Respekt gehört einfach dazu

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So leicht lassen sich Football-Coach Rick Holland (links) und sein Team von Schulleiterin Iris Kamarowsky (rechts) nicht das „Ei“ klauen. 

 Offenbach - Die Edith-Stein-Schule bietet neuerdings eine AG für amerikanische Sportarten. Schnell lernen die Jungs, dass bei Football nicht nur die Kraft gefragt ist. Von Katharina Hempel

Ein gutes Dutzend Jungs hockt vor der Sporthalle. Sie warten auf ihren „Coach“. So nennen die Edith-Stein-Schüler ihren Trainer Rick Holland, Leiter der American Sports-AG. Seit den Ferien lernen die 14 Freiwilligen am Mittwoch amerikanische Sportarten kennen.

Sie rangeln sich um das „Ei“, den American Football, schwingen den Schläger beim Baseball und werfen Körbe beim Basketball, hindern beim Flagfootball den Ballführenden am Weiterrennen, indem sie ihm eine Fahne (flag) aus dem Gürtel ziehen.

Während sich die Jungs noch über ihre neuesten Gürteltaschen austauschen, kommt er endlich: In rot glänzendem Trikot nähert sich der muskelbepackte Mr. Holland. Um seinen Hals baumeln Stoppuhr und Trillerpfeife - und nach dieser tanzen die Teenager. „Er hat einen guten Einfluss auf die Jungs“, sagt Schulleiterin Iris Kamarowsky. „Sie lernen bei ihm Teamgeist, Fairness und Respekt. Und er hat natürlich einen anderen Zugang zu ihnen als wir Lehrer.“ Vielleicht liegt das daran, dass Holland prinzipiell Englisch mit ihnen spricht. „Außer sie verstehen mich gar nicht. Dann übersetze ich’s nochmal“, lacht der aus Washington stammende Coach.

Erst die Schulterpolster, dann den Helm anziehen

Eine halbe Stunde später sind seine Schützlinge um die Erkenntnis reicher, dass sie zunächst die Schulterpolster und dann den Helm anziehen sollten. Während Mr. Holland kontrolliert, ob alles richtig sitzt, tanzt Trikotnummer 22 aus der Reihe. Ein gellender Pfiff ertönt. Rick Holland lässt den Rabauken vor versammelter Mannschaft 20 Liegestütze machen. „Und wenn du nochmal Scheiß baust, gehst du heim!“ Aufwärmen. In voller Montur schickt der Trainer seine Football-Spieler zum Runden rennen. Ein Pfiff, ein Kommando. Die Jungs schmeißen sich auf den Boden. Wieder ein Piff, sie springen auf und rennen weiter.

Dann übt das Team die Verteidigung. Zwei Spieler stehen Schulter an Schulter, der Angreifer rennt auf sie zu, versucht die Linie zu durchbrechen. Helme krachen, die Schulterpolster knacken. „Nicht so schlimm. Wir machen das ja, um uns abzuhärten“, sagt die 75. Die Nummer 86 stöhnt: „Puuh. wie warm das ist.“ Dem 14-jährigen Alija rinnen die Schweißperlen übers Gesicht. Zum Glück hat der Coach gerade eine Trinkpause angeordnet. „Ohne die Schulterpolster wäre es echt leichter, bei den Liegestützen schneiden sie an den Rippen ein“, beschreibt Jean-Paul wie sich für Football-Spieler das Aufwärmtraining anfühlt.

Rick Holland, ein Bauingenieur und ehemaliger Soldat der US-Army, lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Vor drei Jahren hat er hier „Future pro American Sports“ (FPAS) gegründet. Ein Projekt, das mit amerikanischen Sportorganisationen kooperiert und sich in der Jugendarbeit engagiert.

Das Ziel beschreibt Rick Holland so: „Wenn die jungen Leute Teil eines Teams werden können, können sie auch leichter ihren Platz in der Gesellschaft finden. Sport ist der beste Weg dafür, denn der bringt sie zusammen. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie sie sich mental und in ihrer Persönlichkeit verändern, wie gut sie auf einmal zusammenarbeiten und sich gegenseitig respektieren.“

Natürlich hat der Coach stets ein Auge auf die schulischen Leistungen der Spieler. Gehen die in den Keller, legt er ihnen nahe zu lernen statt zu spielen. Andererseits: „Sie könnten zuhause sein und nichts tun. Oder auf der Straße rumhängen und rauchen. Aber sie sind lieber hier und trainieren. Das ist doch ein gutes Zeichen.“ Und trainieren müssen die Herren mit den verbreiterten Schultern noch. In dieser Woche haben sie in Hanau ihr erstes Spiel, nächste Woche ein weiteres in Heidelberg. Sie werden gegen andere FPAS-Teams spielen, aber auch gegen die Football-Mannschaften der amerikanischen High-Schools hier in Deutschland.

Der Grundgedanke des Spiels ist klar: Raum gewinnen. Noch wissen die Offenbacher aber nicht nicht, was sonst auf sie zukommt. Doch spätestens nach dem ersten Spiel wird den Edith-Stein-Schülern klar sein, was American Football bedeutet und - vor allem - wie es sich anfühlt. Holland: „Die einen wird danach der Kampfgeist packen und sie wollen unbedingt weitermachen. Andere werde ich danach nicht mehr sehen. Aber so ist das eben.“

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