Frankfurter Familien zieht es nach Offenbach

Offenbach - Immer mehr Deutsche haben die Unsicherheiten an den Finanzmärkten satt und setzen als Geldanlage auf „Betongold“, sprich Immobilien. Der Markt boomt, auch professionelle Kapitalanleger suchen ihre Rendite verstärkt im Häuser- und Wohnungsinvestment. Von Achim Lederle

Doch das Angebot ist knapp, die Preise sind regional sehr unterschiedlich. Gute Information hilft gegen schlechte Schrottimmobilien-Angebote. Hilfe versprechen dabei die Verbraucherzentralen.

Bauexpertin Christiane Kienitz von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt bestätigt, dass Immobilien inzwischen für die Altersvorsorge in den Mittelpunkt gerückt sind. „Ursache ist hier die Finanzkrise. Immobilien waren als Investitionsobjekte schon immer wichtig, nur inzwischen sind sie als inflationssichere Anlage gefragt wie nie“, sagt Kienitz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Durchschnittliche Preise stark gestiegen

Investoren haben in den vergangenen Jahren besonders die Preise in den Top-Lagen der Metropolen nach oben getrieben. Auch in Frankfurt sind die Preise für Eigentumswohnungen und Reihenhäuser deutlich in die Höhe geschossen: Wie die Immobilienpreis-Experten der BulwienGesa AG ermittelt haben, kletterten die durchschnittlichen Kaufpreise für Eigentumswohnungen von 2 761 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2000 auf 3 400 Euro im Jahr 2011. Der Kaufpreis für Reihenhäuser erhöhte sich im Schnitt von 337.000 Euro im Jahr 2000 auf 350.000 Euro im Vorjahr. Einzig Einfamilienhäuser wurden BulwienGesa zufolge in dem Zeitraum etwas günstiger. Christiane Kienitz bestätigt: „Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen hat in Frankfurt sehr stark zugenommen.“ Gefragt seien bei gut verdienenden Singles oder Pärchen vor allem Penthäuser. Junge Familien suchten dagegen mehr nach einem Reihenhaus in der stadtnahen Umgebung.

Und hierbei hat Kienitz einen interessanten Trend ausgemacht: „Immer mehr junge Frankfurter Familien suchen in Offenbach und Umgebung nach einem neuen Domizil.“ In Offenbach locken nämlich noch deutlich niedrigere Immobilienpreise als im Raum Frankfurt: Laut BulwienGesa fielen die Preise für Einfamilienhäuser von 419.000 Euro im Jahr 2000 auf 350.000 Euro. Auch Reihenhäuser wurden den Angaben zufolge in Offenbach günstiger und kosten nun im Schnitt 240.000 Euro statt noch über 255.000 Euro im Jahr 2000. Selbst die allseits begehrten Eigentumswohnungen seien im Preis gefallen: Von 2 200 Euro pro Quadratmeter auf 2 100 Euro.

Finanzierung oft nicht möglich

In Offenbach selbst sieht die Bauexpertin auch eine deutlich gestiegene Nachfrage. „Oftmals können Interessenten hier aber einen Kauf nicht finanzieren“, so Kienitz. Wie sie erläutert, können mit der Verbraucherzentrale alle Fragen rund um den Hausbau oder den Immobilienkauf besprochen werden: „Wir informieren über Finanzierungsmodelle, Fördermöglichkeiten, vergleichen Hypotheken und berechnen die Restschuld. 150 Euro kostet die Neuberatung inklusive eines Zinsvergleichs und der Nachberatung“, erklärt Kienitz.

Fachleute sehen für Immobilienkäufer Chancen besonders abseits der Metropolen und bestätigen den regionalen Trend „Weg von Frankfurt - hin nach Offenbach“. Insgesamt lägen die Preise für Wohnungen und Eigenheime im Bestand im Durchschnitt mehr als zehn Prozent unter denen des Jahres 2000, heben die Landesbausparkassen hervor.

Doch auch mahnende Stimmen mehren sich. „Noch erscheint das Rückschlagspotenzial für die Preise überschaubar“, heißt es im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Sie erinnert aber daran, dass die Bevölkerung sinke und damit auch die Perspektiven für Wirtschaftswachstum. Damit sei nicht gesichert, dass bei den Mieten so viel zu holen sein wird, wie es bei den gestiegenen Kaufpreisen nötig wäre. Wer sein Geld in Wohnungen parken wolle, müsse das Risiko eines Preisrückschlags ins Auge fassen.

Berater: „Immobilienplase platzt in den nächsten Jahren“

Was die Notenbank andeutet, ist für den Bankenfachmann Bernd Nolte eine reale Gefahr. Der Berater und Professor an der privaten Steinbeis-Hochschule in Berlin sieht eine Immobilienblase, die in zwei oder drei Jahren platzen werde - sobald es auch in Deutschland Rezessionstendenzen gebe. „Dann bekommen mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit die Leute Probleme, die kreditfinanziert und ganz eng auf Kante kalkuliert haben.“ Die Banken vergäben derzeit leichtfertig Kredite an Bauherren und Käufer, die sich die Immobilie eigentlich nicht leisten könnten. Und weil schon ganze Marktsegmente leergekauft seien, versenkten mehr Käufer ihr Geld in Schrottimmobilien. Nolte rät deshalb: „Keine Inflationsangstkäufe, und nicht jede Immobilie zu jedem Preis.“

Auch die Stiftung Warentest warnt: „Nachteile für den Immobilienkäufer sind lange Kapitalbindung, hohe Verschuldung mit der Unsicherheit, die Raten immer aufbringen zu können und die Bindung an einen Ort.“ Schnell könnten Arbeitslosigkeit oder Krankheit die Eigentümer zum Verkauf zwingen. Dann seien die Verluste erheblich.

„Käufer sollten auf jeden Fall die Finanzierung nicht zu knapp kalkulieren“, so der Tipp von Warentest.

Rubriklistenbild: © Bardewyk/pixelio.de

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