Zeit für die Allgemeinheit

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Wir waren dabei! Beim Abschlussfest des Freiwilligentags stellten sich Teilnehmer zum Gruppenfoto am Frieda-Rudolph-Haus auf.

Offenbach - Die einen greifen zu Spaten und Rechen, um das Außengelände in Ordnung zu bringen, während andere in der Marianne-Frostig-Schule Türen und Möbeln einen frischen Anstrich verpassen. Von Harald H. Richter

Vor dem Anni-Emmerling-Haus erwarten die Bewohner des Altenwohn- und Pflegeheims schon sehnlichst die angekündigten ehrenamtlichen Helfer, die sie zu einem Ausflug an den Grünen See begleiten wollen.

Eigentlich sind es Selbstverständlichkeiten im Miteinander. In der Summe spiegeln sie aber das wider, was mit verhältnismäßig geringen Mitteln und der Bereitschaft, sich für andere Menschen Zeit zu nehmen, zum Nutzen der Allgemeinheit geleistet werden kann. Noch dazu unverbindlich, den eigenen Interessen und Fähigkeiten entsprechend und unabhängig davon, ob in zahlenmäßig starker Gruppe oder in einer kleinen Initiative.

Breit gefächerte Auswahl an Projekten

So entsteht beim Stadtteilbüro Mathildenplatz dank zupackender Hände ein öffentlicher Bücherschrank, an dem jeder Literatur bereitstellen, im Austausch aber auch selbst Lektüre mitnehmen kann. Fortan ist die kleine Bibliothek, die ins Schaufenster eingepasst ist, jeden ersten Donnerstag im Monat geöffnet. Im Klinikum gestalten Freiwillige und der Verein „Aktion Kind im Krankenhaus“ mit kleinen Patienten auf deren Genesungsweg Collagen und lassen Zuversicht ausdrückende Bilder entstehen. Am Hafen wird mit Herz und Hand ein Stadtgarten angelegt, auf der Kinderfarm am Buchhügel ein Spiel-Spaß-Aktionstag gestaltet.

Die Auswahl der Projekte an diesem Freiwilligentag ist so breit gefächert wie das Altersspektrum der mitmachenden Bürger. David Seyfarth und seine Lebensgefährtin stellen sich zum zweiten Mal in den Dienst der ehrbaren Sache, um das Motto „Gutes tun – für einen Tag“ mit Leben zu erfüllen. Der 28-jährige Thüringer, der im Schöneck lebt, hat sich beim Agaplesion Simeonstift in Hainburg gemeldet, wo älteren und pflegebedürftigen Menschen in christlicher Geborgenheit ein Zuhause geboten wird. Als wichtige Erkenntnis aus der Begegnung und den Gesprächen mit den Senioren nimmt er mit, Neues erfahren und ein wenig von den Lebensschicksalen der betagten Menschen an sich heran gelassen zu haben. „So etwas erweitert den Horizont und öffnet nicht nur die Augen“, bilanziert er seinen ganz persönlichen Unterstützertag. Schon jetzt vereinbart er mit den Heimverantwortlichen, bei weiteren Aktivitäten des Seniorenstifts im laufenden Jahr den Bewohnern zu etwa Abwechslung und Kurzweil verhelfen zu wollen.

Bilderschau am Abend

Brigitte Touré aus Offenbach ist durch Presseankündigungen auf den Freiwilligentag aufmerksam geworden. „Ich fand die Idee toll und wollte unbedingt dabei sein.“ Auch ihr ist es wichtig, sich zu engagieren. „Ich werde das in Zukunft öfters tun“, sagt sie. Beim Abschlussabend aller Helfer im Stadtcafé Frieda-Rudolph-Haus sucht sie sogleich das Gespräch mit Offenbachs Ehrenamtsbeauftragten Reinhard Knecht. Der freut sich, dass die Veranstaltung mit ihren acht städtischen Projekten und weiteren neun im Kreis solche Impulse auslöst. „Ich werte das als gutes Zeichen für einen lebendigen Gemeinsinn in einer Stadt, in der es wegen knapper Finanzen ganz besonders auf die Bereitschaft ankommt, sich einzubringen, ohne auf Entlohnung zu schielen.“

Spontan stellt er als Beitrag zur Deckung der bei der Ausrichtung entstandenen Kosten 100 Euro zur Verfügung, sehr zur Freude von Sigrid Jacob vom Freiwilligenzentrum Offenbach und Martina Gessner vom Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau. In deren Händen hat die Vorbereitung und Organisation gelegen. Sie haben die Projekte koordiniert und die fotografische Dokumentation begleitet, deren erste Ergebnisse bei einer Bilderschau am Abend gezeigt werden. Unterdessen brutzeln – ungeachtet eines zwischenzeitlichen Gewitters – kulinarische Köstlichkeiten auf dem Grill, und in kleinen Grüppchen wird übers Erlebte diskutiert.

„153 Unterstützer haben sich heute engagiert und die Vielfalt des Ehrenamts mit Leben erfüllt“, zieht Sigrid Jacob Bilanz. Der Leiter des Diakonischen Werks, Henning Merker aus Dreieich, wertet die Beteiligung ebenfalls positiv und nennt die gezeigte Initiative „ein Beispiel für gelebten sozialen Frieden“. Die Regionalität des Ereignisses erfuhr durch das Mitwirken von 70 gemeinnützigen Trägern in Frankfurt, in Stadt und Kreis sowie erstmals auch im benachbarten Maintal eine Aufwertung. Die Einrichtungen selbst haben ihre Arbeit in den Blick der Öffentlichkeit rücken und somit Außenwirkung erzeugen können.

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