Frau Roth erschreckt Offenbach

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Eigentlich muss Petra Roth wissen, was ihre ABG in Offenbach vorhat: Im vergangenen April bewunderte die Frankfurter Oberbürgermeisterin gemeinsam mit ihrem Offenbacher Kollegen Horst Schneider beim offiziellen Unterschriftstermin für die Hafenvereinbarung die ersten Entwürfe.

Offenbach ‐ Die Befürchtungen, Frankfurts Wohnungsbaugesellschaft ABG könne sich auf Offenbachs Hafeninsel mit dem Hintergedanken engagieren, dorthin Sozialfälle zu exportieren, schienen ausgeräumt. Von Thomas Kirstein

Es galt das von Architektenplänen untermauerte Wort von ABG-Boss Frank Junker, am Mainufer der Nachbarstadt werde man ausschließlich höherwertigen, frei finanzierten Wohnraum schaffen. Da gerät erschreckt ein veröffentlichtes Zitat seiner Aufsichtsratschefin die Offenbacher. „Aber nur Sozialwohnungen“, soll Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) dem Architekten Albert Speer entgegnet haben, als der lobte, dass die ABG in Offenbach bauen wolle.

So stand es gestern in der Frankfurter Rundschau, und gleich macht die Offenbacher CDU, die einst mit Sozialbau-Ängsten gespielt hatte, die „klare Aussage der Frau Roth“ zum Thema. Fraktionschef und OB-Kandidat Peter Freier fordert den SPD-Oberbürgermeister Horst Schneider schnellstens „zur Klärung auf“. Schließlich habe die Union ihre Zustimmung zum Hafenprojekt nur unter der Prämisse gegeben, dass dort hochwertiger Wohnungsbaus entstehe.

Der OB klärt: „ABG-Chef Junker hat mir versichert, dass sich nichts an den Plänen für das höhere Preissegment geändert hat. Sozialbau im Hafen ist nicht geplant und war auch nie geplant.“ Schneider meint, dass seine Kollegin vielleicht die Details in der Diskussion mit Architekt Speer nicht parat hatte.

Mehr zum Thema Neubaugebiet Hafen lesen Sie in unserem Stadtgespräch.

Petra Roths Presseamtsleiter Dr. Matthias Arning glaubt, dass die FR-Veröffentlichung nur auf einem Missverständnis beruhen könne: Jeder wisse doch, dass man ein solches Filetstück wie den Offenbacher Hafen nicht für öffentlich geförderten Wohnungsbau nutzen könne. Überdies habe seine Chefin während dem fraglichen „Metropolenforum“ in Darmstadt „das große Panorama der interkommunalen Zusammenarbeit mit ihrem Offenbacher Kollegen Schneider entworfen“. Rübergekommen ist freilich Rothsche Kritik an einer zu zögerlichen Nachbarstadt. „Da fehlt es an mutiger, politischer Kraft, da stimmt etwas nicht“, wird die Christdemokratin von der FR zitiert.

So könnte das neue Hafengebiet aussehen

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Im Offenbacher Rathaus vermutet man einen etwas aus dem Ruder gelaufenen Verteidigungsversuch der OB, die sich gegen die Kritik von Albert Speer wehren wollen, bei der Gestaltung Frankfurts werde manches zu zögerlich und zu vorsichtig angegangen. Eine freie Assoziationskette könnte die in die Ecke gedrängte Frau Roth zu der alten Übung verführt haben, ein bisschen auf dem kleineren Nachbarn rumzutrampeln und schnodderig mit „nur Sozialwohnungen“ zu kontern, lautet eine Theorie.

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