„Frauen werden ihren Weg finden“

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Patricia Kappus-Becker

Offenbach - Sie leitet zusammen mit ihrem Vater Wolfgang den größten Seifenhersteller in Westeuropa, die M. Kappus GmbH & Co Feinseifen und Parfümeriefabrik in Offenbach: Patricia Kappus-Becker ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Von Achim Lederle

An der Seite ihres Vaters und zusammen mit ihrem Ehemann Alexander Becker, der kaufmännischer Leiter ist, hat sie sich an der Spitze des 1848 gegründeten Unternehmens etabliert. Mit 350 Mitarbeitern produziert Kappus in den Werken Offenbach, Riesa und Krefeld jährlich 400 Millionen Stück Seife. Aufgewachsen in Heusenstamm, bestand Kappus-Becker 1983 ihr Abitur und studierte danach Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Vordiplom entschied sie sich, eine Lehre als Industriekauffrau zu machen, da ihr das Studium zu praxisfern war.

Seit 1989 arbeitet sie im elterlichen Unternehmen, streute aber immer wieder Praktikumsaufenthalte im Ausland ein. Im Gespräch mit unserem Redakteur Achim Lederle spricht Patricia Kappus-Becker über den Weltfrauentag, über Firmentradition und Familie.

Was bedeutet für Sie als erfolgreiche Offenbacher Unternehmerin der Weltfrauentag? Ist er weiterhin ein Impulsgeber für die Gleichberechtigung der Frauen, oder ist dieser Tag im 21. Jahrhundert eigentlich überflüssig, weil viele Frauen inzwischen selbstsicher ihren Weg gehen?

Der Weltfrauentag ist weiter wichtig. Die Stellung der Frauen hat sich in den westlichen Gesellschaften sicher sehr gestärkt, weltweit sind hier aber noch viele Brennpunkte zu bearbeiten. Unterstützung ist wichtig. Der Weltfrauentag ist eine wichtige Plattform. Frauen und Männer sind nicht gleich, dennoch müssen sie gleichberechtigt handeln können. Es führen immer viele verschiedene Wege ans Ziel, es sollte jedem freigestellt sein, welchen Weg er wählen möchte. Diese unterschiedlichen Wege und Leistungen sollten wir gleichberechtigt und unabhängig vom Geschlecht beurteilen. Frauen werden ihren Weg finden, auch ohne Frauenquote.

Wie war Ihr Weg an die Spitze der Firma Kappus? Ab wann war für Sie klar, dass Sie in die Firmenleitung aufsteigen?

Der Weg war freiwillig ohne Druck, schon als Kind haben die Besuche mit dem Opa oder dem Vater in der Firma prägenden Einfluss gehabt, eine so lange Familientradition gibt man nicht leichtfertig auf.

Sie teilen sich mit Ihrem Vater und Ihrem Ehemann die Geschäftsleitung. Wie ist diese Führungsstruktur genau geregelt? Gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten über den Kurs des Unternehmens?

Die Verantwortungsbereiche sind klar geregelt, jeder bearbeitet seine eigenen Bereiche, strategische Grundsatzentscheidungen werden gemeinsam diskutiert und entschieden. Sollte kein Konsens entstehen, ist die finale Entscheidung eindeutig geregelt. Dieser Fall ist bisher aber noch nicht eingetreten.

Kappus ist eine der großen Offenbacher Traditionsfirmen und größter Seifenhersteller in Westeuropa. Wie lauten Ihre persönlichen Prinzipien der Unternehmensführung?

Ganz oben steht die Erhaltung der Arbeitsplätze, hier liegt unsere Hauptverantwortung, auch wenn es im immer europäischer geregelten Umfeld zunehmend schwieriger wird. Die Nutzung einer Insolvenz zur Sanierung, wie bei Manroland oder Schlecker, gehört bei uns nicht zu den strategischen Optionen.

Welche Rolle spielt für Sie die Familie, im Unternehmen und außerhalb?

Die Familie spielt eine Hauptrolle, Familie ist das erste soziale Netzwerk, sie bietet Liebe, Geborgenheit und Sicherheit. Familie heißt Geben und Nehmen, sie ist kein Selbstläufer, Familie ist manchmal schwierig und kompliziert, man muss sich umeinander kümmern und gegenseitig Verantwortung übernehmen, aber die Familie ist immer für einen da, hier werden soziale Kompetenzen vermittelt und erlernt.

Welche Unternehmensziele verfolgen Sie kurz- und langfristig? Wie reagiert die Kappus GmbH auf die Herausforderungen der globalisierten Wirtschaftswelt?

Neben der Sicherung der Arbeitsplätze ist es Ziel, die Marke Kappus langfristig wieder mehr in den Fokus zu rücken. Hier sehen wir in der Entwicklung von Spezialseifen und hochwertig parfümierten und gestalteten Seifen Chancen. Von uns produzierte Seifen finden sich in fast jedem großen Drogeriemarkt, im Lebensmittelhandel und bei vielen Discountern, meist versteckt unter anderen Namen.

Derzeit sind wir mit drei Produktionsstandorten sehr gut aufgestellt. Sorge bereiten die aktuell sehr hohen Rohstoffpreise und die ständig steigenden Kosten für Überwachung der Produkte, die von den europäischen Behörden vorgegeben wird.

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