Schlechter Zustand

Frauenhaus Offenbach: Schimmel, aufgerissene Böden und Lärm

Blick in ein Zimmer des Frauenhauses
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Bild aus anderen Tagen: Inzwischen werden Zimmer im Frauenhaus saniert.

In der Notunterkunft für Frauen in Offenbach kann von Weihnachtsstimmung keine Rede sein: Nach mehreren Wasserschäden gleicht das Frauenhaus einer Baustelle.

Offenbach – In dieser angespannten Situation veröffentlichten Stadt Offenbach und Gemeinnützige Baugesellschaft GBO als Vermieterin kürzlich eine Meldung, in der man sich für die tatkräftige Unterstützung des Frauenhauses ausgiebig feierte. Beim Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ sorgt das jedoch für Verstimmung, schriftlich machen die Vorstandsmitglieder ihrem Ärger Luft.

„Die Frauen und Kinder leben aktuell zwischen offenen Wänden, aufgerissenen Böden, verschlossenen Bädern, dröhnenden Lufttrockengeräten und Handwerkerlärm – zudem gibt es Schimmel im Haus“, schreibt der Verein. Für diejenigen, die dort Zuflucht gesucht haben – oft auch traumatisiert – eine äußerst belastende Situation. So belastend, dass der Verein alle Bewohner ausziehen lassen musste. Mit „großem Erstaunen“ habe man daher den Bericht der Stadt Offenbach zur Kenntnis genommen, wonach es eine „gute Kooperation“ gegeben habe.

Frauenhaus in Offenbach: Organisaation „Frauen helfen Frauen“ beklagt schlechten Zustand

Dabei seien gleich mehrere Aussage falsch, die Situation sei für die Betroffenen schwierig. Hinzu komme noch, dass sich der gesamte jetzige Zustand schon länger angebahnt habe, schreibt der Verein.

Tatsächlich beklagt „Frauen helfen Frauen“ seit geraumer Zeit, dass das Frauen- und Kinderhaus nicht den notwendigen Standards für ein ausreichend ausgestattetes Schutzhaus entspreche – nicht nur, was die Zahl der zur Verfügung stehenden Unterkünfte anbelange, sondern etwa auch unter dem Aspekt der Barrierefreiheit oder der Ausstattung der Nassräume.

Mitte September wurde dann der erste Wasserschaden an die GBO gemeldet, es folgten weitere in Oktober und November. Seit Oktober konnten wegen der Schäden keine Zimmer mehr neu belegt werden, wegen des unhaltbaren Zustands.

Offenbach: Baugesellschaft versucht, Problem in Frauenhaus zu relativieren

Entgegen der Darstellung der GBO seien die Bäder im Haus jedoch nicht saniert worden, auch gebe es nicht genügend Ersatzunterkünfte für die Frauen und Kinder in den betroffenen Zimmern. „Lediglich eine unmöblierte Zwei-Zimmer-Wohnung ohne Küchenausstattung wurde uns angeboten“, schreibt der Verein. Die Aussage der GBO, dass die Arbeiten Mitte Januar beendet seien, zweifelt der Verein an. Man gehe nicht davon aus, dann zum Regelbetrieb übergehen zu können, heißt es in dem Schreiben.

Bei der Baugesellschaft wird versucht, das Problem zu relativieren: Auf Nachfrage heißt es, dass lediglich zwei Wohnräume und ein Spielzimmer momentan nicht nutzbar seien. „Die Sanierung betrifft nur einen Teil des Gebäudes, es sind zwei Bäder verschlossen“, schreibt die GBO. Dass der Verein das Gebäude geräumt hat, trifft auf Unverständnis: Aus Sicht der Baugesellschaft hätten dafür keine „baulichen Gründe“ bestanden.

Allerdings wird eingeräumt, dass die Geräte zum Trocknen von Boden und Wände momentan rund um die Uhr laufen – denn erst wenn die Bausubstanz trocken ist, können die Sanierungsarbeiten fortgeführt werden. Gegenwärtig geht GBO die davon aus, dass die Arbeiten bis Ende Januar andauern.

Schlechte Zustände im Frauenhaus: Verhältnis zwischen Trägerverein und Stadt Offenbach getrübt

Zusätzlich zu einer kurzfristig freigewordenen Zwei-Zimmer-Wohnung habe die GBO dem Verein nun vom 4. bis 31. Januar eine weitere als Zwischenlösung angeboten. GBO-Geschäftsführung, der Oberbürgermeister und die Sozialdezernentin wollen überdies im Januar mit dem Verein in Kontakt treten.

Das Verhältnis zwischen dem Trägerverein und der Stadt Offenbach darf als getrübt gelten, da die Stadtverordneten im November mehrheitlich einen Antrag der SPD für weitere Unterkünfte dahingehend abänderten, dass nun erst einmal der Bedarf überprüft wird. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte der Verein betont, dass die zusätzlichen Zimmer dringend benötigt werden und ihnen laut der Istanbul-Konvention auch zustehen.

Für die Zukunft sucht der Verein, so steht es auf dessen Internetseite zu lesen, nach einer neuen, geeigneteren Unterkunft. Man hoffe dabei auf die Hilfe von Politik und Gesellschaft. (Frank Sommer)

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