Freizeitverkehr der Zukunft

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Ob zu Fuß oder mit dem Rad wie Christine Breser oder zu Pferd wie Ingrid Schulz: Jedem weist die Vitrine am Rumpenheimer Goldockerhof den Weg durch den Regionalpark.

Rumpenheim - Das grünblaurote Logo mit den beiden stilisierten Flüssen und der Spitze des Messeturms ist aufmerksamen Wanderern und Radfahrern vertraut. Auf 350 Kilometern weisen Hinweisschilder den Weg durch den Regionalpark Rhein-Main. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Nun gibt es eine erste Informationsvitrine als Eingangsportal in die Regionalpark-Rundroute. Sie steht am Goldockerhof in Rumpenheim. Das große Aluminiumfenster enthält Übersichtskarten, Hinweise zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und informiert über Geschichte und Angebot des Hofs. Aus großen aufklappbaren Stahlkästen können Flyer und Broschüren entnommen werden. Das robust und wetterfest ausgestaltete Design wurde dem Layout des Regionalparks angepasst.

Betreiber des Parks ist die Regionalpark Rhein-Main GmbH in Flörsheim. Für Teilprojekte wie „Freizeitverkehr der Zukunft“ hat sie das Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZIV GmbH) aus Darmstadt mit ins Boot genommen. Unter Leitung der Ingenieure Dr. Peter Sturm und Christine Breser erarbeitet die ZIV umsetzungsreife Maßnahmen. Laut Sturm soll „die Säule Freizeitmobilität landschaftsbezogen und umweltverträglich sein.“

In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Verkehrswesen ist eine Erhöhung der Verkehrssicherheit auf den Strecken geplant. Weitere Kriterien sind gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV, die Nutzung und Verbesserung vorhandener Informationsmöglichkeiten und der Ausbau der Fahrradmobilität.

Feldwege sind Wirtschaftswege - hieß es früher

Nicht zu vergessen: Die Route bringt neue Perspektiven für die Landwirtschaft. Erwin und Ilse Schulz, den Betreibern der Reitanlage Goldockerhof, kommt die Anbindung an den Regionalpark nicht ungelegen. Auch sie wollen hin zu mehr Nachhaltigkeit. „Wir haben erkannt, dass mit Massentierhaltung nicht viel gewonnen wird, außer dass die Forderungen der Wirtschaftslobby erfüllt werden“, sagt Bauer Schulz. Er hofft, dass der Parkplatz neben der Vitrine als Ausgangspunkt für die Rundroute ganz nebenbei auch zusätzliche Gäste in Restaurant-Café und Pferdehof lockt.

So können sich die Meinungen ändern. Als das Projekt Ende der 80er Jahre noch in den Kinderschuhen steckte, waren Landwirte strikt dagegen, wie sich Regionalpark-Chef Dr. Lorenz Rautenstrauch noch gut erinnert: „Feldwege sind Wirtschaftswege, hieß es, Wanderer, Hunde und Radfahrer haben da nichts zu suchen!“ In den vergangenen drei Jahren ist das Netz komplett ausgebaut worden, ein Teil der roten Rundlinie führt über Offenbacher Stadtgebiet, der Kreis liegt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise der Schlossallee in Heusenstamm mittendrin.

Im erweiterten Netzentwurf sind 1200 Kilometer Wege geplant - dazu fehlen aber noch 850. Finanzielle Unterstützung gibt Hessens Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Den „Freizeitverkehr der Zukunft“ bezuschusst es mit 1,5 Millionen Euro über eineinhalb Jahre.

Regionalparkroute bald im Netz

Ab Juni soll die Regionalparkroute auch im www.radroutenplaner.hessen.de aufgenommen und in iPhones und Smartphones abrufbar sein, verspricht Landes-Verkehrsmanager Dr. Bernd Schuster. Er wirbt auch gleich für das nächste große Regionalparkfest. Vom 9. bis zum 11. September wird die neue erweiterte Rundroute an vielen Orten entlang der Tour mit Konzerten, Aktionen und Picknicks gebührend eingeweiht. „Es wäre schön, wenn auch viele Landwirte dabei wären“, wünscht er sich.

Drei weitere Vitrinen im Taunus sollen ihrer Vorreiterin in Offenbach dieses Jahr noch folgen: am Quellenhof in Steinbach, am Reinhardshof in Friedrichsdorf und am Lindenhof/Hof Hohmann in Bad Homburg.

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