Gegen Grenzen in den Köpfen

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Im Dialog über die Nachbarschaft im Hafen: Professor Kai Vöckler und Professor Heiner Blum (beide Hochschule für Gestaltung), Oberbürgermeister Horst Schneider, Daniela Martha (OPG), Andrea Weiß (Hafen 2), Michael Siebel (Moderator) und Detlef Reissmann (SG Wiking, von links)

Offenbach - Die nachwachsende Generation habe keinen Begriff mehr von den Animositäten zwischen Frankfurt und Offenbach. Von Stefan Mangold

Die pflegten nur noch „ein paar Fastnachter auf dämliche Art und Weise“, beschreibt Oberbürgermeister Horst Schneider den tradierten Zwist wischen den Nachbarstädten. Der erschließt sich einem Zugezogenen wie Kai Vöckler ohnehin nur bedingt.

Der Professor für Kreativität im urbanen Kontext an der Hochschule für Gestaltung (HfG) zählt zu den Experten, die Grete Steiner im Namen des Forums für Kunst und Kultur der Sozialdemokratie in Hessen eingeladen hat. Dessen Vorsitzender, der Landtagsabgeordnete Michael Siebel, moderiert im Gebäude der SG Wiking den „Dialog über die Nachbarschaft im Hafen-Areal“.

Vöckler spricht von drei hessischen Kunsthochschulen „auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern“ – zwei in Frankfurt, eine in Offenbach. In Berlin, wo der Stadtforscher und Publizist drei Jahrzehnte gelebt hat, „gelten solche Entfernungen als kurze Fahrradstrecken“. Hier jedoch „gibt es Grenzen in den Köpfen“. Schneider spricht deshalb von der „institutionellen Verfasstheit, die an der Realität der Region vorbei geht“. Er sei aber skeptisch, ob er es noch erlebe, „dass die sich ändert“.

„Wollt ihr das wirklich machen?“

Ändern wird sich die Situation für das Kulturzentrum Hafen 2, das dem neuen Viertel weichen muss. Mitbetreiberin Andrea Weiß erinnert sich an ein Gespräch im Jahr 2003 mit Daniela Matha von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG). Die habe bei der Besichtigung des alten Hafengebäudes gefragt: „Wollt ihr das wirklich machen?“, als Weiß vorschlug, als Zwischennutzung ein Kulturzentrum unterzubringen. „Mit mehr als zwei Jahren hatten wir nicht gerechnet.“ Das Projekt mit Café, Kino, Konzertraum und Büroarbeitsplätzen entwickelte sich jedoch so erfolgreich, „dass wir nicht einfach kündigen und abreißen konnten“, sagt Matha.

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Weshalb letztlich die SG Wiking am Nordring mit dem Hafen 2 in 100 Metern Entfernung flussaufwärts einen neuen Nachbarn bekommt. Einen alten beherbergt der Verein seit 21 Jahren im Haus – Klaus Unkelbach, der auf zwei Stockwerken mit seiner R & M Restaurant- und Musiklokal GmbH die Diskothek MTW und den Elektro-Club Robert Johnson betreibt. „Den kennt man auch in Tokio“, weiß Heiner Blum, Professor für Visuelle Kommunikation an der HfG. Blum gestaltete den Club vor 13 Jahren mit. Dessen Prominenz freut wiederum Detlef Reissmann, Vorsitzender der SG Wiking: „Von der Pacht finanzieren wir uns schließlich auch.“ Als der Sportverein die Räume abgab, hätten Mitglieder Bedenken formuliert, „es könnte zu Messerstechereien mit Türstehern kommen – oder das Rotlichtmilieu halte Einzug“. Probleme gebe es fast nie, „und wenn, können wir die sachlich mit Unkelbach besprechen“.

Hafen 2 nebenan als Konkurrenz

Der sieht den Hafen 2 nebenan zwar als Konkurrenz: „Der Euro, der im Hafen 2 ausgegeben wird, landet nicht bei uns in der Kasse.“ Indes empfinde er den Wettbewerb um den Rubel der Kundschaft als theoretisch. Schließlich beackerten der Hafen 2 und seine Gesellschaft zu unterschiedliches Terrain, um einander die Wurst vom Teller zu ziehen.

Eine Bedrohung für seinen Betrieb sieht der Geschäftsmann durch Pläne der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), die Gebühren für Musikverwertung zu erhöhen. Statt 14.000 Euro im Jahr „wären es dann bis zu 190.000 Euro“. Was bedeute: „Wir müssten dicht machen...“

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