Freiwillige Mehrfachtäter

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Für das positive Gefühl: Die Geschäftsführerin Sigrid Jacob (von links) sowie die ehrenamtlichen Mitarbeiter Helmut P. Müller, Peter Schnell und Hans Dick arbeiten für das Freiwilligenzentrum in Offenbach. Mit Hilfe weiterer Mitarbeiter vermitteln sie Freiwillige an Hilfsbedürftige und sorgen damit nicht nur bei anderen Menschen für ein positives Gefühl.

Offenbach - Ein Rentner hilft einem Jugendlichen bei seinen Schulaufgaben. Kinder bekommen vorgelesen. Oder Demenzkranken wird für ein paar Stunden Ablenkung beschert: Das Freiwilligenzentrum in Offenbach (FzOF) feiert im August sein zehnjähriges Bestehen.

Bei der Vermittlungsstelle sind mehr als 300 Freiwillige in der Datenbank vermerkt, die sich für ehrenamtliche Tätigkeiten zur Verfügung stellen.

Die hauptamtliche Geschäftsführerin Sigrid Jacob ist ebenso wie der ehrenamtliche Mitarbeiter Hans Dick seit 2006 für das FzOF tätig. Während Jacob mit einer halben Stelle ausgestattet ist, arbeitet der 64-jährige Rentner Dick wöchentlich bis zu zehn Stunden freiwillig als Engagementberater. Redaktionsmitglied Daniel Schmitt hat sich mit Beiden unterhalten.

Am Freitag, 17. August, steht das Zehn-Jahre-Jubiläum mit einer Feier im Rathaus bevor. Ein besonderer Tag?

Jacob: Nein, ganz und gar nicht. Die meisten von uns sind ja noch nicht die ganze Zeit mit dabei.

Trotzdem leisten Sie eine verdienstvolle Arbeit. Welche sind die Kernaufgaben?

Jacob: Der Zweck unseres Handelns ist die Förderung von Engagement. Wir versuchen, viele Menschen dazu zu bringen, anderen zu helfen.

Dick: Wir sind ein Dienstleister, der nichts kostet. Es kann jeder zu uns kommen, der Unterstützung braucht.

Wie läuft die Vermittlung ab?

Jacob: Wenn jemand an uns herantritt, dann schauen wir uns die Person an, suchen nach einer passenden Stelle und führen die beiden Seiten zusammen. Wir helfen den Leuten bei der Orientierung in diesem großen Dickicht.

Haben die Menschen denn keine gezielten Vorstellungen?

Dick: Natürlich gibt es Freiwillige mit klaren Vorstellungen. Aber diese sind wirklich breit gefächert. Der eine sagt, dass er sich lieber für kleine Kinder engagieren möchte, der nächste eher für kranke Menschen. Und der dritte kommt, ohne sich darüber Gedanken gemacht zu haben.

Bedarf es viel Überzeugungsarbeit – oder kommen die Leute von selbst auf das FzOF zu?

Jacob: Wir müssen schon einige Aktionen starten und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Aber nach zehn Jahren kennen uns natürlich einige Menschen.

Dick: Die Freiwilligen sind in der Regel Mehrfachtäter. Wenn sich jemand also einmal zu einem freiwilligen Engagement entschlossen hat, macht er das, bis er nicht mehr kann.

Wer hilft lieber: Jüngere oder ältere Menschen?

Dick: Die Mehrzahl der Personen sind etwas älter, weil in diesen Fällen einfach mehr Zeit für freiwillige Arbeit ist. Immer mehr kommen aber auch Berufstätige und Studenten dazu, die einen Ausgleich zum Alltag suchen.

Jacob: Nicht nur vom Alter her ist es ein ziemlich breiter Querschnitt, auch aus fast allen gesellschaftlichen Gruppen sind Menschen dabei – Reiche, Arme oder Arbeitslose. Das ist das Schöne an solch einem Engagement: Man kommt aus seinem Milieu heraus und trifft Menschen, die man sonst nicht treffen würde. Da funktioniert sogar eine Zusammenarbeit zwischen Offenbach und Frankfurt.

Was ist für Sie persönlich das Schöne an Ihrer Arbeit?

Jacob: Ich war vorher selbstständig, mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Als ich etwas suchte, stand für diese Stelle kein richtiges Berufsbild ausgeschrieben. Nur, dass man die richtige Haltung mitbringen müsse. Das hat sich auch so bewahrheitet. Ich kann vieles selbst gestalten und mit ganz verschiedenen Menschen zusammenarbeiten. Das finde ich sehr prickelnd.

Und als ehrenamtlicher Mitarbeiter?

Dick: Für mich zählt das positive Gefühl, Menschen zu vermitteln. Ich will etwas bewegen.

Das FzOF wird jährlich mit 42.000 Euro von der Stadt unterstützt. Reicht das denn?

Jacob: Für Sachmittel reicht die Unterstützung schon aus. Unser Problem ist eher die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter. Ich habe nur eine halbe Stelle, was deutlich zu wenig ist. Die Arbeit nimmt zu.

Wo soll das Geld dafür herkommen?

Jacob: Das ist die entscheidende Frage. Unser Los ist es leider, dass wir Sachmittel relativ einfach bekommen, aber Personalmittel nur sehr schwierig. Ein Lösung gibt es bislang nicht.

Wie stellen Sie Sich die nächsten zehn Jahre vor?

Dick: Ich wünsche mir, dass uns immer mehr Menschen kennen lernen. Es ist noch so viel zu tun. Die Bereitschaft ist zwar da, es braucht aber immer noch einen Anstoß in den Köpfen der Menschen. Daran wollen wir weiter arbeiten.

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