Frauenselbsthilfegruppe unterstützt

Trotz Krebs: „Ein hohes Alter ist erreichbar“

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Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen. Die Aufklärung über Diagnostik, Therapie und Heilungschancen steht im Mittelpunkt des Weltkrebstages, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute begeht.

Offenbach - Eine heimtückische Erkrankung ist auf dem Vormarsch: Bis zum Jahr 2025 wird die Zahl der Menschen mit Krebs rasant steigen. Allein im Jahr 2012 erhielten 14 Millionen Menschen weltweit die schockierende Diagnose. Eine Stütze im Leben der Patienten sind Selbsthilfegruppen. Von Harald H. Richter

Auch mit Krebs ist ein erfülltes und zufriedenes Leben möglich. Diese Erfahrung teilen Selbsthilfegruppen – zu den beständigsten in Stadt und Kreis zählt neben jenen in Rodgau und Egelsbach die Frauenselbsthilfegruppe (SHG) nach Krebs in Offenbach. „Auffangen, informieren, begleiten.“ Das sind die Hauptanliegen der seit 32 Jahren bestehenden Offenbacher Gruppe, die sich derzeit aus 30 Frauen zusammensetzt und sich stets am letzten Donnerstag im Monat im Katholischen Pfarramt St. Konrad an der Waldstraße trifft. Die jüngste Teilnehmerin ist Anfang 40.

Doch die Vorsitzende der SHG, Maria Bienmüller-Marschall betont: „Wir haben auch eine 90-Jährige in unseren Reihen, was beweist, dass man mit der Diagnose Krebs ein hohes Alter erreichen kann.“ Wird die Erkrankung festgestellt, gerät für viele Betroffene das Leben aus den Fugen, nicht selten tritt zunächst eine Art Schockstarre ein. Die Erschütterung erstreckt sich auf den gesamten Alltag: Ohnmacht und Hilflosigkeit machen sich breit. Die Strecke, die vor einem Patienten liegt, scheint unüberwindbar.

Persönlicher Weg im Umgang mit Krebs

„Doch wir Frauen sind sie gegangen und möchten unsere Erfahrungen an andere weitergeben, damit sie ihren persönlichen Weg im Umgang mit Krebs finden“, sagt Bienmüller-Marschall. Nicht nur direkt Betroffene, auch deren Partner und Angehörige sind willkommen – unabhängig vom Geschlecht. Nicht mal eine Mitgliedschaft ist erforderlich, denn die Teilnahme an den Gruppentreffen ist kostenlos. Mitglieder profitieren von Referaten, die zu verschiedenen Themen angeboten werden. Doch auch die Geselligkeit wird gepflegt, etwa bei Ausflügen. „Wir wollen ja nicht fortwährend die Krankheit thematisieren“, sagt die Vorsitzende.

Maria Bienmüller-Marschall und ihre Vorstandskolleginnen Ruchla Tenenbaum und Beate Möller (von links).

Ihre ehrenamtliche Arbeit und die ihrer Vorstandskolleginnen Ruchla Tenenbaum und Beate Möller finanziert sich im Wesentlichen aus Zuwendungen der Deutsche Krebshilfe, der Krankenkassen, der Kommune und aus Spenden. Große Sprünge lassen sich damit nicht machen, dennoch hat sich die SHG in mehr als drei Jahrzehnten einen festen Platz inmitten der örtlichen Selbsthilfegruppen gesichert. Ein Wegweiser listet Initiativen mit Ansprechpartnern und Erreichbarkeit in Offenbach und Umgebung auf. In einer Neuauflage dürfte eine weitere Gruppe Berücksichtigung finden, denn nach Auskunft von Bienmüller-Marschall befindet sich am Sana-Klinikum ein Selbsthilfekreis für türkische Migrantinnen im Aufbau.

Intensive Kontakte

Seit langem bestehen zu beiden Krankenhäusern in der Stadt intensive Kontakte. Im Sana-Klinikum ist neben Professor Christian Jackisch, Leiter des Brustzentrums und Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Psychoonkologin Dr. Lida Schneidereine geschätzte Ansprechpartnerin. Sie ist zugleich Geschäftsführerin des Vereins „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern“. Einmal im Monat treffen sich die Vorstandsfrauen der Selbsthilfegruppe mit ihr.

Mit dem Ketteler-Krankenhaus ist die SHG ebenfalls vernetzt. Dort ist Dr. Elsbeth Staib-Sebler als Leiterin des psychoonkologischen Dienstes viel gefragte Bezugsperson und erste Ansprechpartnerin für Betroffene. Die Medizinerin beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Tumorpatienten. Das Brustzentrum des Ketteler-Krankenhauses wiederum vereint Diagnostik und Therapie und arbeitet vertrauensvoll mit niedergelassenen Gynäkologen zusammen. Dort werden alle Erkrankungen der weiblichen und selten auch männlichen Brust behandelt. Im Darm-Centrum wiederum haben sich Ärzte beider Kliniken mit niedergelassenen Fachärzten in einem Versorgungsnetz zusammengeschlossen.

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