Frankfurt streckt Fühler nach dem Hafen aus

Offenbach - (mad) Es gab mal eine Zeit, da wollte sich die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Frankfurt in Offenbach nur dazu herablassen, Sozialwohnungen zu bauen - damit entsprechende Mieter nicht in Frankfurt landen.

Nun, die Zeiten ändern sich. Und das hat mit dem Offenbacher Hafenprojekt zu tun. Wie die FAZ vermeldet, ist die ABG Holding an einer Teilfläche der Hafeninsel interessiert. Es habe schon entsprechende Gespräche mit der Mainviertel GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH), gegeben, die den Hafen entwickelt.

ABG will in dem neu entstehenden Viertel, in dem einmal 1 000 Menschen leben und 10 000 arbeiten sollen, bevorzugt Passivhäuser errichten, heißt es.

Bozica Niermann von der Mainviertel GmbH bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung indirekt das Engagement der Frankfurter ABG Holding. Es gebe viele Interessenten für das Hafenprojekt, und solche Gespräche seien im Übrigen ein ganz normaler Vorgang, sagte sie.

Weitere Informationen zum Hafenprojekt finden Sie hier.

Der Vorstoß der Frankfurter Wohnungsbauer ist nicht nur unter dem Aspekt einer offenbar nachlassenden Hochnäsigkeit bemerkenswert: Denn mehrere Betriebe im Frankfurter Osthafen wollen rechtlich gegen die geplante Wohnbebauung auf der anderen Mainseite vorgehen. Ihre Befürchtung: Künftige Bewohner des Offenbacher Mainviertels könnten wegen des von den Unternehmen verursachten Lärms die Gerichte bemühen.

Die Angst ist nicht ganz unbegründet: Zusammen mit einem renommierten Verwaltungsrechtler haben die Stadtwerke Offenbach, die bei dem Projekt die Federführung haben, weit reichende Lärmschutzvorkehrungen in den Bebauungsplan geschrieben.

Während der Frankfurter Magistrat die Furcht der Firmen für unbegründet hält und auf konsensfähige Regelungen im Bebauungsplan setzt, hofft man in Offenbach darauf, dass die Frankfurter Hafenbetriebe die prozesswilligen Betriebe an die kurze Leine nimmt.

Als gesichert gilt, dass die Frankfurter Stadtregierung die Aktivitäten der ABG in Offenbach abgenickt hat. Sitzt doch Oberbürgermeisterin Petra Roth im ABG- Aufsichtsrat.

Beobachter werten dies als neuen Ton im Verhältnis zwischen Offenbach und Frankfurt; ausgelöst durch den Schmusekurs von OB Horst Schneider gegenüber der Frankfurter Kommunalpolitik. Langfristig könne sich daraus sogar eine Zusammenarbeit bei Großprojekten entwickeln, heißt es

Letztlich dürfte aber ausschlaggebend sein, dass das Offenbacher Hafenprojekt einfach eines mit guten Vermarktungschancen ist.

Rubriklistenbild: © offenbach.de

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