Schulte schlägt Betrieben in Stadt und Kreis Offenbach runden Tisch vor

Fraport geht auf Handwerk zu

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Symbolbild

Offenbach - Offenbachs Handwerker sollen bessere Chancen am Flughafen bekommen. Das meint Fraport-Chef Schulte. Von Marc Kuhn 

Der Betreiber des Frankfurter Flughafens ist bei der Vergabe von Aufträgen auf die Handwerkerschaft in Stadt und Kreis Offenbach zugegangen. „Es ist nicht immer einfach für Handwerker am Flughafen“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte gestern beim Handwerkerfrühstück in seinem Vortrag, der unter dem Motto „Flughafen Frankfurt und Terminal 3 - El Dorado für das regionale Handwerk?“ stand. Ähnlich äußerte sich Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel. Schulte bot den Offenbacher Betrieben „eine Art Roundtable“ an, bei dem über die Probleme geredet werden könne. Zudem sei dies eine Gelegenheit, „uns den Spiegel“ vorzuhalten. „Vielleicht kann man das eine oder andere verbessern.“ Kramwinkel erklärte, dass er den Vorschlag sehr gut finde und das die Kreishandwerkerschaft mit dem Flughafenbetreiber ins Gespräch kommen wolle. „Ich hoffe, dass sie gute Geschäfte am Flughafen machen, auch wenn es schwierig ist“, sagte Schulte.

Er kritisierte die steuerliche Belastung von deutschen Fluglinien und sprach von „Staatsfinanzierung“ und im internationalen Vergleich von einer Wettbewerbsverzerrung für hiesige Gesellschaften. „Eine weitere Last ist das Nachtflugverbot“, erklärte der Fraport-Chef. Der Beginn um 23 Uhr sei eine „harte Grenze“, sagte er weiter. Aber: „Wir haben das im Griff.“ Schulte machte sich darüber hinaus für weiteres Wachstum in seiner Branche und das Terminal 3 stark. „Wenn der Luftverkehr in Deutschland nicht wächst, dann fliegt man um Deutschland herum“, erklärte Schulte. „Wir müssen langfristig mitwachsen, sonst verlieren wir international den Anschluss.“ Mit Blick auf das Terminal 3 ergänzte der Fraport-Vorsitzende: „Wir brauchen dringend zusätzliche Infrastruktur.“ Eine Erweiterung der Kapazitäten und eine Entlastung der bisherigen Terminals sei nötig.

Nach den Worten von Kramwinkel war 2015 für die Unternehmen des hessischen Handwerks ein gutes Jahr. Der Ausblick auf das laufende Jahr zeige eine ähnliche Stimmung bei den Betrieben. „Das konjunkturelle Hoch hält an“, sagte auch Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. „Das Handwerk erwartet keine bemerkenswerten Zuwächse oder Negativtrends, sondern eine andauernde Stabilität auf sehr gutem Niveau“, fügte Kramwinkel hinzu. Der Kreishandwerksmeister verwies auf die geringe Arbeitslosigkeit in Deutschland, gestiegene Einkommen und günstige Kreditkonditionen.

Bilder: Spatenstich für Terminal 3 am Flughafen Frankfurt

Für das Handwerk in Stadt und Kreis ist es in den vergangenen Jahren aber immer schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen, wie Kramwinkel berichtete. Ehinger klagte über drohenden Fachkräftemangel. Die Kreishandwerkerschaft habe ihr Angebot zur Vermittlung von Bewerbern deutlich ausgebaut, erläuterte Kramwinkel. Es gebe unter anderem acht Kooperationen mit weiterführenden Schulen. „Außerdem haben wir im abgelaufenen Jahr damit begonnen, auch die in Stadt und Kreis ansässigen Gymnasien im Rahmen der Berufsorientierung in den Fokus zu nehmen.“ Auch anerkannten Asylbewerbern will das Handwerk Chancen auf dem Ausbildungsmarkt bieten. „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will“, sagte Kramwinkel. Er verlangte für die Betriebe aber Rechtssicherheit.

Ehinger schätzt, dass von den etwa 80.000 Flüchtlingen, die nach Hessen gekommen sind, 30.000 bis 40.000 bleiben werden. „Wir müssen versuchen, die so schnell wie möglich zu integrieren. Es darf keine Ghettobildung geben.“ Das hessische Handwerk übernimmt laut Ehinger rund 1000 Flüchtlinge in eine „Vorausbildung“.

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