Irland in der Kehle

Folkmusiker Glen Hansard im Capitol Offenbach

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Als Straßenmusiker gestählt: Glen Hansard

Offenbach - Jahrelang waren Dublins Straßen seine Bühne. Dort hat er sich vor namenlosen Gesichtern in den Fußgängerzonen die Stimmbänder hörbar wund gesungen. Von Ronny Paul 

Multitalent Glen Hansard ist Musiker und Schauspieler, hat mit seiner Band The Frames neun Alben seit 1991 veröffentlicht, dazu zwei Solowerke. Der internationale Durchbruch gelang ihm zusammen mit der Sängerin Markéta Irglová und dem Film „Once“, für dessen Titelsong „Falling Slowly“ er 2008 gar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Mit seinem aktuellen Langspieler „Didn’t He Ramble“ ist er derzeit auf Tour. Jetzt verzauberte Hansard rund 1 300 Zuschauer im Offenbacher Capitol mit seiner einmaligen Stimme, die in der Vielfalt und Dynamik Ihresgleichen sucht. Seine Stimme ist Irland: rau und offen zugleich. Ob flüsternd, grummelnd, schreiend, oder im Falsett – Hansards Organ geht stets durch Mark und Bein. Das bewies der Folkmusiker etwa bei den ersten beiden Zugaben „Say It To Me Now“ und „Gold“, die er ohne Mikrofon, umringt vom Publikum, von der Galerie des Capitols schmetterte. Oder beim furiosen Finale: Arm in Arm mit seinen elf Mitmusikern sang er die Ballade „The Auld Triangle“ vom irischen Songwriter Dominic Behan.

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Gespickt mit Anekdoten über seine Eltern oder Bob Dylan brillierte Hansard bei der zweieinhalbstündigen Show mit vollem Einsatz, wobei mehrere Gitarrensaiten sein dynamisches Spiel bis zum Song-Ende nicht überlebten. Höhepunkte? Schwer zu nennen. Es gab so viele. Aber neben „Falling Slowly“ bleiben vor allem „When Your Mind’s Made Up“ und „Way Back In Way Back When“ hängen.

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