Frauenhaus klappt selten

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Sigrid Jacob, Leiterin des Freiwilligenzentrums Offenbach, hilft potenziellen Helfern, Hans Dick ist einer der Ehrenamtlichen, die sich bei ihrer Tätigkeit wohl fühlen. Die Vermittlungsstelle befindet sich in der Kaiserstraße 44.

Offenbach - Rentner, so sagt man, haben nie Zeit. Tatsächlich gibt es aber jede Menge Senioren, die ihre Tatkraft gern sinnvoll einsetzen würden. Sie - und alle, die nicht mehr im Berufsleben stehen - sind beim Freiwilligenzentrum Offenbach genau richtig. Von Leah Junck

„Sie können bei uns ehrenamtlich aktiv werden, damit das Gemeinwohl unterstützen“, sagt Geschäftsführerin Sigrid Jacob. Das Freiwilligenzentrum wurde im Mai 2002 mit finanzieller Unterstützung des Landes Hessen als Verein ins Leben gerufen. Trotz der günstigen Lage in der Innenstadt lockt die Fußgängerzone bei weitem nicht genug engagierte Menschen in die Kaiserstraße 44. Im Zentrum selbst mangele es an hauptamtlichen Mitarbeitern mit Beratungsfunktion, sagt Sigrid Jacob.

Sie und Lisa Giehl bilden das Rückgrat des Vereins und werden von drei ehrenamtlichen Kräften hauptsächlich administrativ unterstützt. Alle haben sie das Anliegen, jeden Freiwilligen einem passenden Träger zuzuordnen, von denen sie etwa 100 im System haben. Als „Sack bunter Flöhe“ mit verschiedensten beruflichen Hintergründen und Fertigkeiten bezeichnet Hans Dick, dessen Gesicht von den Plakaten der KOMM-Star-Kampagne bekannt ist, die zu Vermittelnden. Zu jenen zählt auch er selbst. Vor einem Jahr wurde der Rentner an ein Projekt für Jugendliche vermittelt, in dem er sich gut aufgehoben fühlt.

Sind froh, Adressen herausgeben zu können

Dick ist so etwas wie der Vorzeige-Freiwillige, kann als Optimalfall angesehen werden. Dass die Vermittlung so reibungslos wie bei ihm klappt, ist aber nicht die Regel, versichert Sigrid Jacob. „Manchmal haben wir auch Fälle, die wir nicht vermitteln können“, sagt sie. Und sie berichtet von dem Mann, der auf der Suche nach einer Frau im Freiwilligen- zentrum vorsprach, sein Begehren nicht verhehlte und sich ins Frauenhaus vermitteln lassen wollte. Nicht erst hier zieht der Vermittlungsdienst für Freiwillige eine Grenze.

Die meisten Zurückgewiesenen befänden sich gerade in einer Umbruchphase ihres Lebens, mit der die noch nicht zurecht kämen. „Wir sind froh, Adressen herausgeben zu können, die bei der Selbsthilfe unterstützen können“, sagt Sigrid Jacob. Denn es sei niemanden geholfen, wenn man für solche Personen zwanghaft eine Aufgabe suchen würde. Allerdings seien das eher Ausnahmefälle.

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