Skurriler Prozess: Frau beißt Taxifahrer

Offenbach (tk) - Es war eine verworrene Geschichte aus dem Oktober 2009, über die das Offenbacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck zum Jahresende 2011 zu urteilen hatte.

Hauptakteure sind eine aus der Karibik stammende 41-jährige mehrfache Mutter, die überhöhter Alkoholgenuss auf die Anklagebank gebracht hat, und (als Opfer) ein 50-jähriger Taxifahrer mit äthiopischen Wurzeln. Der trägt seit dem denkwürdigen Herbstmorgen eine von einer Bisswunde herrührende Narbe am Arm und zeigt sich immer noch entsetzt über raue Sitten, die er so von seiner Heimat nicht kennt.

Die Frau ist seit der Verhandlung vorbestraft. Sechs Monate auf Bewährung hat sie wegen versuchten Raubes bekommen. In diesen juristischen Straftatbestand mündete ein Zug durch die Frankfurter Gemeinde, den die Hausfrau mit Freunden unternahm. Bei diesen handelte es sich um eine weitere, jüngere Dame sowie vier Süditaliener, einer 27 und in Deutschland wohnend sowie seine drei bei ihm zu Gast weilenden Cousins, 20, 21 und 22 Jahre jung.

Pegel von 1,5 Promille

Um 7.30 Uhr morgens endet die ausgedehnte Feier. Die 41-Jährige, die vorher selten ausging, hat ob der guten Stimmung tüchtig dem Alkohol zugesprochen und, wie sich später herausstellt, einen Pegel von 1,5 Promille. Die sechsköpfige Gesellschaft nimmt sich ein Großraumtaxi für die Rückfahrt in den Kreis Offenbach. Nachdem die junge Frau in Offenbach abgesetzt ist, entspinnt sich ein lauter, in spanisch-italienischem Sprachgewirr geführter Streit zwischen der verbliebenen Frau und dem ältesten Italiener (der sich als ihr damaliger Geliebter bezeichnet).

Vor Gericht kristallisiert sich heraus, dass es um die Bezahlung der Taxifahrt gegangen ist. Der 27-Jährige hat wohl vor seinen Vettern aus der Heimat protzen wollen und dem Taxifahrer vorab eine Pauschale gezahlt. Zu fürstlich, befindet offenbar die auf den Euro schauende Hausfrau aus der Karibik.

Als man vor der Haustür des (ebenfalls berauschten und inzwischen eingeschlafenen) 27-Jährigen steht, verlangt die 41-Jährige, der Taxifahrer solle sie für das aus ihrer Sicht überhöhte Fahrgeld noch kostenlos heimfahren. Der, wie er dem Richter versichert, solches Verhalten nicht gewohnte Äthiopier weigert sich. Weniger wegen zusätzlicher 15 Kilometer, sondern weil ihm die Frau zu unhöflich und zu betrunken vorkommt. Und weil er keineswegs über Gebühr entlohnt worden ist.

Frau will dem Fahrer die Geldbörse wegnehmen

Die erboste Angeklagte belässt es nicht beim Wortgefecht, sie will dem Fahrer zudem die Geldbörse wegnehmen, um den Fahrpreis durch Herausnahme von zehn oder 20 Euro auf ein angemessenes Maß zu reduzieren. Der Taxifahrer hält die Börse jedoch fest, da beißt ihn die 41-Jährige in den Arm. Nicht mehr zu klären ist vor Gericht, ob er ihr vorher zwecks Verteidigung seiner Einnahmen eine Ohrfeige gegeben hat.

Jedenfalls zieht sie den Zündschlüssel ab, woraufhin er den Alarmknopf drückt. Kurz darauf anwesende Polizeibeamte nehmen der Frau, die sich immer noch im Recht fühlt, die Geldbörse ab, die sie inzwischen an sich gebracht hat.

Auf dem Polizeirevier schwant der 41-Jährigen, dass sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Dort und später vor Richter Beck bereut die wieder ernüchterte Frau ihr Verhalten. Sie entschuldigt sich beim Taxifahrer und verspricht ihm 500 Euro Schmerzensgeld. Er akzeptiert die Entschuldigung.

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