Alleinerziehenden geholfen

Offenbach - Fast drei Jahre war sie arbeitslos, jetzt wird sie Busfahrerin bei den Offenbacher Verkehrs-Betrieben: Die 48-jährige Andrea Klüh aus Bürgel ist die Vorzeigefrau bei „Gute Arbeit für Alleinerziehende“. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Das aus Töpfen des Arbeitsministeriums und des Europäischen Sozialfonds finanzierte Projekt geht nach knapp dreijähriger Förderzeit zu Ende. Bei einer Pressekonferenz in den Räumen der GOAB (Träger des Moduls startUP) wurden Ergebnisse und Erfolge präsentiert. Andrea Klüh belegte als eins von sechs möglichen Modulen die „Aktivierung und Integration für allein erziehende Frauen“, eine Qualifizierung der Initiative Arbeit im Bistum Mainz, besser bekannt als Gelbes Haus an der Marienstraße. Unter der Leitung von Sozialarbeiterin Helga Bardischewski übte sie von Mai bis November mit bis zu acht weiteren Frauen wichtige Grundlagen für den Arbeitsmarkt: Mathematik, Deutsch, EDV, Bewerbungen.

Auch wenn sie dabei kaum Neues lernte, war die Maßnahme für Klüh das entscheidende Sprungbrett in den Neuanfang: „Es hat mich stark motiviert, intensiver zu suchen“, berichtet die Mutter der 13-jährigen Paula, „Man hat einen geregelten Tagesablauf, die Betreuer sind super, und sie stehen absolut hinter uns.“ Die Idee zur Busfahrerin hatte schließlich die Mitarbeiterin in der Tischlerwerkstatt. Diese Vorstellung von dem für Frauen eher unüblichen Beruf war der gelernten Chemielaborantin sofort sympathisch. Inzwischen hat sie ein Praktikum absolviert und beginnt im März die drei bis sechs Monate dauernde Ausbildung.

Andrea Klühs bisherige Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt: „Problem für jeden Arbeitgeber ist das Bekenntnis: Ich bin alleinerziehend. Und mit kurz vor 50 ist man dann endgültig aussortiert.“ Um realistisch zu bleiben: Mit einer Berufsausbildung und als gebürtige Offenbacherin hatte Andrea Klüh natürlich bessere Chancen, aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen, als ungelernte Frauen mit ausländischen Wurzeln.

Doch auch in dieser Zielgruppe kann das Gelbe Haus in seinem zweiten Modul „Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement für allein erziehende Frauen“ gute Erfolge vorweisen. Von März 2011 bis Oktober 2012 wurden Geschäftsführer Markus Hansen von der Mainarbeit 96 Frauen zugewiesen, 78 haben die 20-monatige Maßnahme beendet. Die restlichen 18 blieben über die Dauer hinaus in der Maßnahme. Etwa 60 Prozent hatten einen Migrationshintergrund. Von den 78 Teilnehmerinnen fanden 19 Prozent Arbeit, sechs Prozent beginnen eine Ausbildung oder Umschulung. 37 Prozent besuchen weiterführende Maßnahmen, 22 Prozent blieben arbeitslos, der Rest gab sonstige Gründe wie Krankheit und ähnliches an.

Weitere Informationen im Internet auf der Seite der Mainarbeit und der Seite der Initiative „Gute Arbeit für Alleinerziehende“.

Betrachtet man die Gesamtgruppe aller geförderten alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger, sehen die Zahlen ähnlich aus: Von den 332 Frauen und 15 Männer blieben 24 Monate nach Beendigung der jeweiligen Module zwölf Prozent arbeitslos. 33 Prozent begannen eine Ausbildung oder Umschulung. Eine Arbeit oder geringfügige Beschäftigung fanden 12 beziehungsweise 3 Prozent der Geförderten. „Unsere Module waren die richtigen Instrumente für Alleinerziehende“, lautet das Resümee von Regine Bozon, Projektkoordinatorin Alleinerziehende bei der Mainarbeit, „Im nächsten Jahr wird das Projekt neu ausgeschrieben. Welche Träger dabei zum Zuge kommt, ist noch nicht sicher, alles läuft über öffentliche Ausschreibungen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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