Prozess in Darmstadt

Frauen zur Prostitution gezwungen

Darmstadt/Offenbach - Vor Gericht werden nicht unbedingt einfache Sachverhalte erwartet. Manche Prozesse aber gestalten sich schon zu Auftakt derart zäh, dass der gesamte Zeitplan durcheinander gerät. Von Silke Gelhausen-Schüßler

So wie das Verfahren um Zuhälterei, Vergewaltigung und Körperverletzung, das gestern vor der 15. Strafkammer des Darmstädter Landgerichts startete.

Fünf Stunden dauerte es, bis Richterin Barbara Bunk aus den beiden angeklagten Bulgaren Plamen P. (45) und Miroslav T. (30) so etwas wie eine Aussage herausgekitzelt hat – inklusive der Zeit, welche die für jedes Wort nötigen Dolmetscher brauchen.

P., bis vor kurzem Offenbacher Bürger, und dem Hanauer T. wird vorgeworfen, die Bulgarin Me. mit dem Versprechen auf Arbeit im September 2010 nach Offenbach gelockt zu haben, um sie hier anschaffen zu lassen. Nachdem Me. sich weigerte, soll P. ihr mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen, ihr Pass und Handy abgenommen haben.

Infizierte sie mit Tripper

 Die verängstigte Frau soll dann auf dem Straßenstrich in der Nähe der Frankfurter Messe anschaffen gegangen sein. Die Einnahmen musste sie an die Prostituierte „Tanja“ abgeben, die ihrerseits das Geld an P. weiterleitete. Dem reichten das Geld allerdings nicht: er wollte auch persönlich belohnt werden und zwang Me. zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Dabei infizierte er sie mit Gonorrhöe (Tripper). Nach vier Wochen gelang Me. die Flucht und sie zeigte ihre Peiniger an.

Me. blieb nicht das einzige Opfer der Bulgaren: Drei weitere Frauen sollen von ihnen zur Prostitution gezwungen worden sein. Für das Verfahren sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

Rubriklistenbild: © Symbolbild dpa

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