Diplompräsentation von HfG-Studenten

Frage der Geschwindigkeit

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500 Stundenkilometer schnell und Fahrkabinen, die sich nach vorne öffnen: „Ultraliner“ heißt das Hochgeschwindigkeitsfahrzeug der Zukunft, das HfG-Diplomand Iman Baradaran Sadati im Zuge seines Studiums gestaltet hat.

Offenbach - Mobilität und Komfort waren die großen Themen, mit denen sich die Stundenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) in den vergangenen Monaten eingehend beschäftigt haben. Von Claus Wolfschlag 

Der Zukunft des Automobils widmeten sich gleich zwei markante Arbeiten, die am Freitagabend in der Aula der HfG zu sehen waren. Markus Däsch und Iman Baradaran Sadati stellten ihre Automobilmodelle im Rahmen der Diplompräsentation des Fachbereichs Produktgestaltung vor. Die Ergebnisse gingen im Ansatz weit auseinander und überzeugten dennoch beide.

Vor zwei Jahren hatte Iman Baradaran Sadati an einem Kooperationsprojekt mit dem Automobilhersteller Audi teilgenommen. Sechs Monate absolvierte er dafür ein Praktikum in München. Dies ermöglichte ihm, in Zusammenarbeit mit Audi Konzept Design, das aufwändige Modell eines Highspeed-Autos der Zukunft zu gestalten. In der ferneren Zukunft soll der „Ultraliner“ als Hochgeschwindigkeitsfahrzeug Personen auf interkontinentalen Schnellstrecken befördern. 500 Stundenkilometer soll das markant geschnittene Fahrzeug einmal zustande bringen. Doch dazu müssen allerdings erst einmal die Straßen gebaut werden. Sadati schweben Magnetautobahnen vor, auf denen die Wagen über Induktionsspulen mit Energie versorgt werden. Der Elektromotor würde durch eine integrierte Flow Batterie aufgeladen.

„Vorsprung durch Technik“

„Vorsprung durch Technik“, gab Sadati den Werbeslogan der Audi AG wieder und erkärte, dass er seine „Vision der Mobilität der Zukunft“ unter dieses Motto gestellt habe. Eine gestalterische Innovation gab es dazu: Die Fahrerkabine öffnet sich nach vorne, wie das Fach eines DVD-Spielers. Das bedeutet aber, dass größere Garagen gleich auch noch geplant werden müssen. Die Gestaltungsaufgaben gehen eben nie zu aus.

Setzte Sadati auf Beschleunigung, vertrat Markus Däsch das Konzept der konsequenten Entschleunigung. Sein „Audi q-factor“ ist ein seitlich halboffener Wagen, der die Freude an der Bewegung wieder ermöglichen soll. „Dieses Auto ist eher langsam, bietet ein entschleunigtes Fahrerlebnis, aber dafür ein abenteuerlicheres“, so Däsch, der den „tristen Transport von funktionierenden Menschen in einer institutionalisierten Welt“ grundsätzlich in Frage stellt: „Ich möchte keine Welt, in der man nur von A nach B in einer Kiste transportiert wird. Der Weg ist vielmehr das Ziel.“

Es gehe um die Freude an der Bewegung, das gemeinsame Erleben des Objekts, um Spiel. Der Mensch sei schließlich „nur da ganz Mensch, wo er spielt“, zitierte Däsch Friedrich Schilller. Der halboffene Wagen ermögliche somit das Erlebnis von Licht, Luft und Sonne während der Fahrt. „Audi q-faktor ist ein Kontrast zur virtuellen, verkabelten Welt der Gegenwart“, so Däsch, der bereits als Student in Graz Kontakt zum Audi Design Studio in Ingolstadt aufgenommen hatte. Auch Johannes Ott hatte sich im weiteren Sinne einer Verkehrsthematik angenommen. Mit „Transgrid Mobility“ beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten zur Ausweitung von Elektromobilität. So entwarf er eine Art Zapfsäule als Zwischenspeicher für die dezentrale Energieversorgung. Elektroroller könnten so beispielsweise zukünftig auch in entlegenen ländlichen Gegenden aufgeladen werden.

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Im direkten Gegensatz zu den Arbeiten rund um Autos und Mobilität standen jene Werke, die sich dem ruhigen Sitzen widmeten. Fabian Kragenings entwarf einen eleganten Sessel, einen „Design Lounge Chair“ für die Marke „Porsche Design“. Nahomi Huerta Ayala steuerte den „CUPchair“ bei, einen schlicht wirkenden Holzstuhl, der ergonomisches und flexibles Sitzen ermöglichen soll.

Olga Ciura schließlich zeigte mit ihrer Arbeit „Leanscape“ eine Matte aus miteinander verbundenen Holzdreiecken, die sich vielfältig vom Bodenbelag bis zum Sitz- und Liegeobjekt falten lässt. „Die Arbeit ist das Ergebnis meiner Materialforschung. Das Modell dient als Basis und wird noch weiterentwickelt“, erklärte die Polin aus Tschenstochau, die vor sieben Jahren ihren Studienort von Krakau nach Offenbach verlegte, um neue Ecken der Welt zu sehen. Und aus Dreiecken Neues zu schaffen.

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