Mit Fraport verhandeln statt klagen

Offenbach - (tk) Die neue Nordwestbahn zu verhindern, galt immer als kleinster gemeinsamer Nenner aller Offenbacher, die sich nicht damit abfinden wollen, dass der Flughafen zu Lasten Offenbachs ausgebaut wird.

Entsprechend besteht auch ein von allen Fraktionen mitgetragener Stadtverordnetenbeschluss, dieses Ziel auf dem juristischen Weg zu erreichen. Wie es nun aber auch Vereinigungen gibt, die den Flughafen-Ausbau in Gänze ablehnen, gibt es inzwischen auch Stimmen im Parlament, die die offizielle Strategie in Frage stellen. Etwa der SPD-Stadtverordnete Erich Strüb, dem von seiner beruflichen Vergangenheit als Personalreferent bei der Lufthansa-Servicegesellschaft ohnehin eine Flughafen-Nähe eigen ist.

Strüb regt jetzt ein Umdenken an: verhandeln statt klagen. Spätestens nach der Entscheidung der Landesregierung für den Ausbau samt Hinweis aufs Mediationsverfahren sei klar, dass die Landebahn Nordwest kommen werde und die harte Gegenposition der Stadt wesentlich zu ihren Ungunsten ausgehen werde, meint Strüb: „Viel Geld wurde bis dato an Anwalts- und Beratungskosten ausgegeben, um jetzt möglicherweise überhaupt nichts Nennenswertes zu erreichen.“ So wäre es doch angebracht, sofort mit dem Flughafenbetreiber Fraport zu verhandeln, um für die Stadt wenigstens Lärmschutzmaßnahmen für bestehende Gebäude und für zukünftige Baumaßnahmen zu erhalten.

Die Stadt solle sich sofort mit Fraport an einen Tisch setzen und Lösungsmöglichkeiten außerhalb einer gerichtlichen Entscheidung finden. Diese müssten für die Bürger spürbare Entlastungen beinhalten. „Besser verhandeln, als mögliche negative Prozessententscheidungen zu erlangen“, schreibt Erich Strüb.

Anderweitige Entlastungen könnten nur auf internationaler Ebene erreicht werden, meint der Sozialdemokrat. Solange Flugrouten nach dem Instrumenten-Anflug-System festgelegt würden, sei nicht zu erwarten, dass sich Wesentliches über Offenbach ändern werde.

Regierungen auf Landes-, Bundes- und Europa-Ebene müssten deshalb schnellstens die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Umstellung auf ein von Satelliten gesteuertes Anflugsystem schaffen, erklärt Strüb. Ein solches System sei zwar teuer, könne aber letztlich die Einflugschneisen von bewohnten Gebieten fern halten.

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