze-Böing in niedriger fünfstelliger Höhe. „Aber die Einsparungen, die wir so durch weniger Verwaltungsaufwand erreichen, sind wesentlich höher“, sagt der Amtsleiter. Zwar müssten die Anträge nach wie vor von der Mainarbeit geprüft werden, doch Folge-Arbeiten wie die Ausstellung von Papierrechnungen würden wegfallen.

Informationen: www.bildungskarte-offenbach.de

Die Unterstützung für eine Vereinsmitgliedschaft oder die Teilnahme an einem Kurs beläuft sich auf maximal zehn Euro im Monat. Auch Schulessen wird bezuschusst. Die Kosten für Ausflüge mit Kita und Schule übernimmt die Förderung komplett. Für Schulmaterial gibt es pro Halbjahr feste Beträge. Nachhilfe wird unterstützt, wenn es um die Versetzung geht. „Nicht, um von Note 3 auf 2 zu kommen“, betont Schulze-Böing. Eine Infoveranstaltung für Leistungserbringer – Vereine, Nachhilfelehrer oder Institutionen wie Musik- oder Kunstschule – ist für den 8. November geplant. Neue Anbieter sind gern gesehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare