„Wir wurden schon zu lange vertröstet“

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Liotta Francesco Liotta: Tolle Jugendarbeit, die über den normalen Sportbetrieb hinausgeht.

offenbach - Mehr als 200 Kinder, Jugendliche und Aktive treiben Sport beim Judo-Club Samurai. Spitzenkämpfer wie Miles-Smith trainieren bis zu 30 Stunden pro Woche Technik, Kraft, Ausdauer – in Schulturnhallen ist das kaum möglich.

Der Wunsch nach einer eigenen Übungshalle (Dojo) ist fast so alt wie der Verein selbst. Nun hat die Stadt beim Neubau der Hafen-Grundschule eine aus ihrer Sicht gute Lösung gefunden. Darüber sprach Redakteur Martin Kuhn mit Samurai-Chef Francesco Liotta.

Herr Liotta, Gratulation, in der 2. Bundesliga belegen die Männer des JC Samurai den vierten Platz. Sind Sie zufrieden?

Danke! Da wir in der ersten Hälfte der Saison viele Ausfälle hatten und somit auf einige Punktegaranten verzichten mussten, geht Platz vier in Ordnung. In der zweiten Hälfte haben wir mit einem nahezu kompletten Team von sechs möglichen Punkten fünf geholt. Da kann man zufrieden sein, auch wenn wir ganz knapp an Platz drei vorbei geschrammt sind.

Ein Blick auf die Begegnungen zeigt bei zwei Unentschieden und einer Niederlage: Heimstark ist ihr Team nicht gerade?

Wie gesagt, wenn man ersatzgeschwächt auf die Matte geht, ist es auch mit einer super Unterstützung unserer tollen Fans, die uns seit Jahren nicht nur in Offenbach lautstark nach vorn treiben, nicht einfach zu gewinnen.

Schade! Verbessert sich das mit einem eigenen Dojo, eine der beiden übereinanderliegenden Hallen in der neuen Hafenschule, die ihnen als Domizil fest versprochen ist?

Andersrum! Etwas sehr Wichtiges verringert sich ganz bestimmt, nämlich die Verletzungsgefahr. Denn in der Hafenschule werden die Judomatten fest installiert sein, dadurch besteht die Gefahr nicht mehr, bei auseinander rutschenden Matten in der entstehenden Lücke mit den Fußzehen hängen zu bleiben oder umzuknicken. Und das ist ein Riesenvorteil, denn in der Vergangenheit mussten wir aufgrund solcher Verletzungen zu oft auf Athleten verzichten.

Was ändert sich denn im Trainingsbetrieb für ihren Verein, der ja nicht allein aus der Bundesliga-Mannschaft besteht?

Besprochen ist eine Mattenfläche von knapp 290 Quadratmeter, das ist im Vergleich zu unserer momentanen Trainingsfläche von knapp 180 ein großer Schritt nach vorn. Wir können mehr Kinder aufnehmen und wachsen, was aufgrund unseres ständigen Aufnahmestopps und der üblichen Fluktuation in der Humboldtschule nicht möglich war.

Wie lange – um im Bild zu bleiben – kämpft denn der JC Samurai mit den widrigen Verhältnissen und für ein Dojo? Die Stadtverantwortlichen behaupten, dass die ganze Planung eng mit Ihnen abgesprochen ist...

Ich selbst habe vor 33 Jahren mit Judo in der Turnhalle der Humboldtschule begonnen, und wir trainieren heute noch dort. Aber das Thema „eigenes Dojo“ kam mit dem sportlichen Erfolg Ende der 90er Jahre, als Judoka vom Samurai mehrere Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, internationalen Meisterschaften und sogar bei der Weltmeisterschaft gewinnen konnten. Damals wie heute waren wir mit unseren Trainingsmöglichkeiten national und international benachteiligt.

Keine festen Matten, kein Kraftraum, Training erst ab 17 Uhr, und oft haben wir in den Winterferien in einer eiskalten Halle trainieren müssen. Es war und ist wirklich nicht einfach... Jetzt hatten wir mehrere Gespräche mit der Stadt und haben besprochen, was geht. Und leider auch, was nicht geht – etwa der Kraftraum.

Samurai Offenbach gegen JC Rüsselsheim

Samurai Offenbach gegen JC Rüsselsheim

Oberbürgermeister Horst Schneider flachste vor Journalisten. „Das glaubt mir der Francesco erst, wenn die Schule fürs erste Training offen steht...“ Das beinhaltet ja, dass der JC Samurai des Öfteren enttäuscht wurde?

So ist es, erst wenn ich in meinem Judoanzug auf der fest installierten Matte stehe und das erste Training leite, glaube ich daran. Und das nur, weil wir im Grunde schon zu lange vertröstet wurden. Projekte kamen nicht zustande, Hoffnungen wurden geweckt, dann wurde doch nichts draus.

Wissen Sie, es geht nicht nur um Bundesliga, deutsche Meistertitel, oder Nationalkaderathleten. Der Judo-Club hat neben seinen großen sportlichen Erfolgen eine tolle Jugendarbeit, die über den normalen Sportbetrieb hinausgeht. Wir sind an Schulen und Kitas aktiv, bieten tolle Projekte wie den Mutworkshop für Mädchen und Selbstverteidigungskurse an und leisten damit wie andere Vereine auch unseren Beitrag zu sozialer Verantwortung in Offenbach.

Ganz objektiv gesehen bin ich der Meinung, dass nach so vielen Jahren sehr erfolgreicher, ehrenamtlicher Arbeit der Samurai Offenbach ein eigenes Dojo mehr als verdient. Und das wissen auch die Verantwortlichen der Stadt.

Herr Liotta, kurz und knapp: Alles wird gut?

Natürlich, alles wird gut.

Judo: JC Samurai Offenbach ist Vizemeister 2012

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