Kommentar: Freude und auch Leid

Offenbach - Für ungetrübte Freude gibt es keinen Anlass: Die leidgeprüften Roländer starten zwar neu durch - an die neue Bezeichnung Manroland Sheet Fed wird sich manch einer noch gewöhnen müssen. Von Marc Kuhn

An die gemeinsame Vergangenheit mit den Augsburger Kollegen erinnert bald nur der Name: Sie firmieren künftig unter Manroland Web Systems. Angesichts der Trennung von den ungeliebten Schwaben dürften viele Offenbacher aufatmen. Für Trübsinn dürfte bei ihnen indes die Erinnerung an hunderte Roländer sorgen, denen die Chance auf eine Zukunft bei dem Druckmaschinenbauer verwehrt worden ist. Sie müssen in den nächsten Monaten in der Transfergesellschaft auf eine Vermittlung in neue Stellen hoffen. Und die, die bleiben dürfen, müssen wieder einmal auf Geld verzichten.

Die stets beklagten Überkapazitäten sind damit - hoffentlich endgültig - abgebaut. Die Roländer sind jetzt besser aufgestellt als die Konkurrenz - vor allem Heidelberger Druck dürfte wohl nicht am Ende des Personalabbaus stehen. Nun gilt es, das Werk an der Mühlheimer Straße so aufzustellen, dass Manroland sich gegen die Wettbewerber behaupten kann. Keine leichte Aufgabe für das Management. Schließlich müssen zahlreiche Mitarbeiter in den neuen Strukturen umdenken. Von dem neuen Investor Tony Langley müssen sie sich noch ein Bild machen. Der Ruf, der ihm vorauseilt, gibt allerdings Grund zur Hoffnung: Hat er doch seine bisherigen Beteiligungen ohne große Umbrüche zum wirtschaftlichen Erfolg geführt. Manroland Sheet Fed bewegt sich mit seinen Bogendruckmaschinen aber weiter in einem schwierigen Markt. So bleibt es spannend, auch für die restliche Mannschaft.

Vorbei ist das durchsichtige Ränkespiel rund um Manroland - zum Glück. Das Engagement von SPD, Grünen, Linken und Teilen der IG Metall auf Bezirksebene diente wohl eher der Beschädigung der schwarz-gelben Landesregierung, als der Hilfe für die Betroffenen. Ein unwürdiges Gezerre auf dem Rücken von Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen.

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