Wie frei ist die Manege?

„Wir lieben Tiere“: Zirkusdirektor Marco Frank kann Sorgen von Tierrechtlern mitunter nachvollziehen. Foto: mei

Wo ein Zirkus ist, ist der Vorwurf der Tierquälerei nicht weit. Die Tierschutzorganisation PETA fordert seit Jahren ein vollumfängliches Verbot von Tieren in der Manege. VON MARIAN MEIDEL

Auch der traditionsreiche Circus Barus, der unlängst in Offenbach gastierte, hatte mit der Organisation schon Schwierigkeiten.

Offenbach – Gelb-rot gestreift hebt sich das Zelt vom Grün der umgebenden Bäume ab. Es ist 10 Uhr morgens, von der Musik und dem Kindergelächter, das die Lichtung zwischen Offenbach und Bürgel am Abend mit Leben füllen soll, ist noch nichts zu spüren. Zirkusdirektor Marco Frank sitzt auf der Terrasse seines Wohnwagens und genießt die Morgensonne. Der Circus Barus ist sein wanderndes Zuhause, schon immer gewesen. „Meine Kinder sind jetzt die achte Generation“, so Frank. Gegründet wurde der Zirkus bereits 1812 in Schwerin. „Aber früher waren es natürlich Gaukler, Schlangenbeschwörer, Scherentänzer und Feuerschlucker, die auf Marktplätzen und vor Fürsten aufgetreten sind.“

Heute sind es vor allem Darbietungen mit Tieren, die Familie Frank in ihrer Manege präsentiert. Rund 40 sind mit ihnen auf Reisen: Kamele, Dromedare, Lamas, arababische Pferde, Ponys, Ziegen, Hunde, zwei Äffchen und der Friesenhengst Artus. „Wir lieben unsere Tiere“, sagt Marco Frank.

Das sieht die Tierschutzorganisation PETA offenbar anders. 2016 zeigte sie den Zirkus wegen eines Lamababys, das in Folge seiner Frühgeburt verstorben war, beim Veterinäramt des Kreises Offenbach an. Der Circus Barus, so die Aktivisten, habe gegen geltende Tierschutzrichtlinien verstoßen, indem er mit dem hochschwangeren Muttertier reiste (wir berichteten). Das Veterinäramt prüfte den Fall damals , kam aber zu dem Schluss, dass bei Franks Betrieb keine Missstände zu beklagen seien.

„Wir haben keine eigenen Gesetze – es gibt Auflagen, die man erfüllen muss“, erklärt Marco Frank. „Das Veterinäramt kommt immer wieder und kontrolliert, ob die Gehege groß genug sind. Und es schaut nach dem Pflege- und Ernährungszustand der Tiere.“ Mängel kämen dabei durchaus hin und wieder vor, aber keine Missstände. „Wenn ein Veterinär zum Beispiel feststellt, dass eine Hufpflege erforderlich ist, trägt er das ins Tierbestandbuch ein.

Der nächste Veterinär, der auf das Areal kommt, guckt sich dieses Buch als erstes an und geht dann gezielt zu dem bemängelten Punkt, um zu überprüfen, ob er behoben wurde.“ Das geschehe stets unangemeldet. „Wir haben nichts zu verbergen“, so Frank. „Wir sind ja auch immer auf dem Präsentierteller, allein schon wegen der Besucher. Wir würden uns schämen, wenn da ein Tier unterernährt, schmutzig oder ungepflegt wäre.“

Wildfänge sind keine unter den Barus-Tieren, betont der Direktor. „Wildfang ist verboten.“ Der Großteil stamme aus eigener Zucht. „Mein Großvater hatte auch schon Kamele.“ Manchmal bekomme man aber auch Tiere von Kollegen. „Zum Beispiel, wenn jemand einen Hengst in der Gruppe hat, der sich mit den anderen nicht versteht – man will ja immer Ruhe in der Gruppe haben, damit alles stressfrei ist.“

Dass Aktivisten um das Tierwohl besorgt sind, kann Frank durchaus nachvollziehen. „Wir selbst sind auch Tierschützer“, sagt er. „Wenn ich auf einer Koppel Tiere sehen würde, die kein Wasser oder keinen Unterstand haben, würde ich das auch anzeigen. Aber man sollte die Kirche schon im Dorf lassen.“

Gegen seinen Zirkus haben Tierschützer in der Vergangenheit schon mehrfach protestiert. „PETA sind militant – selbst, wenn man die Gehege drei- oder fünfmal so groß machen würde, wie das Gesetz vorsieht, wären sie immer noch nicht zufrieden.“ Dabei mache die Organisation auch gute Sachen, räumt Frank ein. Mit manchen könne man auch vernünftig reden. „Ich habe mich auch schon mal mit Leuten von PETA unterhalten und gefragt: Warum stehen Sie vor dem Zirkus und sagen, Sie wollen hier keine Tiger und Elefanten? Wir haben hier solche Tiere doch gar nicht!“ Die Antwort habe gelautet, weil man so mehr Leute erreiche. „Wenn die sich bei irgendeinem Landwirt wegen Massentierhaltung in den Hinterhof stellen, sieht es ja keiner.“

Frank würde sich mehr Unterstützung wünschen – auch von Seiten der Tierschützer. „Angenommen, es ist ein heißer Sommer. Dann könnten die doch auch sagen: Hört mal her, Leute, wir finden das nicht gut, aber Ihr habt’s schwer, die Tiere brauchen Futter – können wir euch helfen?“

Immerhin: Der Heuvorrat, den Marco Frank bei Landwirten aus der Region hat, reicht aktuell bis Juni.

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