Fotografin Lena Grimm mit internationalem Kunstprojekt

Stadt wird zur Porträtgalerie

Offenbach „ Offenbach zeigt Gesicht im Großformat: Bei der gleichnamigen Fotoaktion gegen Rassismus werden ab Freitag 260 überdimensionale Porträts an öffentlichen Orten der Stadt angebracht. Das ist Teil des großen internationalen Kunstprojekts, das die Fotografin Lena Grimm nach Offenbach bringt. Von Julia Radgen

Mit dem Abbild auf riesigen Plakaten zeigen, wofür man einsteht: Dafür ließen sich auch Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums – hier Beatrice Balzer – von Lena Grimm fotografieren.  

An zwölf Standorten, darunter Marktplatz, Albert-Schweitzer- und Schillerschule, Senefelderquartier und Jugendzentrum Nordend, werden die großen Schwarz-Weiß-Porträts von Bürgern am Wochenende prangen. Am Freitagvormittag wird die Schau offiziell eröffnet. Fotografiert hat die ausdrucksstarken Bilder die Offenbacher Künstlerin Lena Grimm. Sie ist seit fünf Jahren mit dem mobilen Familien-und-Freunde-Porträtstudio (FUFP) regelmäßig auf den Straßen der Stadt unterwegs. Dabei hat sie Alte, Junge und Menschen unterschiedlichster Ethnie vor die Kamera bekommen. Mit dem städtischen Integrationsamt und dem Jugendbildungswerk realisierte Grimm schon mehrere kostenlose Kunstaktionen. „Die Projekte haben immer einen integrativen und sozialen Aspekt“, sagt die 35-Jährige.

Auf die Teilnahme Offenbachs am internationalen Inside Out Project (IOP) hat Grimm seit dessen Anfängen hingearbeitet: „Das war immer mein Ziel, und ich habe gehofft, dass es nach all den Jahren noch klappt.“ Den Kontakt zum Initiator, dem französischen Künstler JR (Juste Ridicule), hat sie über eine Freundin herstellen können. In 112 Ländern wurde das partizipative Kunstprojekt schon gezeigt. Fotograf JR hat die Ruhmeshalle Panthéon in Paris mit übergroßen Porträts eingekleidet und die amerikanisch-mexikanische Grenzwand in Ciudad Juárez sowie den Times Square in New York mit Bildern bepflastert – immer mit politischer und sozialer Botschaft. Nun kommt es unter dem Titel „Offenbach zeigt sein Gesicht“ in die Stadt, in der Lena Grimm groß geworden ist. „Es ist ein Herzensprojekt von mir“, sagt sie. Das Konzept passt zu Grimms bisherigen Aktionen: Es wirbt gegen Rassismus und für Toleranz. Die abgebildeten Bürger sollen durch ihr übergroßes Porträt im öffentlichen Raum ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen. Gerade im multikulturellen Offenbach ein wichtiges Thema, findet Grimm.

An den zwölf Standorten wird schon für das Wochenende ausgepackt und aufgehängt. Denn die Werke haben eine lange Reise hinter sich: Grimms insgesamt 260 Fotos wurden von Offenbach nach New York geschickt, wo sie im Atelier von JR als großformatige Plakate aus dünnem Papier produziert wurden. Die fertigen Großporträts mussten wieder die lange Reise zurück in ihren Entstehungsort antreten. Nun werden diese sogenannten Paste-Ups an den zwölf Standorten auf markante Stellen wie Säulen, Wände oder Fenster geklebt.

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Dort hat sich der Kunstleistungskurs um die Organisation des Projekts gekümmert und bringt die Plakate von außen gut sichtbar an den Fenstern der Schule an. Die Schüler hätten sich sehr für das Projekt eingesetzt, heißt es aus der Albert-Schweitzer-Schule. Die Einrichtung mit Unesco-Projektstatus und interkulturellen Programmen will damit zeigen: „Rassismus hat bei uns keinen Platz.“ Im Juni war Lena Grimm an der Schule zu Gast und hat die Bilder aufgenommen. Die jetzigen Ausstellungs- sind zumeist auch die Entstehungsorte der Bilder. Die Schüler oder die Mitarbeiter der Einrichtungen hängen so mitunter ihr eigenes Porträt auf.

Große Überzeugungsarbeit musste Grimm nicht leisten „Bislang freuen sich alle“, sagt sie. Auch die Stadt unterstützt das Projekt. So ist neben Schülern, Boxern und Mitarbeitern des Stadtteilbüros auch das Antlitz von Oberbürgermeister Horst Schneider zu entdecken – wo genau, das erkunden Offenbacher am Wochenende am besten selbst.

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