Fredenhagen in Offenbach ist insolvent

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An der Sprendlinger Landstraße steht der Backsteinbau von Fredenhagen. Wegen der Wirtschaftskrise sind dem Unternehmen die Aufträge weggebrochen.

Offenbach - (ku/tk) Das Offenbacher Traditionsunternehmen Fredenhagen hat Insolvenz angemeldet. „Das ist nicht unbedingt das Ende“, sagte Geschäftsführer Clemens Vollmer unserer Zeitung. Der Antrag sei am Montag gestellt worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei Uwe Kuhmann bestellt worden.

Die Mitarbeiter seien gestern auf einer Versammlung informiert worden, erklärte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Heidt. „Die Stimmung ist sehr besonnen.“

Fredenhagen baut Fördersysteme für Automobilzulieferer. Deshalb treffe die Weltwirtschaftskrise die Firma zeitversetzt, erläuterte Vollmer. Aufträge seien ausgeblieben. Kunden würden zudem bei bereits erteilten Aufträgen noch über Nachlässe verhandeln. „Das ist wie im Wilden Westen“, sagte Vollmer. Darüber hinaus verweist er auf „Altlasten, die wir übernehmen mussten“. Vollmer ist auch Geschäftsführer von KV Capital, einer Beteiligungsgesellschaft, die Fredenhagen 2008 über Stotz Fördersysteme in Kornwestheim von der Familie Kupczyk gekauft hat. Die Altlasten habe das Unternehmen wie eine hohe Bugwelle vor sich her geschoben. „Ich musste handeln“, erklärte Vollmer.

Im Juni seien keine Löhne an die 92 Mitarbeiter gezahlt worden, berichtete er weiter. Erst hätten die Projekte gesichert werden müssen. Die Mitarbeiter sollen jetzt Insolvenzausfallgeld von der Agentur für Arbeit erhalten. Dies werde für Juni, Juli und August gezahlt, sagte Kuhmann. Es werde erst überwiesen, wenn das Gericht über den Insolvenzantrag entschieden habe. Das dauere erfahrungsgemäß vier bis sechs Wochen. Eine Prognose für das Unternehmen wagt Kuhmann noch nicht. Schließlich sei es in einer „ganz schwierigen Branche“ tätig. Fredenhagen habe noch Aufträge für die Zeit bis September oder Oktober, sagte Vollmer.

Schon vor der Insolvenz hatte er versucht, das Unternehmen unabhängiger von der Autoindustrie zu machen. Fredenhagen will Fördersysteme auch für die Windkraftindustrie fertigen. Der Hauptsitz der Firma ist von Offenbach nach Lilienthal bei Bremen verlegt worden.

Dass es um Fredenhagen nicht rosig steht, zeichnete sich schon ab. Im Frühjahr wandte sich ein in die Selbstständigkeit gewechselter Ex-Mitarbeiter an die Zeitung, weil ihm die für monatelange Qualitätskontrolle in China vereinbarten Zahlungen vorenthalten würden.

Seitens Fredenhagen wurde damals um Verständnis für die problematische wirtschaftliche Lage und um Nichtveröffentlichung gebeten. Der Mann erhielt einen Abschlag per Blitzüberweisung, klagte aber erst kürzlich erneut wegen ausstehender Restforderungen.

Auch die Fredenhagen-Betriebsrentner konnten ahnen, dass es nicht gut um ihren alten Arbeitgeber bestellt ist. Seit Anfang des Jahres gingen die Zahlungen ungewohnt verspätet sein. In einem Schreiben wurde den Pensionären dann angekündigt, dass die Mai-Rente am 30. Juni, die Juni-Rente Mitte Juli überwiesen werde.

Grundsätzliche Sorgen brauchen sich die Ruheständler nicht zu machen: Die Betriebsrenten garantiert ein Pensionssicherungsverein.

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